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Konzert / Archiv | Beitrag vom 03.09.2020

Musikfest Berlin: George Benjamin dirigiert das Ensemble ModernKlang-Bilder

Moderation: Ulrike Klobes

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Der Komponist und Dirigent Sir George Benjamin, 2018 in der Royal Albert Hall, London (Musikfest Berlin / Chris Christodoulou)
Der Komponist und Dirigent Sir George Benjamin, 2018 in der Royal Albert Hall, London (Musikfest Berlin / Chris Christodoulou)

Ein Orchester im Taschenformat, eine üppig wuchernde Musik mit sparsamen Mitteln: Mit einem Konzert des Ensemble Modern startet eine Sendereihe vom Musikfest Berlin. Am Pult der Komponist und Dirigent Sir George Benjamin.

Das Musikfest Berlin ist in erster Linie ein Festival der großen Orchester. Die wesentliche Botschaft dieser Ausgabe ist, dass sie überhaupt stattfindet. Kleiner besetzte Orchester und Ensembles springen ein – nicht zum Nachteil des Programms.

Große Lehrer

George Benjamin, Jahrgang 1960, gehört zu den stillen Stars des Musiklebens. Der britische Komponist und Dirigent ist seit gut zwei Jahrzehnten eine feste Größe auf den großen Podien, stellt Werke aus seinem skrupulös komponierten eigenen Schaffen vor und widmet sich besonders der Musik von Weggefährten und Lehrern. Benjamin war Schüler von Olivier Messiaen und wurde von Pierre Boulez gefördert.

Die Sonne geht auf

Sein Ensemblestück "At First Light" bringt mit Simon Rattle einen anderen großen Namen ins Spiel. Rattle hatte in jungen Jahren das Werk des (noch jüngeren) Benjamin 1982 in London aus der Taufe gehoben, und wenn dieses Stück auch bald ein internationaler Erfolg werden sollte, so ist der Ort London doch nicht aus seiner Entstehung wegzudenken.

In der Tate Britain sah der Komponist das Gemälde "Norham Castle" von William Turner. Die Verschmelzung der gemalten Szenerie mit dem Licht der aufgehenden Sonne regte ihn zu einem musikalischen Sonnenaufgang an.

William Turner: "Norham Castle" (1845), fotografiert 2016 in der Tate Britain, London. (imago / Nils Jorgensen)Empfindungen beim Betrachten eines Gemäldes: "Norham Castle" von William Turner in der Tate Britain, London. (imago / Nils Jorgensen)

"Jagden und Formen", dieser Titel des Werks für Ensemble (bzw. für kleines Orchester) von Wolfgang Rihm könnte an Höhlenmalereien erinnern, und tatsächlich ist auch dieses Werk mit der bildenden Kunst verbunden.

Die "Übermalungen" von Arnulf Rainer dienten Rihm zur Beschreibung seines kompositorischen Verfahrens, eigene Stücke über die Jahre hinweg immer weiterzuentwickeln, wuchern zu lassen.

Ende offen

So ist dieses rastlos energetische Werk 1995 begonnen worden, fand 2001 erstmals zu größerer Form und wird hier im "Zustand 2008" aufgeführt. Ein Ende ist nicht in Sicht – auf die Frage, ob das Werk "abgeschlossen" sei, antwortete Rihm einmal: "Doppelstriche am Schluss sind sowieso nur in die Länge gezogene Doppelpunkte."

Damit bleibt die Hoffnung, dass dieses zentrale Werk des Komponisten vielleicht noch einmal dann zum Musikfest Berlin zurückkehrt, wenn es keine Corona-bedingten Einschränkungen gibt. Mit dieser Live-Übertragung aus der Berliner Philharmonie – der ersten in diesem Programm seit Beginn der Corona-Maßnahmen – beginnt eine Sendereihe vom Musikfest Berlin.

In bewährter Partnerschaft mit den Berliner Festspielen wird Deutschlandfunk Kultur das Musikfest Berlin 2020 in lockerer Folge dokumentieren – bis zum 23. September in der Sendung "Konzert".

Musikfest Berlin
Live aus der Philharmonie Berlin

George Benjamin
"At First Light" für Kammerorchester

Wolfgang Rihm
"Jagden und Formen" für Orchester

Ensemble Modern
Leitung: Sir George Benjamin

Anschließend: Winrich Hopp, künstlerischer Leiter des Musikfest Berlin, im Gespräch mit Ruth Jarre

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