"Music Of The Spheres" von Coldplay

    Aufgepumpter Happy-Sound

    08:51 Minuten
    Coldplay auf der Bühne bei der "Graham Norton Show" von BBC in London.
    Auf der neuen Coldplay-Patte tauchten alle Sounds auf, "die schon mal erfolgreich waren oder die gerade erfolgreich sind", sagt unser Kritiker. © picture alliance / empics / Matt Crossick
    Simon Brauer im Gespräch mit Oliver Schwesig · 15.10.2021
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    Bei ihrem neuen Album "Music Of The Spheres" haben Coldplay mit dem Starproduzenten Max Martin zusammengearbeitet. Herausgekommen sei ein Sound, der überwältigen will, aber schnell unangenehm werde, sagt der Musikjournalist Simon Brauer.
    Gelb leuchtende Sterne haben der Band Coldplay zu ihrem ersten Hit verholfen: "Yellow" aus dem Jahr 2000. "Schau dir die Sterne an, schau, wie sie für dich leuchten", lautet die erste Textzeile des Songs. Die britische Band ist ihrer Liebe zu den Sternen treu geblieben und veröffentlicht nun eine Art Weltraum-Konzeptalbum: "Music Of The Spheres" heißt das neunte Studioalbum von Coldplay.
    Dass die Band mit dem schwedischen Starproduzenten Max Martin zusammengearbeitet hat, sei dem Album extrem anzumerken, sagt Musikjournalist Simon Brauer. Martin hat bereits viele Hits für Musikerinnen und Musiker wie Britney Spears, die Backstreet Boys oder Taylor Swift geschrieben. Bei Coldplay seien nun auch alle Songs "absolut auf Hit getrimmt", so Brauer. "Es wird keine Gelegenheit ausgelassen, um die Hörerinnen und Hörer zum Mitklatschen, zum Mitsingen, zu animieren." So zum Beispiel im Song "Infinity Sign".
    "Das ist eigentlich ein Instrumentalstück. Aber dann dachte der Produzent: Hey, da packen wir noch einen Fußballchor obendrauf", sagt Brauer.

    Balladen als Wohltat

    Auf der neuen Coldplay-Patte tauchten nun alle Sounds auf, "die schon mal erfolgreich waren oder die gerade erfolgreich sind". Dazu zählten "80er-Jahre-Keyboards, die an Songs wie 'Final Countdown' oder 'Jump' von Van Halen erinnern oder bombastischer Glamrock, wie wir ihn zum Beispiel von der britischen Rockband Muse kennen. Und immer wieder dieser glatte Synthesizer Pop-Sound mit so einem Stampfbeat wie in der aktuellen Single 'My Universe' zusammen mit der koreanischen Boygroup BTS".
    Dieser "aufgepumpte Happy-Sound, so nenne ich das mal, der überwältigen will mit seiner guten Laune", werde relativ schnell unangenehm – besonders auf Albumlänge, erklärt Simon Brauer. Denn es sei so offensichtlich, was die Band sagen will: "Wir leben in schwierigen Zeiten, aber wir tragen alle eine magische Kraft in uns – und am Ende, da wird bestimmt alles gut. Hurra!"
    Die Balladen auf dem Album seien eine echte Wohltat, weil sie Platz schaffen für die Ohren und auch für ein paar andere Emotionen. Doch auch diese ruhigeren Stücke ließen keine Liebeslied-Floskel aus, bemängelt Simon Brauer. "Wenn du jemanden liebst, dann musst du ihn oder sie auch gehen lassen, singt Chris Martin zum Beispiel in einem Duett mit Selena Gomez.

    Stellenweise richtig abstoßend

    Als Folge des aufwendig produzierten Sounds und des Songwritings, in dem alle Refrains ständig wiederholt werden, fielen die "schwachen Texte von Chris Martin extrem auf". Ein weiteres Beispiel: "Manchmal denke ich, ich schaffe es nicht, und meine Schuhbänder sind offen."
    Dabei beweise die Band schon seit einigen Jahren, dass sie Mainstream-Pop kann. Erfolgreicher könne sie eigentlich nicht mehr werden. "Bis heute ist es die Band, die die meisten Brit Awards gewonnen hat. Mehr als 100 Millionen verkaufte Alben, unzählige Nummer-eins-Hits, ausverkaufte Stadionkonzerte weltweit."
    Auf dem aktuellen Album versuche sie, ihr Können in dem Bereich zu beweisen – und das "so kalkuliert, so offensiv und offensichtlich, dass es stellenweise richtig abstoßend ist", so Simon Brauer.
    (abr)
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