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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.08.2020

Mozartfest WürzburgMozart bleibt Mittelpunkt

Moderation: Stefan Lang

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Ein Schattenbild zeigt die Gesichtszüge des Komponisten mit typischer Zopffrisur und Rüschenschmuck am Mantelkragen. (imago images / Leemage)
Wolfgang Amadeus Mozart spielte selbst liebend gern Quartett. (imago images / Leemage)

Mozarts "Dissonanzenquartett" eröffnete die lange Streichquartettnacht in Würzburg: Sein C-Dur ist hier getrübt - wie ein musikalischer Kommentar zur laufenden Saison. Und da Beethoven-Jahr ist, durfte seine Musik im Programm nicht fehlen.

"Das Mozartfest 2020 wird unvergessen bleiben!", resümiert die Intendantin Evelyn Meining, weil es gezeigt hat, "wie stark Musik ist, wenn Menschen in Krisen sind!"

Das Programm des Mozartfests Würzburg wurde "neu erfunden", Musik wurde zu den Menschen gebracht, weil die Menschen nicht kommen konnten. Wir greifen in unserem Angebot auf die Streichquartettnacht vom 19. Juni im Weißen Saal der Residenz zurück, die ohne Publikum stattfand.

Mozart als Ausgangs- und Endpunkt

Drei renommierte Quartett-Ensembles kamen zusammen. Sie spielten ein Mozart-Divertimento gemeinsam und stellten in den Einzelprogrammen eine musikalische Beziehung zu einem anderen Wiener Klassiker her, zu Ludwig van Beethoven. Das Signum Quartett zum Beispiel ging ganz mutig zu Werke, hat #beetweets bei jungen Komponisten in Auftrag gegeben und brachte damit rockige Vorlagen in das Quartettformat.

Verspielt? Vergriffen? Verwirrt?

Wir beginnen mit Mozarts sogenanntem "Dissonanzenquartett" mit dem aus Warschau stammenden Szymanowski Quartet. Die Tonart zeigt C-Dur an, doch die ist getrübt. Der Beiname hat das Ungewöhnliche, das man in der Mozartzeit hörte, auf den Punkt gebracht: es war damals ungewohnt, zwischen Dur und Moll zu changieren. 

Man fragte sich: Sind das Verspieler? Ist etwas falsch notiert? Ein Mozartscher Scherz: dreiste Übertreibungen und frühe Verfremdung. Heute ist die Wirkung vollends anders, eher mit verspielten Spannungsmomenten, weil man inzwischen ganz andere Dissonanzen gewöhnt ist.

Spiegelung Beethoven

Das Jubiläumsjahr hat das Signum Quartett herausgefordert. Nicht nur der reine Beethoven soll zu hören sein, sondern auch die Spiegelung seiner Musik in die aktuelle Zeit.

Eine Frau und drei Männer stehen auf einem Treppenpodest mit Eisengeländer in einem gefliesten Raum und schauen herausfordernd in die Kamera. (Signum Quartet / Irène Zandel)Das Signum Quartet hat Lust auf wilde Beethoven-Adaptionen. (Signum Quartet / Irène Zandel)

Und die ist voller Rhythmik, voller Eskapaden, voller Trotz und technischer Raffinessen, wie die Stücke, die die jungen Komponisten dem Quartett zugeeignet haben. Und wie zur Erdung zum Original erklingt dann mit dem Schumann Quartett ein "echter" Beethoven.

Mozart-Finale

Ganz zum Schluss siegt die Spiellaune Mozarts. Als ganz junger Mann komponierte er für die Salzburger Residenz unterhaltende Musik, die erst dann richtig Spaß macht, wenn die Perfektion stimmt, wie bei den drei Ensembles, die sich hier im Weißen Saal der Würzburger Residenz gut verteilt, und doch im Spiel vereint gefunden haben.


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Aufzeichnungen vom 19. Juni 2020, "Streichquartettnacht" im Weißen Saal der Residenz

Wolfgang Amadeus Mozart
Streichquartett D-Dur KV 465, "Dissonanzenquartett"

Szymanowski Quartet

Alan Mautitz Swanson,  Martin Brenne, Utku Asuroglu und Robert Fokkens
Kleine Stücke "#beetweets"

Signum Quartett

Ludwig van Beethoven
Quartett B-Dur op. 18 Nr. 6

Schumann Quartett

Wolfgang Amadeus Mozart
Divertimento F-Dur KV 136

Szymanowski Quartet
Signum Quartett
Schumann  Quartett

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