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Fazit | Beitrag vom 11.05.2020

Michel Friedman über Gerichtsprozesse in TheatersälenTheater sind zum Theaterspielen da

Michel Friedman im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Der Publizist, Jurist und Fernsehmoderator Prof. Dr. Dr. Michel Friedmann steht bei der Festansprache zum Gothaer Friedensgespräch im Jahr 2016 auf der Bühne vor einem roten Vorhang. (imago images / VIADATA)
Im Theater sollten keine Gerichtsprozesse entschieden, sondern Theater gespielt werden, sagt Schauspielfan Michel Friedman. (imago images / VIADATA)

Berlins Justizsenator schlägt vor, Gerichtsprozesse in Theater zu verlagern, damit in der Coronazeit größere Abstände möglich sind. Der Publizist Michel Friedman empfiehlt andere Ausweichorte und hofft, dass Theater bald wieder öffnen werden.

Wegen der Coronakrise nicht bespielte Theater zu Gerichtssälen machen: Das hat Berlins Justizsenator Dirk Behrendt vorgeschlagen. So könnte dem Grünen-Politiker zufolge auch bei größeren Prozessen der notwendige Abstand eingehalten werden. 

"Rechtstheoretisch" wäre das kein Problem, meint der Jurist, Publizist und Moderator Michel Friedman. Und es gebe Parallelen zwischen Theater und Gericht – auch eine Gerichtsverhandlung sei eine Inszenierung. "Die Ästhetisierung von Prozessen ist ja etwas enorm Dramatisches. Und wir kennen ja auch eine der erfolgreichsten Theaterstücke der letzten Jahre. Das Stück von Schirach, 'Terror', war eine Gerichtsverhandlung im Theatersaal. So gesehen ist beides überschneidend." 

Dennoch hält Friedman nichts von Behrendts Vorschlag: Theater sollten vielmehr aufmachen und gerade in der Coronazeit das tun, wofür sie bestimmt sind, "nämlich Kunst produzieren, Menschen zum Nachdenken und zum Fühlen bringen", sagt er. 

Im Theater wird Theater gespielt

Er sehne sich nach einer Öffnung der Theater, denn er freue sich als Konsument, ganz einfach still in der Ecke als Zuschauer genießen zu können, was "großartige Schauspieler uns an Leben" zeigten. Insofern hofft Friedman, dass der Vorschlag, Gerichtsprozesse in Theatern stattfinden zu lassen, daran scheitern wird, dass in Berlin ab September die Theater wieder ihre Tore öffnen könnten: 

"Mit weniger Publikum, vielleicht mit anderen Stücken. Aber der Ort des Theaters ist Theaterspielen. Wenn der Justizsenator wirklich Raumnot hat: Ich bin sicher, in Berlin gibt es ein paar bessere Plätze, wo dann die Gerichtsverhandlungen stattfinden. Und wir sitzen gemeinsam und lauschen den wunderbaren Schauspielern und Schauspielerinnen, wenn sie uns ihre Stücke vorführen."

Das Theater als "Geschenk"

Theater sei eines der wesentlichsten Kulturmerkmale, die wir in unserem Leben hätten, findet Friedman, der eine enge Beziehung zum Theater hat und unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender des Saarländischen Staatstheaters war. Dass politische Themen, wie soziale Gerechtigkeit oder Freiheit in Theatern verhandelt würden, sei auch einer der Gründe, warum Theater immer auch ein Ort der Gegenwart ist, betont er.

"Auch wenn die Stücke schon sehr alt sind: Es gibt diese paar Lebensthemen und es ist ganz wunderbar, daran partizipieren zu können. Ich freue mich darauf, endlich wieder in einem abgedunkelten Raum unmittelbar mit den Schauspielern in Kontakt sein zu dürfen. Das Kino hat als Leinwand immer noch ein 'Zwischen-Geschoss'. Das Theater ist nackt, und ich finde, das ist – wenn es gelingt – eines der schönen Geschenke, die man als Mensch erleben darf."

(mle)

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