Mobiltelefon soll Portemonnaie werden
Mobiltelefone sind inzwischen wahre Alleskönner. Wenn es nach den Willen der Hersteller geht, sollen sie in Zukunft auch unsere Geldbörse ersetzen. Doch bisher sträuben sich die Deutschen noch ein wenig.
An der Kasse in einem luxuriösen Kaufhaus in der Berliner Friedrichstraße zahlt ein Kunde seinen Einkauf. Aber statt einer Brieftasche zückt der Mann sein Mobiltelefon.
"Hallo, ich möchte dann bezahlen bitte." - "Schönen guten Tag, gerne!" - "Kontaktlos!" - "Dann bitte einmal auflegen, auf das Gerät! Ja, Dankeschön. Funktioniert! Und Ihr Kassenbon. Alles klar, vielen Dank, bis zum nächsten Mal. Tschüss!"
Das Ganze dauert nur ein paar Sekunden. Keine Zukunftsvision, sondern Realität. Seit Oktober 2010 akzeptiert das Kaufhaus "Galeries Lafayette" sogenannte kontaktlose Zahlungen. Und der Kunde von eben ist Thorsten Klein von Mastercard. Das Kreditkartenunternehmen will mit "Paypass" das Smartphone auch zur elektronischen Geldbörse machen.
"Das Smartphone ist der tägliche Begleiter geworden, insofern ist es die logische Konsequenz, dass Menschen auch in Zukunft das Smartphone nicht nur zum Telefonieren oder für viele andere Anwendungen nutzen wollen, sondern insbesondere zum Bezahlen."
Voraussetzung: Ein so genannter NFC-Chip, der im Mobiltelefon eingebaut ist und Nutzerinformationen auf Anforderung überträgt. Die Abkürzung steht für "Near Field Communication", also: Nahbereichs-Kommunikation. Hiermit können Daten ausgetauscht werden, ohne dass sich Lesegerät und Chip berühren müssen. Ein Abstand von maximal vier Zentimetern soll sicherstellen, dass nicht versehentlich gezahlt wird. Außerdem muss ab 25 Euro noch die PIN eingegeben oder ein Beleg unterschrieben werden.
NFC-Chips ähneln technisch den so genannten RFID-Etiketten, die beispielsweise in Skipässen, aber auch in neuen Personalausweisen und Reisepässen stecken. Die können kontaktlos ausgelesen werden. Nun integriert Mastercard solche Chips in neue Karten. Konkurrent Visa will mit "payWave" demnächst nachziehen - erste Schritte, um das kontaktlose Bezahlen auch per Smartphone künftig zur Normalität zu machen.
"Es ist für uns unerheblich, ob es sich um eine Kartentransaktion in Form von Plastik handelt oder ob die Transaktion in Form eines Smartphones ausgelöst wurde oder eben die Kontaktlostechnologie in Form eines Schlüsselbundes oder einer Uhr integriert ist."
Allerdings sind geeignete Mobiltelefone heute noch die Ausnahme. Um wohl deren Verkauf anzukurbeln, beteiligen sich auch Mobilfunkbetreiber wie E-Plus und Telekom an entsprechenden Projekten.
Damit sich die Kunden schon einmal an die neue Technologie gewöhnen können, setzt Mastercard gemeinsam mit einer deutschen Bank auf eine Zwischenlösung: Eine briefmarkengroße Kreditkarte zum Aufkleben auf das Smartphone. Diese nicht gerade elegante Variante soll die Zeit überbrücken, bis NFC-Chips im Telefon Standard sind.
Das wird aber noch Jahre dauern. Die Umrüstung der Kassenterminals wird ebenfalls Zeit benötigen, auch wenn bereits eine große Parfümerie-Kette sowie ein Tankstellenbetreiber die Filialen inzwischen mit neuen Geräten ausstatten.
Das Berliner Kaufhaus "Galeries Lafayette" hat bislang gute Erfahrungen mit der kontaktlosen Bezahlung gemacht. Vor allem das Kassieren geht damit schneller, sagt Verkäufer Abdalla Abdulwahab.
""Man muss nur die Karte halt vorlegen, und das nimmt fast 20 bis 30 Prozent weniger Zeit in Anspruch als der normale Zahlvorgang."
Dass sich die Technologie ebenso rasant durchsetzen wird, davon ist längst nicht jeder überzeugt. Vor allem die Sicherheit wirft Fragen auf. Während die Chips selbst als recht sicher gelten, sind die Zweifel bei den Smartphones noch groß.
Da sie wie Computer arbeiten, sind sie genauso anfällig für Schadprogramme, mit denen Daten ausgespäht oder gestohlen werden können. Wolfgang Adamiok vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband sieht vor allem die Gerätehersteller in der Pflicht.
"Das Problem 'Sicherheit bei Smartphones' ist kein auf den Zahlungsbereich beschränktes Problem, sondern wie in allen PC-Strukturen gibt es da immer Angriffsmöglichkeiten und dem muss die Industrie dort begegnen. Unsere Chipverarbeitung ist hochsicher, da haben wir keine Problemfälle und wir würden uns wünschen, dass die Smartphones ähnlich sicher sind, sodass sie dann auch als Träger für Zahlkartendaten verwendet werden können."
Trotzdem verschließen sich die Sparkassen nicht dem technologischen Fortschritt. Mit "Girogo" entwickeln sie den kontaktlosen Nachfolger der recht erfolglosen "Geldkarte". "Girogo" funktioniert wie bisher auf Guthabenbasis, das heißt: Es muss vorher Geld aufgeladen werden. Das begrenzt immerhin das Risiko.
Und anders als bei "Mastercard Paypass" will der Sparkassen- und Giroverband das Mobiltelefon vorerst nicht zum Bezahlen, sondern zum Kassieren nutzen. Ein spezielles Programm für das Händler-Smartphone, eine so genannte "App", soll das möglich machen.
"Man ruft diese App auf, gibt dann einen Betrag ein und Sie sehen - zum einen, sehen Sie den Namen des Händlers, zum zweiten sehen Sie sehr genau den Referenzbetrag, das heißt, der Betrag, den Sie bezahlen müssen. Sie legen einfach Ihre Sparkassencard mit "Girogo" an. Sie hören den kleinen Ton. Das dauert eine kleine Sekunde und schon haben Sie bezahlt."
Für die nötige Sicherheit sorgt eine Verschlüsselung innerhalb der App. Sollten Daten abhandenkommen, kann ein Dieb wegen der Verschlüsselung nichts damit anfangen, versichert Wolfgang Adamiok.
Damit sich Bezahlen per Smartphone durchsetzt, sind aber Händler und Käufer gefragt - denn die müssen die angebotene Technologie auch annehmen. Problempunkte sind nicht nur die angesprochenen Sicherheitsfragen, sondern auch die Kartenakzeptanz generell. Denn für den Deutschen gilt immer noch: "Nur Bares ist Wahres". Laut Handels-Forschungsinstitut EHI zahlt der Deutsche rund 60 Prozent seiner Einkäufe immer noch mit Scheinen und Münzen.
Links bei dradio.de:
Shopping der Zukunft
Lösungen für den Handel von morgen
Telefonieren als Nebensache
Schöne neue Smartphone-Welt
Fahrschein auf dem Handy
In 15 deutschen Regionen kann man mit dem Mobiltelefon Nahverkehrstickets kaufen
"Hallo, ich möchte dann bezahlen bitte." - "Schönen guten Tag, gerne!" - "Kontaktlos!" - "Dann bitte einmal auflegen, auf das Gerät! Ja, Dankeschön. Funktioniert! Und Ihr Kassenbon. Alles klar, vielen Dank, bis zum nächsten Mal. Tschüss!"
Das Ganze dauert nur ein paar Sekunden. Keine Zukunftsvision, sondern Realität. Seit Oktober 2010 akzeptiert das Kaufhaus "Galeries Lafayette" sogenannte kontaktlose Zahlungen. Und der Kunde von eben ist Thorsten Klein von Mastercard. Das Kreditkartenunternehmen will mit "Paypass" das Smartphone auch zur elektronischen Geldbörse machen.
"Das Smartphone ist der tägliche Begleiter geworden, insofern ist es die logische Konsequenz, dass Menschen auch in Zukunft das Smartphone nicht nur zum Telefonieren oder für viele andere Anwendungen nutzen wollen, sondern insbesondere zum Bezahlen."
Voraussetzung: Ein so genannter NFC-Chip, der im Mobiltelefon eingebaut ist und Nutzerinformationen auf Anforderung überträgt. Die Abkürzung steht für "Near Field Communication", also: Nahbereichs-Kommunikation. Hiermit können Daten ausgetauscht werden, ohne dass sich Lesegerät und Chip berühren müssen. Ein Abstand von maximal vier Zentimetern soll sicherstellen, dass nicht versehentlich gezahlt wird. Außerdem muss ab 25 Euro noch die PIN eingegeben oder ein Beleg unterschrieben werden.
NFC-Chips ähneln technisch den so genannten RFID-Etiketten, die beispielsweise in Skipässen, aber auch in neuen Personalausweisen und Reisepässen stecken. Die können kontaktlos ausgelesen werden. Nun integriert Mastercard solche Chips in neue Karten. Konkurrent Visa will mit "payWave" demnächst nachziehen - erste Schritte, um das kontaktlose Bezahlen auch per Smartphone künftig zur Normalität zu machen.
"Es ist für uns unerheblich, ob es sich um eine Kartentransaktion in Form von Plastik handelt oder ob die Transaktion in Form eines Smartphones ausgelöst wurde oder eben die Kontaktlostechnologie in Form eines Schlüsselbundes oder einer Uhr integriert ist."
Allerdings sind geeignete Mobiltelefone heute noch die Ausnahme. Um wohl deren Verkauf anzukurbeln, beteiligen sich auch Mobilfunkbetreiber wie E-Plus und Telekom an entsprechenden Projekten.
Damit sich die Kunden schon einmal an die neue Technologie gewöhnen können, setzt Mastercard gemeinsam mit einer deutschen Bank auf eine Zwischenlösung: Eine briefmarkengroße Kreditkarte zum Aufkleben auf das Smartphone. Diese nicht gerade elegante Variante soll die Zeit überbrücken, bis NFC-Chips im Telefon Standard sind.
Das wird aber noch Jahre dauern. Die Umrüstung der Kassenterminals wird ebenfalls Zeit benötigen, auch wenn bereits eine große Parfümerie-Kette sowie ein Tankstellenbetreiber die Filialen inzwischen mit neuen Geräten ausstatten.
Das Berliner Kaufhaus "Galeries Lafayette" hat bislang gute Erfahrungen mit der kontaktlosen Bezahlung gemacht. Vor allem das Kassieren geht damit schneller, sagt Verkäufer Abdalla Abdulwahab.
""Man muss nur die Karte halt vorlegen, und das nimmt fast 20 bis 30 Prozent weniger Zeit in Anspruch als der normale Zahlvorgang."
Dass sich die Technologie ebenso rasant durchsetzen wird, davon ist längst nicht jeder überzeugt. Vor allem die Sicherheit wirft Fragen auf. Während die Chips selbst als recht sicher gelten, sind die Zweifel bei den Smartphones noch groß.
Da sie wie Computer arbeiten, sind sie genauso anfällig für Schadprogramme, mit denen Daten ausgespäht oder gestohlen werden können. Wolfgang Adamiok vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband sieht vor allem die Gerätehersteller in der Pflicht.
"Das Problem 'Sicherheit bei Smartphones' ist kein auf den Zahlungsbereich beschränktes Problem, sondern wie in allen PC-Strukturen gibt es da immer Angriffsmöglichkeiten und dem muss die Industrie dort begegnen. Unsere Chipverarbeitung ist hochsicher, da haben wir keine Problemfälle und wir würden uns wünschen, dass die Smartphones ähnlich sicher sind, sodass sie dann auch als Träger für Zahlkartendaten verwendet werden können."
Trotzdem verschließen sich die Sparkassen nicht dem technologischen Fortschritt. Mit "Girogo" entwickeln sie den kontaktlosen Nachfolger der recht erfolglosen "Geldkarte". "Girogo" funktioniert wie bisher auf Guthabenbasis, das heißt: Es muss vorher Geld aufgeladen werden. Das begrenzt immerhin das Risiko.
Und anders als bei "Mastercard Paypass" will der Sparkassen- und Giroverband das Mobiltelefon vorerst nicht zum Bezahlen, sondern zum Kassieren nutzen. Ein spezielles Programm für das Händler-Smartphone, eine so genannte "App", soll das möglich machen.
"Man ruft diese App auf, gibt dann einen Betrag ein und Sie sehen - zum einen, sehen Sie den Namen des Händlers, zum zweiten sehen Sie sehr genau den Referenzbetrag, das heißt, der Betrag, den Sie bezahlen müssen. Sie legen einfach Ihre Sparkassencard mit "Girogo" an. Sie hören den kleinen Ton. Das dauert eine kleine Sekunde und schon haben Sie bezahlt."
Für die nötige Sicherheit sorgt eine Verschlüsselung innerhalb der App. Sollten Daten abhandenkommen, kann ein Dieb wegen der Verschlüsselung nichts damit anfangen, versichert Wolfgang Adamiok.
Damit sich Bezahlen per Smartphone durchsetzt, sind aber Händler und Käufer gefragt - denn die müssen die angebotene Technologie auch annehmen. Problempunkte sind nicht nur die angesprochenen Sicherheitsfragen, sondern auch die Kartenakzeptanz generell. Denn für den Deutschen gilt immer noch: "Nur Bares ist Wahres". Laut Handels-Forschungsinstitut EHI zahlt der Deutsche rund 60 Prozent seiner Einkäufe immer noch mit Scheinen und Münzen.
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Shopping der Zukunft
Lösungen für den Handel von morgen
Telefonieren als Nebensache
Schöne neue Smartphone-Welt
Fahrschein auf dem Handy
In 15 deutschen Regionen kann man mit dem Mobiltelefon Nahverkehrstickets kaufen