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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.07.2020

Mona Küppers über Gleichstellungsstrategie"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Mona Küppers im Gespräch mit Julius Stucke

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Zwei Frauen stehen auf einem Platz mit anderen Menschen.  (picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa)
Fanziska Giffey (l, SPD), Bundesfamilienministerin, und Mona Küppers, Vorstand des Deutschen Frauenrats (picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa)

Frauen auf dem Land sollen besser gefördert werden und bessere Pflegebedingungen erhalten - dies sind Punkte der Gleichstellungsstrategie von Ministerin Giffey. Für Frauenratsvorsitzende Mona Küppers muss diese Strategie jetzt aber auch mit Inhalten gefüllt werden.

Die Bundesregierung hat die sogenannte nationale Gleichstellungsstrategie von Familienministerien Franziska Giffey (SPD) gebilligt. Insgesamt 67 Einzelmaßnahmen aus allen Ressorts werden darin benannt, die zu einer weiteren Gleichstellung von Mann und Frau führen sollen. Darunter fallen eine Entgeltgleichheit, bessere Bedienungen in der Pflege und Frauenförderung im ländlichen Raum.

Mona Küppers, die Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, begrüßt die Strategie. Definitiv würden die jetzigen Pläne von Familienministerien Franziska Giffey die Gleichstellung vorantreiben, sagt Mona Küppers. "Ich finde es gut, dass wir überhaupt jetzt endlich eine Gleichstellungsstrategie haben, dass sie in der Politik angekommen ist, dass ressortübergreifend aufgebaut worden ist, und dass das Thema so progressiv angegangen wird."

"Kein Gesetz ist geschlechtsneutral"

Zumindest sei es ein Schritt in die richtige Richtung. Mona Küppers fehle aber weiterhin eine "unabhängige Einrichtung zur Stärkung der tatsächlichen Gleichberichtigung der Geschlechter". Diese Gleichstellungsstiftung solle zwar kommen. Als Vertretung von 60 Frauenverbänden fordere der Frauenrat aber, dass diese Stiftung nicht nur als "Ideenlabor für Gleichstellung" fungiere. So könnte die Stiftung auch eine "zentrale Stimme" sein, die eine geschlechtergerechte Gesetzesfolgenabschätzung vornehme, sagt Mona Küppers.  

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Es gebe kein Gesetz, das geschlechtsneutral sei, auch wenn das oft geschrieben werden würde. So sei im ersten Gesetzentwurf gegen Hasskriminalität und Rassismus keine geschlechtliche Dimension festgestellt worden. Antifeminismus fungiere aber sozusagen als Türöffner für Rassismus, so Mona Küppers. Zudem gebe es sexistische Beweggründe für Hasskriminalität. Erst im weiteren Verfahren sei das berücksichtigt worden. Deshalb befürworte sie, dass es eine Beratungsstelle bei Gesetzesfolgenabschätzung geben würde, die diese blinden Flecken sofort identifizieren.

Zudem müssten die 67 Einzelmaßnahmen in der Gleichstellungsstrategie jetzt auch mit Inhalten gefüllt werden. Es müsse genau geschaut werden, wo sie den Frauen wirklich helfen würden und wie sie davon profitieren könnten. 

"Habe berufliche Pläne deutlich zurückstellen müssen"

Bezogen auf ihre eigene Biografie bedauert Mona Küppers, dass sie vor 40 Jahren nicht so viele Möglichkeiten gehabt hätte in der damaligen Bundesrepublik, wie junge Eltern sie heute hätten. Für die Kinderbetreuung und Erziehung habe sie damals ihre Karrierepläne zurückgestellt. Das habe aber auch an der Zeit gelegen, sagt Mona Küppers rückblickend. Aber sie bedaure nicht die Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen durfte, wie sie betont. Sie konnte das Familienleben sehr genießen. 

Chrystia Freeland, Außenministerin von Canada, steht neben Ivanka Trump, Tochter und Beraterin des US-Präsidenten, Stephanie Bschorr, Vorsitzende der Woman20 Germany, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der niederländische Königin Maxima und Mona Küppers, Co-Vorsitzende von Woman20Germany, am 25.04.2017 in Berlin beim Woman 20 Dialogue Gipfel zur Stärkung von Frauen.  (picture alliance / Michael Kappele)2017 nahm Mona Küppers (r.) am Woman 20 Dialogue Gipfel mit Kanadas Außenministerin Chrystia Freeland, US-Präsidententochter Ivanka Trump, Woman-20-Germany-Vorsitzende Stephanie Bschorr, Hollands Königin Maxima und Kanzlerin Merkel teil. (picture alliance / Michael Kappele)

Bei ihren eigenen Töchtern sei das heute viel leichter. Die würden sagen, Familie ist wichtig und sie würden sich auch um ihre Kinder kümmern. Sie würden aber auch sagen, den Beruf, den sie gelernt haben, wollen sie auch ausüben. Mit mehr Kindertagesstätten und flexibleren Kitaöffnungszeiten sei das heute alles einfacher. "Das ´Gute-Kita-Gesetz` hat ja nicht unerheblich mit dazu beigetragen, dass es heute wesentlich einfacher ist, dass beide Elternteile ihren Beruf ausüben."

(jde)

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