Methanol-Brennstoffzelle

    Revolutionärer Antrieb für Autos

    07:56 Minuten
    Ein Mann steht vor einem Auto mit einer Methanol-Brennstoffzelle.
    Erfinder Roland Gumpert ist überzeugt von seiner Technik. Autos mit einer Methanol-Brennstoffzelle könnten für ihn die Zukunft sein. © Deutschlandradio / Jan-Uwe Stahr
    Von Jan-Uwe Stahr · 06.07.2021
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    Batteriebetriebene Elektroautos sollen den Verkehr klimaverträglich machen, haben aber eine geringe Reichweite und lange Ladezeiten. Eine Alternative wäre die mit Methanol betriebene Brennstoffzelle. Aber Industrie und Politik zeigen wenig Interesse.
    Leise kommt ein mattschwarz lackierter Sportwagen herangerollt, parkt in einer blitzblanken, kleinen Produktionshalle im Ingolstädter Gewerbegebiet. Eine Flügeltür öffnet sich, ein älterer Herr in Jeans und Jackett steigt aus. Roland Gumpert, Chef der 23-köpfigen Autoschmiede Gumpert und Schöpfer des schwarzen Renners – einem Elektroauto der Superlative.
    "Von null auf 100 in 2,5 Sekunden, hat eine Endgeschwindigkeit von 300 km/h und man muss Strom tanken erst nach 800 oder 1000 km Distanz, je nachdem welche Fahrgeschwindigkeit man eben will."


    Eine unglaubliche Reichweite für ein Elektroauto – ohne zeitraubende Zwischenstopps an Ladesäulen. Der Grund: Den nötigen Fahrstrom erzeugt das Auto selbst. Aus einem alkoholischen Treibstoff, der sich in nur drei Minuten auftanken lässt und zudem klimaneutral hergestellt werden kann – mithilfe von Wasser, grünem Strom und CO2 aus Industrieabgasen oder aus Biomasse.
    "Wir nehmen den Strom in flüssiger Form zu uns, in Form von Methanol, für mich ist Methanol veredelter Wasserstoff, also das ist ein Wasserstoffauto. Ich mache jetzt mal die Motorhaube auf. Das ist jetzt also unsere "Gumpert Power Cell", so nennen wir es, die Methanol-Wasserstoff-Brennstoffzelle."

    Ist das nur ein Hightech-Spielzeug für Milliardäre?

    Das Herzstück von Gumperts alternativen Elektroantrieb steckt verpackt in einer metallischen Box. Hier wird das flüssige Methanol aufgespalten, das CO2 wird zurück in die Umwelt entlassen. Der übrig bleibende Wasserstoff reagiert mit Sauerstoff aus der Luft. Dabei entsteht elektrischer Strom. Dieser lädt fortwährend die Bordbatterie – beim Stehen, wie beim Fahren. Die Batterie wiederum versorgt die vier Antriebsmotoren des Super-Sportwagens. Rund 400Tausend Euro kostet der Bolide. Aber ist das mehr als ein exklusives Hightech-Spielzeug für Milliardäre? JA, meint sein Schöpfer:
    "Für uns ist es eben ein Leuchtturmprojekt, um zu beweisen, dass es funktioniert, denn wenn man diese Technologie in einen Sportwagen rein bringt mit 850 km Reichweite, mit Methanoltank und allem Drum und Dran, Brennstoffzelle, 400 V Elektrik, dann ist das der Beweis, dass man es in jeden Pkw oder auch in einen Langstrecken-Lkw einbauen kann, das ist überhaupt kein Problem."
    Früher hat Gumpert PS-starke Verbrenner-Autos gebaut – als Entwicklungsingenieur des Ingolstädter Herstellers Audi. Nun ist der 76-Jährige selbst ein Unternehmer. Die Zukunft gehört den Elektroautos, findet auch er. Doch die Batteriefahrzeuge der großen Autokonzerne überzeugen ihn nicht.

    Der Vorteil von Methanol

    Klimafreundliche Elektrofahrzeuge müssten auch dort funktionieren, wo es auf absehbare Zeit keine ausgebaute Ladesäuleninfrastruktur und nicht genügend grünen Strom gibt: also fast überall auf der Welt. Mit Methanol geht das. Denn den flüssigen Stromspeicher kann man problemlos überall hin transportieren und an jeder normalen Tankstelle anbieten. Eigentlich genial. Doch die Autobranche scheint das nicht zu interessieren:
    "Ob sich ein solches Konzept durchgesetzt, da bin ich tatsächlich skeptisch. Ich glaube, dass die Autoindustrie im Moment sehr stark das Thema der Batterie-elektrischen Mobilität in den nächsten Jahren verfolgen wird", sagt Prof. Stefan Bratzel. Als Direktor des Center for Automotive in Bergisch Gladbach, berät er die Autoindustrie. Auch er kenne das Konzept nur grob, räumt Bratzel ein. Trotzdem lobt er die Arbeit des Tüftlers Roland Gumpert:
    "Er ist natürlich ein toller Erfinder, wenn man so will, ein tolles Unternehmen, und es sind ja gerade diese kleinen Unternehmen, diese Start-ups, die ja neue Ideen einbringen und damit eben auch Denkanstöße für größere Automobilhersteller geben."

    Das Problem von grünem Wasserstoff

    Oder auch nicht. Unstrittig ist: die Herstellung von grünem Wasserstoff und dessen Veredelung zu grünem Methanol verbraucht viel zusätzlichen Strom. Ist damit deutlich ineffizienter als Batterien, die direkt aus dem Stromnetz geladen werden. Doch zukünftig könnte grünes Methanol mithilfe von extrem billigem Solarstrom in Sonnenländern zum Beispiel in Nordafrika, erzeugt werden, sagen Wissenschaftler. So auch Thomas Brück, Professor für synthetische Biotechnologie an der TU München, in einem Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks:
    "Dann können wir Methanol in einer Masse produzieren, die unsere Flotte und mehr betreiben kann, zu Preisen, die sich dann auch ökonomisch rechnen. Wir reden dann von grünem Methanol."
    Bis es so weit ist, könne man auch mit sogenanntem "grauen" Methanol fahren, sagt Autobauer Gumpert. Das ist zwar ein fossiles Abfallprodukt aus der chemischen Industrie. Doch, eingesetzt in einer Methanol-Brennstoffzelle, werde immerhin noch 70 Prozent des CO2 Ausstoßes eingespart – gegenüber einem Dieselmotor. Und nicht nur das:
    "Wenn man graues Methanol zu Diesel vergleicht, in einem Truck dann haben wir mit grauem Methanol etwa 45 Prozent Kosteneinsparung im Vergleich zu Diesel. Und mit grünem Methanol, das wir heute kaufen, haben wir noch ein Prozent Kosteneinsparung."

    Persönliche Audienz beim Bundesverkehrsminister

    Damit sein kleines Unternehmen das alternative Elektrokonzept weiter entwickeln kann, fuhr der Ingolstädter mit seinem Supersportwagen nach Berlin. Dort fragte er den Bundesverkehrsminister persönlich um finanzielle Unterstützung für seine patentierte Technik. Schließlich subventioniert die Bundesregierung auch die Batterieautos der großen Konzerne. Doch statt eine Förderzusage bekam der bayerische Erfinder eine Prüfungsaufgabe: Er soll erst einmal beweisen, dass sein alternativer Methanol-Elektroantrieb auch jenseits von superteuren Sportwagen funktioniert. Und übergab ihm zum Umbau einen Kleinwagen – einen Smart.
    "Das ist jetzt ein Smart des Bundesverkehrsministeriums. Dann hat man sich vielleicht gedacht, jetzt mach mir mal was extra Schwieriges für den Kumpel und nehmen den Smart, dann hat er noch mehr Schwierigkeiten, das zu bewältigen und zu bringen, aber funktioniert einwandfrei, wir sind jetzt schon fast 20.000 km mit dem Auto gefahren ohne irgendwelche Probleme. Funktioniert wahnsinnig gut. Ich kann 600,700 km fahren in der Stadt."
    Auch für Lastwagen sei die Methanol-Brennstoffzelle gut geeignet, sagt Gumpert. Interessenten gäbe es bereits. Ob er dafür auch die erhoffte staatliche Unterstützung erhalten wird, bleibt unklar. Grundsätzlich sei eine Förderung der Methanol-Brennstoffzellen möglich, teilt das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage mit. Allerdings seien die Fördernachfrage hoch und die Mittel begrenzt. Die – Zitat – "eingereichten Projektideen stehen daher in Wettbewerb zueinander". – Wie dieser ausgehen wird, ist noch nicht entschieden.
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