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Länderreport | Beitrag vom 14.05.2021

Musikfestivals 2021Was geht im Sommer draußen?

Von Ramona Westhof

Eine grosse Menschenmenge feiert auf dem Musikfestival Wacken. (imago / Eibner)
Livekonzerte mit Tausenden Fans sind derzeit noch schwer vorstellbar. (imago / Eibner)

Hurricane, Deichbrand, Rock am Ring und zuletzt auch die Fusion – viele der großen Musikfestivals wurden für dieses Jahr abgesagt. Zu unsicher ist in der Pandemie die Lage für die Veranstalter. Aber Metalheads und Wagnerfans dürfen hoffen.

Eigentlich sollten im niedersächsischen Cuxhaven bald die Beatsteaks auf der Bühne stehen – beim Deichbrand Festival. Aber das Festival wurde verschoben auf den Juli 2022.

Den Weg zu dieser Entscheidung beschreiben die Macher in einem Podcast. Das Problem sei vor allem die fehlende Planungssicherheit:

"Ich denke, das ist auch allen bewusst: Das ist eine Firma, die das veranstaltet, und wir zahlen damit unsere Gehälter. Sagen wir mal als Beispiel, das Deichbrand kann stattfinden mit einer Inzidenz von zehn im Juli, und dann ist aber eine Woche vorm Deichbrand die Inzidenz elf. Dann sagen die Behörden, tut mir leid, schön, dass ihr das alles organisiert habt, aber ihr könnt das so nicht veranstalten."

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Auch das das Hurricane Festival im Osten Niedersachsens, in Scheeßel, soll erst kommendes Jahr wieder stattfinden. Immerhin steht schon ein großer Teil des Line-ups: Mine, die Antilopen Gang, Rise Against – die Liste ist lang, die Künstlerinnen und Künstler stünden "bis in die Haarspitzen unter Strom, um euch endlich die Show zu liefern, die ihr verdient", heißt es von den Veranstaltern.

Das Rock im Park in Nürnberg und Rock am Ring nahe Adenau in der Eifel fallen dieses Jahr ebenfalls aus. Genau wie eine ganze Reihe weiterer Musikfestivals. Bei vielen steht schon jetzt ein Teil des Line-ups. Die Tickets bleiben in der Regel gültig.

Wacken soll im Juli steigen

Stattfinden soll dagegen Ende Juli das Metalfestival Wacken in Schleswig-Holstein. Die Tickets sind längst ausverkauft und von den Wacken-Veranstaltern heißt es auf ihrer Internetseite:

"Liebe Metalheads,
wir sind überwältigt von den vielen positiven und ermutigenden Nachrichten, Ideen und Anregungen von euch, die uns auf allen Kanälen erreichen. Genau dieser Rückhalt ist der Grund, weswegen wir gemeinsam mit anderen Festivalveranstaltern, verschiedenen Behörden, Virologen, Epidemiologen, Hygienikern, Politikern und vielen weiteren Experten unermüdlich an Ideen und Konzepten arbeiten. Ziel ist es, euch ein sicheres und fröhliches Wacken Open Air zu ermöglichen."

Wacken Open Air 2018, Frau im Rollstuhl steht am Bühnenrand vor begeistertem Publikum, im Hintergrund eine dunkle Bühne (WOA Festival GmbH)Noch besteht Hoffnung für dieses Jahr: Crowdsurfing mit Rollstuhl beim Wacken Open Air 2018. (WOA Festival GmbH)

Genaue Infos, wie das Wacken 2021 aussehen soll, sind noch nicht bekannt. Und darum ist sich auch Wacken-Fan Marius Brockmöller noch nicht sicher, ob er dieses Jahr dabei wäre:

"Kommt ganz stark drauf an, wie es stattfindet, in welchem Rahmen. Ich muss sagen, ich gehe selber noch davon aus, dass es nicht stattfindet, und ich müsste auch hart drüber nachdenken. Weil 75.000 Leute klingt für mich bis jetzt noch sehr unrealistisch."

Hygienekonzept der Fusion nicht genehmigt

Und auch das Fusion Festival an der Müritz sollte dieses Jahr stattfinden. Es gab ein Testkonzept mit mehreren Tests, auch PCR-Tests. Das Festival sollte außerdem geteilt werden, auf zwei Wochenenden Ende Juni, Anfang Juli mit jeweils nur 35.000 Besuchern.

Seit zwei Tagen steht nun allerdings fest: Auch die Fusion muss auf 2022 verschoben werden. Das Hygienekonzept war bis zuletzt nicht genehmigt worden. Die Veranstalter machen in einer Stellungnahme auch die Politik mitverantwortlich. Schnelleres Impfen und weniger Fokus auf die Wirtschaft hätten den monatelangen Lockdown verkürzen können.

Eine Karteninhaberin kann die Absage aber gut verstehen.

"Alles in allem ist der Zeitpunkt einfach nicht so günstig. Dafür sind die Infektionszahlen aktuell einfach noch zu groß, man könnte Sachen verspielen Ende Juni, mit so einem großen Festival ein Risiko eingehen", sagt sie.

"Und da habe ich eher die Hoffnung, dass im Laufe des Sommers kulturelle Veranstaltungen im kleineren Rahmen möglich sind und dann im nächsten Jahr eine Fusion ganz so, wie wir es kannten, möglich ist."

Bayreuther Festspiele sollen stattfinden – aber wie?

Die Pandemie betrifft aber natürlich nicht nur Rock-, Pop- und Elektrofestivals.

Wagner-Fans können vorerst beruhigt sein. Seit Ende April steht fest, die Bayreuther Festspiele sollen im Juli und August stattfinden. Wie viele Gäste zugelassen werden und wie genau das Hygienekonzept aussieht, ist allerdings noch nicht bekannt.

Abgesagt sind dagegen die Händel-Festspiele in Halle. Ein großes Festival mit internationalen Gästen, so die Veranstalter, sei wohl erst wieder möglich, wenn genügend Menschen geimpft seien. Bei niedrigeren Fallzahlen seien unter Umständen kleinere Veranstaltungen für ein lokales Publikum denkbar.

Die Veranstalter weisen in einer Stellungnahme auch darauf hin, dass die Absage vor allem die Musikerinnen und Musiker hart trifft:

"Barockmusikfeste wie die Händel-Festspiele arbeiten mit vielen fantastischen Spezialmusikerinnen und -musikern zusammen, die man seit einem Jahr als sogenannte ‚Solo-Selbstständige‘ bezeichnet. Ohne diese Musikerinnen und Musiker ist die künstlerische Qualität von Barockmusikfesten gar nicht möglich. Umso mehr plädieren wir an die Gesellschaft und Politik, geeignete Maßnahmen zu finden, damit diese wunderbaren Musikerinnen und Musiker nicht durch alle Förderraster fallen, sodass sie uns in einer hoffentlich nahen Zukunft weiterhin mit ihrer Musikdarbietung emotional berühren können."

Rheingau Musikfestival baut größeren Konzertsaal

Um Klassik schon in diesem Jahr möglich zu machen, baut das Rheingau Musikfestival gleich einen neuen Konzertsaal. Der mobile Konzertkubus soll groß genug sein, dass alle Gäste genügend Abstand voneinander halten können. Er soll einen der nun zu klein gewordenen Säle ersetzen.

Matthias Becker, zuständig für die Festival-Technik, stellt den neuen Kubus in einem Video vor.

"In diesem Jahr haben wir alle miteinander schon eine ausgefallene Saison erlebt und wollen natürlich keine ausgefallene Saison wieder erleben und darum haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir Konzerterlebnisse in kammermusikalischer Form umsetzen können", erklärt er.

"Weil der Fürst von Metternich Saal zu klein ist, um ein angemessenes Konzerterlebnis, was natürlich auch mit einer gewissen Wohlfühlatmosphäre und einer Menge an Zuschauern zu tun hat, gewährleisten zu können, haben wir im Winter die Idee des Konzertkubus im Schloss Johannesburg geboren."

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