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Lesart / Archiv | Beitrag vom 09.11.2016

Nathan Hill: "Geister"Eine Geschichte der gesellschaftlichen Spaltung in den USA

Nathan Hill im Gespräch mit Andrea Gerk

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(Deutschlandradio - Matthias Dreier)
Autor Nathan Hill zu Gast bei Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio - Matthias Dreier)

Nathan Hills Debütroman "Geister" ist zugleich Familiendrama, Entwicklungsroman und Gesellschaftsgeschichte der USA seit den Chicagoer Protesten 1968. "Da begann diese Spaltung, die wir auch heute noch sehen", sagt Hill.

Als perfektes Buch zum US-Wahlkampf erscheint Nathan Hills Roman "Geister", jedenfalls auf den ersten Blick: 

Es erzählt die Geschichte des Literaturprofessors Samuel Anderson und seiner Mutter, die nach einem tätlichen Angriff mit Kieselsteinen auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten zur Terroristin stilisiert wird. Gleichzeitig entwirft Hill in "Geister" eine Gesellschaftsgeschichte der USA seit den Chicagoer Aufständen 1968.

Das Land ist gespalten wie nie seit dem Bürgerkrieg

"Da begann diese Spaltung, die wir auch heute noch sehen", sagte Hill im Deutschlandradio Kultur. "Wir hatten eine autoritäre Rechte und eine radikale Linke, und die haben sich wirklich bekämpft in den Straßen von Chicago."

Inzwischen sei die gesellschaftliche Spaltung so groß wie nie seit dem Bürgerkrieg. Beide Seiten lebten in völlig unterschiedlichen Realitäten. DAmit müssten sich auch die liberalen Intellektuellen befassen, mahnte Hill.

"Es wird viel darüber geredet in den USA, (...) dass die amerikanische Elite vielleicht zu sehr herabsieht auf die Trump-Wähler, dass sie zu ungebildet sind, dass sie dumm sind, dass sie nicht wissen, was in der Welt passiert."

Ähnlichkeiten der Romanfigur mit Donald Trump sind Zufall

Eventuelle Ähnlichkeiten mit dem künftigen Präsidenten der USA und dem Politiker in seinem Buch sind allerdings Zufall. Seine Romanfigur habe er bereits vor acht Jahren entwickelt, betont Hill:

"Und ich fand ihn einfach nur absurd, ich dachte, er ist lächerlich. Ich wollte ihn auch lustig darstellen. Aber dann ist die Realität noch absurder geworden, noch absurder als mein Roman. Ich habe nicht versucht, die Zukunft vorherzusagen. Ich wollte eigentlich nur ein lustiges Buch schreiben."

Nathan Hill: "Geister"
Aus dem Amerikanischen von Katrin Behringer und Werner Löcher-Lawrence
Piper-Verlag, München 2016
864 Seiten, 25 Euro

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