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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.02.2016

Mouse TrackingWer langsam klickt, geht gleich wieder

Martin Thomas Hibbeln im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

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Eine Hand mit Computermaus wird durch eine Lücke in der Büroeinrichtung hindurch beobachtet. (picture-alliance / dpa / Hans Wiedl)
Ein Forschungsprojekt legt den Schluss nahe: Der Online-Handel sollte sich davor hüten seine Nutzer zu frustrieren. (picture-alliance / dpa / Hans Wiedl)

Gezieltes Mouse Tracking kann Aufschlüsse über den Erfolg oder Misserfolg einer Website geben. Wer frustriert sei, bewege seine Maus nämlich deutlich langsamer, sagt Martin Thomas Hibbeln, der dazu geforscht hat.

Wer frustriert und unzufrieden ist, bewegt seine Maus angeblich langsamer über eine Website. Wie sich das genau verhält und welche Schlüsse zum Beispiel der Online-Handel daraus ziehen kann, hat ein internationales Forscherteam unter anderem an der Universität Duisburg-Essen in einem Projekt zum sogenannten Mouse Tracking untersucht.

Im Experiment hätten die Wissenschaftler mit Vergleichsgruppen gearbeitet, die  - allerdings unter jeweils anderen Bedingungen - einen angeblichen Intelligenztest absolviert hätten, berichtet Martin Thomas Hibbeln, Wirtschaftsingenieur an der Uni Duisburg-Essen. Die eine Gruppe sei durch unlösbare Aufgaben auf manipulierten Seiten gezielt frustriert worden, die andere nicht. Die Unterschiede der Maus-Bewegungen seien deutlich erkennbar gewesen.

Nutzen für den Online-Handel

Anschließend hätten beide Gruppe die gleiche Aufgabe bekommen. Die zuvor Frustrierten verhielten sich auch hier anders: "Und da konnte man wirklich vergleichen zwischen der systematisch frustrierten und nicht frustrierten Gruppe, dass man da Abweichungen gesehen hat in der Art und Weise, wie die Leute die Maus dann jeweils genutzt haben."

Nutzen sieht Hibbeln für die Online-Wirtschaft: Websites könnten auf Grundlage dieser Erkenntnisse verbessert werden, um zu verhindern, dass User die Seite allzu schnell wieder verließen oder den Kaufprozess abbrächen. Nur: So ohne Weiteres können Unternehmen nicht das Maus-Verhalten von Usern ausspionieren. Das heißt: Technisch könnten sie es schon. Nur könnte das dann juristische Folgen, mindestens aber einen Imageschaden zur Folge haben, wenn das gezielte Mouse Tracking bekannt würde.

Allerdings: Was ist mit jenen Leuten, die fasziniert an einem Text auf einer Website hängenbleiben, diesen lesen und dann vermutlich beim Lesen auch eher wenig ihre Maus bewegen? Bei denen kann man wohl nicht davon ausgehen, dass sie frustriert, desinteressiert oder gelangweilt sind. Das haben die Forscher bei ihren Experimenten aber offenbar nicht berücksichtigt.

 

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