Möblierte Landschaft

    Der Stadtpark als grünes Wohnzimmer

    38:17 Minuten
    Der Baakenpark in Hamburg, entworfen vom Atelier Loidl. Zu sehen ist ein kleiner Fußballplatz, auf dem Menschen Fußball spielen. Drum herum wachsen Pflanzen. Im Hintergrund sieht man moderne Wohnhäuser.
    Oase der Erholung: der Baakenpark in Hamburg, entworfen vom Berliner Atelier Loidl. © Leonard Grosch
    24.07.2021
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    Je größer und dichter unsere Städte werden, desto wichtiger werden grüne Oasen. Als Räume für Begegnung, Erholung und Naturerlebnis. Wer diesen Anforderungen gerecht werden will, muss manchmal auch neue Wege gehen.
    Planer von Stadtparks sehen sich heutzutage mit sehr unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert. "Die einen suchen Ruhe und Zurückgezogenheit, vielleicht auch Naturerlebnis", die anderen wollen gärtnern, Sport treiben "oder haben Lust, sich zu präsentieren", so Felix Schwarz vom Berliner Landschaftsplanungsbüro Atelier Loidl, das für seine wegweisenden Parkentwürfe bekannt ist. Das Büro hat unter anderem den Gleisdreieckpark in Berlin und den Baakenpark in Hamburg entworfen.
    "Der Park hat heutzutage eine große soziale Funktion", so Schwarz. "Man hat so sein reglementiertes Leben in der Stadt, und grade in Berlin braucht man, bis man draußen ist", pflichtet ihm Bernd Joosten bei, ebenfalls vom Atelier Loidl. Parkanlagen sollen also auch den Wunsch nach mehr "Wildnis" in der Großstadt befriedigen.
    Doch auch diese sorgsam geplante Wildnis will gepflegt und Instand gehalten werden. Eine Herausforderung für die Grünflächenämter. In Berlin soll ein "Urbaner Waldgarten" eine Alternative zum städtischen Park bieten. In Berlin soll ein "Urbaner Waldgarten" eine Alternative zum städtischen Park bieten. Das Experiment läuft seit 2019 am Rande des Britzer Gartens, interessierte Bürger beteiligen sich an der Gestaltung.

    Verwahrlosung hat auch eine positive Seite

    Dass aber auch eine völlig übernutzte Grillwiese und ein paar struppige Bäume Zuflucht für mitunter seltene Insektenarten bieten können, beweist das Beispiel Görlitzer Park. Deutschlands bekannteste Grassteppe, die vor allem als Drogenumschlagplatz immer wieder in den Schlagzeilen ist, beherbergt immerhin 200 verschiedene Tierarten, wie eine Studie nachgewiesen hat.
    Der Entomologe Jens Esser war an dieser Studie beteiligt und hat im Park auch schon echte Entdeckungen gemacht. Gerade die "unaufgeräumten" Flächen, die vom Grünflächenamt wegen Überlastung vernachlässigt würden, seien für Insekten eine Chance, so Esser.
    Leoparden oder Zebras hat er allerdings noch nicht gefunden. Die kann man im Nairobi National Park erleben. Er grenzt direkt an die Millionenmetropole und ist bei den Städtern als Picknickplatz sehr beliebt. Manchmal nehmen sich die Affen die leckersten Bissen. Mehr Wildnis geht wohl nicht.

    Die Sendung wurde am 31. August 2019 erstmals ausgestrahlt.

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