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Breitband | Beitrag vom 28.08.2021

Memes im Bundestagswahlkampf"Das kann auch kontraproduktiv sein"

Berit Glanz im Gespräch mit Katja Bigalke und Martin Böttcher

Elon Musk (l), Tesla-Chef und Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Besichtigen die künftige Gießerei im Werk der Tesla Gigafactory.  (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/POOL / Patrick Pleu)
Jovialer Provinzpolitiker trifft Silicon Valley: Die Bilder von Armin Laschet und Tesla-Gründer Elon Musk lösten im Netz eine wahre Meme-Explosion aus. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/POOL / Patrick Pleu)

In den USA sind Memes in den sozialen Medien spätestens seit Donald Trump ein wichtiger Faktor im Wahlkampf. Auch im aktuellen Bundestagswahlkampf spielen sie eine Rolle. Doch nicht immer können Politiker daraus Nutzen ziehen, meint Berit Glanz.

Kleine Bild- oder Videoclips, mit lustigen oder spöttischen Texten versehen – sogenannte Memes – spielen auch im gegenwärtigen Bundestagswahlkampf eine Rolle.

In dieser Woche etwa ging ein Wahlwerbespot der Grünen viral, in dem unterschiedliche Menschen eine umgedichtete Version von "Kein schöner Land" singen – und das alles andere als schön.

Zum Fremdschämen, findet die Schriftstellerin und Bloggerin Berit Glanz. Und vielleicht gerade deshalb ein wahlkampfstrategischer Erfolg, denn Memes erzeugen sehr schnell hohe Sichtbarkeit: "Es gab Nachrichten über den Wahlwerbeclip, dass sich das Internet darüber lustig macht usw., und dann hat man plötzlich so ein Wahlkampfvideo, was wirklich unglaublich viel rezipiert worden ist."

So würden dann auch Menschen erreicht, die die eigentliche Zielgruppe des Clips seien: "Das ist eben nicht der sich fremdschämende Twitterer oder die spöttische Frau auf Instagram", betont Glanz, sondern vielleicht eher "ein konservativer Wechselwähler auf dem Land, der jetzt plötzlich dieses Video rezipiert, was er sonst gar nicht mitbekommen hätte. Und das passiert nur, weil es ein Meme ist."

Die Wirkung eines Memes lässt sich schwer kontrollieren

Neu seien Memes im deutschen Wahlkampf nicht, auch 2017 habe es sie bereits gegeben, so die Autorin mit Blick etwa auf den "Schulz-Zug", den einige Reddit-User rund um den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz kreiert hatten. Aber jetzt würden Memes mehr und offensiver genutzt. Glanz erklärt, sie habe auch den Eindruck, dass die Parteien inzwischen selbst mit Memes spielten und versuchten, Material zu produzieren, das sich für Memes eignet.

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Inwieweit die Parteien mit solchen Clips bewusst auf eine potenzielle Verbreitung als Meme setzen, lässt sich Glanz zufolge nicht nachweisen. Zumal bei Memes auch dazu gehöre, "dass man sehr stark die Kontrolle aufgibt", betont sie. "Das ist sicherlich, weswegen offizielle Meme-Accounts wie der von der CDU nicht ganz so gut funktionieren, weil man da natürlich sich nicht über sich selber lustig machen möchte. Das muss man aber aushalten."

Welchen Effekt erzeugen Laschet-Memes?

Für Politiker und Parteien erzeugen solche Memes nach Einschätzung der Autorin auch nicht immer eine positive Wirkung, auch wenn ein Kandidat oder eine Kandidatin "wahnsinnig stark ins öffentliche Bewusstsein" geholt würden, wenn viele Memes über ihn oder sie entstünden.

"Ich bin aber bei diesen Laschet-Memes nicht sicher, ob die nicht vielleicht doch negativ wirken, weil ich das Gefühl habe, dass der Tenor dieser Memes sehr oft zementiert, dass Laschet eben eine lächerliche Figur ist. Ich glaube, das kann dann auch kontraproduktiv sein."

Etwa bei den vielen Memes, die rund um das Treffen Armin Laschets mit Tesla-Gründer Elon Musk entstanden sind:

"Das hat tatsächlich sogar zu einer Meme-Explosion geführt, würde ich sagen, weil die Bilder von den beiden sich so extrem gut geeignet haben, damit zu spielen, weil wir da in diesem Bild schon den Gegensatz vereint haben von Laschet als einem jovialen Provinzpolitiker und Elon Musk, der sowieso selbständig zu einem Meme wird, aber der dann natürlich so das Silicon Valley repräsentiert."

(uko)

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