Seit 18:05 Uhr Wortwechsel
Freitag, 24.09.2021
 
Seit 18:05 Uhr Wortwechsel

Interview | Beitrag vom 24.07.2021

Nach der HochwasserkatastropheGefahren durch ausgetretene Chemikalien

Wolf von Tümpling im Gespräch mit Ute Welty

Zwei Männer in Arbeitsmontur mit Handschuhen und Helm tragen mit Schaufeln Schlamm von einer Straße ab. (imago images / Hannes P. Albert)
Bei den Aufräumarbeiten kommen Helfer mit Schadstoffen in Kontakt, warnt Wolf von Tümpling. (imago images / Hannes P. Albert)

Heizöl, Pestizide, Fäkalien: Nach der Hochwasserkatastrophe bereiten die Schadstoffe im Schlamm dem Umweltanalytiker Wolf von Tümpling Sorge. Er rät Helfern, sich zu schützen und Hygieneregeln strikt einzuhalten.

Mit dem Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind auch zahlreiche Schadstoffe in die Umwelt gelangt. Die Gefahr einer Umweltkatastrophe sieht Wolf von Tümpling, Leiter der Abteilung Gewässeranalytik und Chemometrie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magedeburg, jedoch nicht.

Denn anders als im Elbeinzugsgebiet beim Hochwasser 2002 spielten in der jetzigen Hochwasserregion "im Prinzip keine ehemaligen Bergbauaktivitäten oder Großindustrieabfälle als Altlast eine Rolle", sagt der Umweltanalytiker.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Man müsse allerdings damit rechnen, dass ausgetretenes Heizöl über die Nebenflüsse in den Rhein gelange. "Es wird sicherlich auch möglicherweise leicht erhöhte Konzentrationen von einigen Schadstoffen gebeh wie vielleicht Pestiziden, die in den Haushalten und den Kleingärten gelagert waren", so von Tümpling. "Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Konzentrationen so hoch sind, dass sie für den Rhein eine Gefahr darstellen."

Gefahrenstoffe fachgerecht entsorgen

Große Sorge bereitet von Tümpling hingegen, dass nach den extremen Regenfällen fäkale Keime, Heizöl und Haushaltchemikalien ins Wasser und den Schlamm gelangt sind. Er appelliert an Haus- und Kleingartenbesitzer, sich einen Überblick zu verschaffen, was an Chemikalien aus dem Haushalt verloren gegangen ist und das noch Verbliebene fachgerecht zu entsorgen.

"Selbst wenn es überflutet wurde, aber noch als Kanister oder Verpackung vollständig vorhanden ist, dann sollte es nicht in den großen Müll mitgeschmissen werden", betont er. "Diese Gefahrstoffe gehören dann in den Wertstoffhof beziehungsweise zum Schadstoffmobil."

Wichtig sei auch, dass Helfer sich schützen. Das heiße: Gummihandschuhe tragen, Hände waschen beziehungsweise desinfizieren und mit den Gummihandschuhen niemals in den Gesichtsbereich kommen, erklärt der Umweltexperte.

(uko)

Mehr zum Thema

Konsequenzen aus dem Hochwasser - Trümmer, Trauer – Wahlkampf
(Deutschlandfunk Kultur, Wortwechsel, 23.07.2021)

Lehren aus Hochwasserkatastrophe - Warnungen mit Handlungsanweisungen verknüpfen
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 22.07.2021)

Unwetterkatastrophe - Diese Hilfen haben Bund und Länder beschlossen
(Deutschlandfunk, Thema, 22.07.2021)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Rituale zur BundestagswahlNüchtern statt festlich
Eine Frau wählt im Wahllokal bei der Europawahl 2019 in der Wahlkabine in der traditionellen Schwarzwälder Bollenhuttracht. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Es ist ein wichtiger demokratischer Akt, doch hierzulande wird das Wählen einfach und schlicht gehalten. Die Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger vermisst Rituale, die die Bedeutung der Stimmenabgabe unterstreichen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur