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Tonart | Beitrag vom 16.04.2019

Musikstreaming: Studie über CO2-AusstoßSchmutziger als LPs und CDs

Kyle Devine im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Eine Frau sitzt an einem Badesee in Oranienburg (Brandenburg) auf einer Wiese und hört Musik mit ihrem Handy.  (picture alliance / dpa Themendienst /  Christin Klose)
"Es geht jetzt erst einmal darum, den Leuten klarzumachen, welche Folgen für die Umwelt ihre große Liebe zur Musik hat." (picture alliance / dpa Themendienst / Christin Klose)

2016 wurden allein in den USA 200 Millionen Kilogramm CO2 durch Musikstreaming ausgestoßen. Das zeigt eine Studie. Musikstreaming ist damit für die Umwelt schädlicher als LPs, Kassetten und CDs. Trotzdem gibt es kein Zurück zu physischen Tonträgern.

Eine Studie der Universitäten Oslo und Glasgow hat untersucht, wie viel CO2 durch den Stromverbrauch von Musikstreams ausgestoßen wird. Die Studie, so Kyle Devine, einer der beiden Leiter, hat verschiedene Musikmedien zu ihren jeweiligen Hoch-Zeiten untersucht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass durch Vinyl-LPs, Musikkassetten und CDs in den USA jeweils 150 Millionen Kilogramm CO2 pro Jahr ausgestoßen wurden. Im Untersuchungs-Jahr 2016 habe der Stromverbrauch durch Musikstreaming in den USA dagegen einen CO2-Ausstoß von rund 200 Millionen Kilo verursacht, also ein Drittel mehr.

Streaming benötigt enorme Strommengen

"Streaming erzeugt natürlich eine andere Form von Müll als physische Datenträger", so der Musikwissenschaftler Devine. "Aber es entsteht ein immer größeres Bewusstsein dafür, wie enorm hoch der Stromverbrauch des Datenverkehrs im Internet ist." Allerdings sei es insgesamt sehr schwierig, den Stromverbrauch des Internets aufzuschlüsseln. Bislang stünden die großen Streaminganbieter aber nicht im Ruf, Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu nutzen. Auch der genaue Stromverbrauch beim Streaming sei nicht genau zu bestimmen, Devine und sein Team seien von einem durchschnittlichen Verbrauch von 0,03 Kilowattstunden pro gestreamtem Musikalbum ausgegangen.

"Liebe zur Musik hat Folgen für die Umwelt"

Schwierig sei eine genaue Bestimmung des Energieverbrauchs auch deshalb, weil unterschiedlichste Werte berücksichtigt werden müssten: Der Stromverbrauch von streamenden Endgeräten, von Servern, auf denen die Musik gespeichert ist, aber auch Strom, der für die Herstellung der Datenträger und der Endgeräte verbraucht wird. Einen Vorteil hätte das Streaming immerhin gegenüber physischen Datenträgern: Diese würden in der Regel nicht recycelt und schafften somit Altlasten.

Auch, welche Konsequenzen aus den gewonnenen Erkenntnissen gezogen werden müssten, sei noch nicht klar. Ein Zurück allerdings zu physischen Tonträgern gebe es nicht; das Streaming sei nicht aufzuhalten. Wichtig sei es aber, über das Problem zu diskutieren: "Es geht jetzt erst einmal darum, den Leuten klarzumachen, welche Folgen für die Umwelt ihre große Liebe zur Musik hat."

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