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Kompressor | Beitrag vom 02.07.2019

Musikfestivals im FeminismustestBei Metalkonzerten feiern Frauen entspannter

Nadia Shehadeh im Gespräch mit Azadê Peşmen

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Das Bild zeigt die Menge des Southside Festival mit den Armen in die Luft gestreckt. Zwei Frauen stechen dabei besonders heraus: sie sitzen mit ausgebreiteten Armen auf den Schultern von zwei anderen Personen und singen zur Musik des Konzerts mit.  (dpa / picture alliance / Christoph Schmidt)
Was brauchen Festivals, damit sich Frauen dort ebenso wohl fühlen wie Männer? Eine Female Task Force geht dem nach. (dpa / picture alliance / Christoph Schmidt)

Die Bloggerin Nadia Shehadeh ist mit einer Female Task Force unterwegs. Sie will testen, wie feministisch beziehungsweise wie sexistisch Rock- und Popfestivals sind. Was mancher kaum glauben mag: Auf Metal-Festivals ist es für Frauen am angenehmsten.

Der Festival-Sommer ist in vollem Gange. Und wie jedes Jahr wird Kritik an fehlender weiblicher Präsenz in der Zusammenstellung der Musik-Acts laut. Aber das Line-Up ist nicht das einzige feministische Anliegen auf einem Festival.  Die Female Festival Taskforce zieht los und nimmt die Events unter die Lupe.

Wie das in der Praxis aussieht, weiß Nadia Shehadeh, Leiterin des Feminismus-Ressorts bei den Blogrebellen, denn sie hat undercover mitgeprüft: Nicht nur das Line-Up, sondern auch die Toilettensituation, das Essen, den Merchandising-Verkauf. Die Task Force befragte auch Besucher und Besucherinnen nach der Atmosphäre, sprich: Wie sehr beherrscht das Mackertum ein Festival? Wie sieht es mit sexistischer Anmache aus? Derzeit sind Shehadeh und ihre Mitstreiterinnen auf dem Festival im dänischen Roskilde unterwegs. "Roskilde ist ja ein Festival, das sich sehr auf die Fahne schreibt, progressiv zu sein. Und da lag es fast schon auf der Hand, dass die sagen: Okay, das möchten wir mit euch machen."

Je mainstreamiger ein Festival, desto unangenehmer für Frauen

Neben dem Blog, in dem Shehadeh und ihre Kolleginnen von ihren Erfahrungen berichten, erstellen sie auf Wunsch auch Unterlagen aus ihren Befragungen für die Festival-Organisatoren zur Verfügung. Bislang sei dazu aber noch nichts angefordert worden.

Eine Erkenntnis aus bisherigen Untersuchungen: Je mainstreamiger ein Musikfestival sei, desto unangenehmer werde der Besuch für Frauen, sagt Nadia Shehadeh. "Weil es dann ganz viel auch ums Alkoholtrinken geht, nicht mehr um die Musik, und das Publikum sehr aus männlichem Trinkvolk besteht. Es ist bei den Festivals, die zum Beispiel sehr metal-lastig waren, die also auf einer bestimmten Fankultur basieren, wesentlich angenehmer gewesen. Da gab es dann auf den Plätzen immer schon Angebote gegen Sexismus, gegen Bullying." Diese Auseinandersetzung mit dem Thema habe  die Task Force auch schon vor einiger Zeit beim weltgrößten Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken beobachtet.

"Und das ist schon erstaunlich bei einer Szene, von der man ja denkt: Oh, da sind die ganzen harten Männer unterwegs… Je spezialisierter ein Festival in der Musikform ist, desto angenehmer ist das ganze Umfeld, weil die Leute wegen der Musik anreisen und nicht wegen des Alkohols – oder wegen des Herummackerns."

(mkn)

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