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Fazit | Beitrag vom 07.05.2021

Mithu Sanyal über Streitkultur"Humor ist ein Testfeld für Empathie"

Moderation: Eckhard Roelcke

Die Autorin Mithu Sanyal blickt vor einem Bücherregal in die Kamera. (Regentaucher)
Es sei wichtig, über das absurde Phänomen Rassismus zu lachen, sagt die Schriftstellerin Mithu Sanyal. (Regentaucher)

Der Ton bei gesellschaftlichen Debatten ist rau. Mithu Sanyal plädiert für mehr Humor beim Streiten. Rassistische Strukturen lassen sich dadurch zwar nicht verändern - aber immerhin könne man sich dann noch in die Augen schauen.

Es wird ausgiebig gestritten in Deutschland - über Themen wie Gender, Rassismus, Sexismus oder Machtmissbrauch. Der Ton ist dabei oft gereizt, gerade in den sozialen Medien drohen Diskussionen schnell außer Kontrolle zu geraten.

Die Schriftstellerin Mithu Sanyal beschäftigt sich in ihrem Roman "Identitti" mit der Mutter aller Debatten - mit der über Identität. Statt aber angstvoll zu versuchen, es jedem Recht zu machen, setzt Sanyal auf Humor. Auch vor Selbstironie macht die 49-Jährige nicht Halt.

Über Rassismus lachen

"Humor ist ein Testfeld für Empathie. Wir können uns in Menschen hineinversetzen. Wenn man mit Menschen lacht, dann sind die schon nicht mehr gefährlich. Dann sind sie nicht mehr die Fremden, die anderen", sagt Sanyal.

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Wobei die Autorin betont, dass es darum geht, mit Menschen zu lachen und nicht über sie: "Wenn man zusammen über eine Sache lacht, sitzt man schon im selben Boot. Damit meine ich nicht über die Opfer von Rassismus zu lachen, sondern über dieses absurde Phänomen Rassismus."

Zu lange habe Rassismus oder Sexismus zum guten Ton gehört. Das ändere sich gerade radikal: "Und das ist großartig."

Vorbild Großbritannien

Vorbild ist dabei für Sanyal Großbritannien. Dort gilt "die humorvolle Literatur als die höchste, die beste Literatur." Während man der deutschen Literatur vieles vorwerfen könne: "Aber zu humorvoll ist sie nun wahrlich nicht."

Klar ist aber auch, sagt Sanyal, dass mit Humor keine rassistischen Strukturen verändert werden. Denn: "Strukturen sind unglaublich träge." Um sie zu ändern, brauche es Wut: "Das Umdenken liegt daran, dass Menschen an die Öffentlichkeit gegangen sind, skandalisiert haben, auf den Tisch geklopft und gesagt haben, dass es so nicht geht."

Um dann aber gemeinsam Lösungen zu finden, könne Humor helfen, denn: "Danach muss man sich wieder zusammen an einen Tisch setzen."

(beb)

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