Seit 05:05 Uhr Studio 9
Dienstag, 20.10.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Tonart | Beitrag vom 30.09.2020

MusikbrancheEin paar "Alltagstricks" können Festivals nachhaltiger machen

Fine Stammnitz im Gespräch mit Martin Böttcher

Beitrag hören
Überlaufende Mülleimer auf dem Lollapalooza in Berlin (imago images / Joko)
Volle Mülltonnen beim "Lollapalooza" in Berlin: Nachhaltig sind Festivals derzeit nicht. (imago images / Joko)

Müllberge nach Konzerten, Tourneen mit schlechter CO2-Bilanz: Festivals und Konzerte sind nicht umweltfreundlich. Die Branche brauche eine gemeinschaftliche Lösung, sagt die Nachhaltigkeitsberaterin Fine Stammnitz. Auch die Fans könnten helfen.

Konzerttourneen und Festivals sind Spektakel, Spaß und ausgelassene Feiern. Doch sie sind auch Licht, Feuerwerk, Lkw-weise Material und ewig Fahrtkilometer mit furchtbarer CO2-Bilanz. Darüber, wie klimaneutralere Musikveranstaltungen funktionieren können, wurde nun in der "Urania" in Berlin diskutiert

Musikerinnen und Musiker haben einen großen Einfluss

Mit dabei war Fine Stammnitz. Sie ist freie Künstler-Managerin sowie Nachhaltigkeitsberaterin. Ein wichtiger Faktor, sagt sie, sei auf jeden Fall die Fähigkeit von Künstlerinnen und Künstlern, ihre Plattform zu nutzen und bei solch einem Thema die Gesellschaft zu beeinflussen. Die könne sehr große Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Diskurs haben.

In der Branche selber gelte es aber auch, einige Problemfelder anzugehen. Die größten Erzeuger von CO2-Emissionen seien die Anreise des Publikums, aber auch der Energieverbrauch von Veranstaltungsorten. Es sei darum wichtig, dass diese an den öffentlichen Nahverkehr angebunden seien und dass die Musikerinnen und Musiker auch für diese Art der Anreise werben.

Coldplay treten bis auf Weiteres nicht mehr live auf

Coldplay haben dabei einen drastischen Schritt übernommen, der aber nicht einfach für alle möglich sei, wie Stammnitz schildert:

"Die haben öffentlich statuiert, dass sie nicht mehr auf Tour gehen werden, bis es nicht nur emissionsneutral möglich ist, sondern sogar klimapositiv, was natürlich ein megaguter Ansatz ist. Was man allerdings auch dazu sagen muss, ist, dass Bands wie Coldplay sich leisten können, auf eine Tournee zu verzichten, während andere Künstlerinnen und Künstler davon ihren Lebensunterhalt bestreiten und wirklich mit den Einnahmen einer Tournee rechnen."

Darum sei es für Stammnitz auch so wichtig, dass an einer gemeinschaftlichen Lösung gearbeitet wird. Klimaschutz sei kein Thema, bei dem jeder sein eigenes Süppchen kochen könne. Es gehe darum, sich zu organisieren und emissionsärmere Lösungen zu entwickeln, die dann für alle nutzbar sind.

Rücksicht und Alltagstricks können schon viel verändern

Es gehe ihr auch gar nicht darum, die Lust auf Konzerte zu bremsen, sagt Stammnitz. Mit einigen wenigen Regeln könnten auch Fans für nachhaltigere Veranstaltungen sorgen:

"Wir alle können einfach versuchen, uns so rücksichtsvoll wie möglich zu verhalten und eigentlich genau die Regeln befolgen, die wir auch im Alltag befolgen. Auch wenn wir zwei, drei Bier getrunken haben, können wir gucken, dass wir unseren Müll mitnehmen, wenn wir auf Festivals gehen.

Wir können uns ein Zelt kaufen, das wir dann für mehrere Jahre mit auf die Festivals nehmen. Wir müssen das nicht da liegen lassen, weil wir keinen Bock mehr haben. Und wir können gucken, dass wir uns einfach rücksichtsvoll verhalten, uns an die Regeln vor Ort zu halten, versuchen so gut wie es geht, auf Plastik zu verzichten, den Pfand zurückbringen. Die üblichen Alltagstricks eben."

Tonart

Memoiren von DJ TomekkAus dem Party-Berlin der Neunziger
DJ Tomekk beim 90er-Olymp 2018 im Freizeit- und Erholungspark Lübars in Berlin. | Verwendung weltweit (picture alliance / Geisler-Fotopress / Nicole Gubelka)

DJ Tomekk arbeitete schon in den 1990ern mit Größen der US-Rapszene zusammen. Der gebürtige Krakauer hat eine bewegende Geschichte hinter sich, mit einem gewalttätigen Vater und einer Kindheit im Heim. Jetzt hat er seine Autobiografie veröffentlicht.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur