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Lesart / Archiv | Beitrag vom 15.11.2016

Mittlerer Westen in der LiteraturRomane aus dem USA der Trump-Wähler

Sieglinde Geisel und Rainer Moritz im Gespräch mit Frank Meyer

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Donald Trump steht bei einer Wahlkampfveranstaltung im Mai 2016 am Rednerpult, umringt von Anhängern, die Schilder mit Trump-Slogans in die Höhe halten. (picture alliance / dpa / EFE / Juan Labreche)
Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Mai 2016 (picture alliance / dpa / EFE / Juan Labreche)

Wäre es mit Blick auf kürzlich erschienene Romane und Erzählungen möglich gewesen, den Wahlsieg Donald Trumps zu erahnen? Bücher wie "Der Tunnel" und "Winter's Bone" beschreiben ein düsteres Amerika, gezeichnet von zerplatzen Träumen und faschistischen Tendenzen.

In der US-amerikanischen Literatur ist der Mittlere Westen unterrepräsentiert, sagt Literaturkritikerin Sieglinde Geisel im Deutschlandradio Kultur.

"Der Tunnel"

Doch natürlich gebe es auch Ausnahmen, erklärt die Literaturkritikerin:

Dazu gehört beispielsweise der 1995 erschienene Roman "Der Tunnel". Das Werk gibt Einblick in ein düsteres Amerika und in eine gärende Wut, die in Gewaltbereitschaft und Faschismus umschlagen kann. Der Autor, William Gass, lebt in Missouri und kennt diese Welt. Damit hat er Zugang zu einem Narrativ und einer Weltsicht, die Autoren aus mondänen Metropolen wie New York und Los Angeles verwehrt bleiben. 

"Winter's Bone"

Eine Geschichte von gescheiterten Hoffnungen und Wut erzählt auch der Roman "Winter’s Bone" – prominent verfilmt mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle und mit vier Oscarnominierungen bedacht.

"Empire Falls"

Über ein weiteres Beispiel spricht Literaturkritiker Rainer Moritz:

Auch "Empire Falls", in Deutschland erschienen unter dem Titel "Diese gottverdammten Träume", gibt Einblick in eben jene Welt. Richard Russos Roman beschreibt eine Kleinstadt in Main und die zerstörten Träume seiner Protagonisten, die letztlich in einem Amoklauf münden. Obwohl bereits 2001 in den USA erschienen, wurde Russos Roman erst in diesem Jahr auch in Deutschland verlegt.

Es sind die Erzählungen einer Welt, die durchaus an die von Donald Trump bedienten Diskurse erinnern.

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