Musikfest Bremen: Mozart und Beethoven

    Sinfonische Herzstücke

    Die Figur des Beethovens scheint der Figur Mozarts in der Bildcollage vor blauem Himmel gegenüber zu stehen. Beide Figuren sind im Berliner Tiergarten an einem Denkmal zu finden.
    Mozart und Beethoven sind durch Haydn animiert worden, Sinfonien zu schreiben. © imago / Shotshop
    Moderation: Stefan Lang · 16.09.2021
    Zwei der bekanntesten Sinfonien, die 40. von Mozart, und die dritte von Beethoven standen auf dem Programm vom Orchestre des Champs-Elysées unter dem Dirigenten Philippe Herreweghe, der das Vielgespielte mit Verve aufsparkelt.
    Mozart im Jahr 1788. Er komponiert wie im Rausch, auch seine vorletzte Sinfonie. Es ist seine Vierzigste, auch als die "Große g-Moll-Sinfonie" bezeichnet, weil es eine früher komponierte, "kleine" Sinfonie-Schwester in der gleichen Tonart gibt.
    Es gibt weder einen Anlass noch einen Auftrag, die eindeutig nachzuweisen wären. Als höfischer Kammermusiker ist Mozart eigentlich gut bezahlt, allerdings haben die tobenden Türkenkriege in Wien für eine schwierige Situation gesorgt, viele Nebeneinkünfte sind Mozart weggebrochen – und das bei seinem aufwendigen Lebensstil. Das ist eigentlich Hinweis genug, anzunehmen, dass er mit Sicherheit nicht für die Schublade komponierte. Oder hat er auf Vorrat geschrieben, für die nächste Gelegenheit?

    Nach Vorbild Haydn?

    Oder war es Ehrgeiz, es seinem Freund und Mentor Joseph Haydn nachzueifern, der gerade mit seinen Pariser Sinfonien ein Vermögen gemacht hatte. Doch Haydn komponierte blanke Unterhaltung. Bei Mozart bricht - schon durch die Moll-Tonart - eine viel ernstere Seite durch. Doch seine Melancholie, die sich immer wieder zeigt, hat eine verblüffende, unfassbare Leichtigkeit - ein Meisterwurf, mal wieder.
    Beethoven hatte sich mit dem Sinfonie-Schreiben lange Zeit gelassen. Erst als er schon als genialer Pianist gehandelt wurde, setzte er sich an diese Gattung - machte sie, gerade mit seiner Dritten, zum Großformat. Revolution lag in der Luft. Die Widmung an Napoleon zeigt, wie sehr Beethoven den ursprünglich freiheitlichen Gedanken des Franzosen folgte. Doch als er erfuhr, dass sich Napoleon selbst zum Kaiser gekrönt hatte, war er bitter enttäuscht: Er tilgte seine Widmung mit dickem Federstrich.
    Doch das selbstbewusste Aufbrausen, das revolutionär Fordernde steckt in jedem Takt seiner Dritten - und daran knüpft auch die Interpretation des Orchestre des Champs-Elysées unter Philippe Herreweghe an.
    Live aus dem Konzerthaus Die Glocke vom Musikfest Bremen 2021
    Wolfgang Amadeus Mozart
    Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550
    Ludwig van Beethoven
    Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 "Eroica"
    Mehr zum Thema