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Fazit | Beitrag vom 31.07.2020

Muslimische Lebenswelten als Podcast"Schaut mal, so bunt sind wir!"

Merve Kayikci im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Merve Kayikci blickt freundlich in Richtung des Betrachters. (Dominik Asbach / BR)
Die Journalistin und Bloggerin Merve Kayikci sieht Muslime in den Medien als zu einseitig dargestellt. (Dominik Asbach / BR)

Der Bayerische Rundfunk startet den Podcast "Primamuslima". Sehr persönlich sprechen Muslime darin über ihr Leben. Die Journalistin Merve Kayikci führt diese Gespräche - sie will die oft stereotype Darstellung muslimischen Lebens durchbrechen.

Die 26-jährige Merve Kayikci schreibt schon seit Jahren den Blog "Primamuslima". Darin reflektiert sie ihr Leben als Muslima in Deutschland. Nun ist daraus auch ein Podcast geworden, den sie mit dem Bayerischen Rundfunk produziert hat.

In der ersten Folge geht es um einen Mann, der durch die Liebe zu einer Frau zum Islam konvertierte. Alle Folgen stellen eine Person in den Mittelpunkt, die offen erzählt.

In insgesamt sechs Folgen spricht Kayikci jeweils mit ganz unterschiedlichen Muslimen aus Deutschland, wie sie sagt. Von der Akademikerin bis zum Müllmann sei alles dabei. Ihre Gesprächspartner vertreten zudem sehr unterschiedliche politische oder weltanschauliche Einstellungen. Sie wolle zeigen: "Schaut mal, so bunt sind wir!"

Der Podcast ist nötig - leider

Ihr gehe es darum, die Lebenswelten von Muslimen in Deutschland zu zeigen. Das seien fast 5 Millionen Menschen. "Wir sind einfach ein großer Teil der Bevölkerung." Kayikci wünscht sich, dass durch die Gespräche in den Podcasts deutlich wird, dass es Gemeinsamkeiten mit anderen Teilen der Bevölkerung gibt.

Es erscheine auf den ersten Blick vielleicht paradox, dass sie einen Podcast über Muslime mache, wenn Muslime doch als normaler Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden wollen, meint sie.

"Aber ich habe das Gefühl, dass das nötig ist, um eine Tür zu durchbrechen. Mir wäre es am liebsten, wenn wir diesen Podcast nicht brauchen würden." 

Parallelgesellschaften und Stereotype

Sie wolle auch zeigen, dass es nicht einen bestimmten islamischen Weg gebe und dass es Muslime mit verschiedenen Einstellungen gebe, beispielsweise zum Alkohol.

Dass es dieses Bewusstsein nicht gibt, führt Kayikci auf zwei Gründe zurück. Einerseits gebe es Parallelgesellschaften: "Es gibt viele Muslime, die unter sich sind oder ihr 'Muslimisch-sein' nur unter sich ausleben und das nach außen nicht zeigen."

Hinzu käme die Fixierung der Medien auf Stereotype. "Es kommt immer wieder vor, dass Muslime in den Medien nur Sichtbarkeit bekommen, wenn etwas Negatives oder Kontroverses passiert."

(rja/huc)

"Primamuslima"-Podcasts
Bayerischer Rundfunk

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