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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 17.08.2016

Meeresbiologe Boris CulikWas können wir von Pinguinen lernen?

Boris Culik im Gespräch mit Susanne Führer

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Zwei Afrikanische Pinguine am Strand. (picture-alliance/ ZB)
"Man findet sie einfach sympathisch, irgendwie ein bisschen menschlich", meint Meeresbiologe Boris Culik. (picture-alliance/ ZB)

Meeresbiologe Boris Culik hat ein Warngerät entwickelt, das Schweinswale von Fischernetzen fern halten soll – in ihrer eigenen Sprache. Oder ein Überwachungssystem, damit Schiffe nicht unerlaubt Müll entsorgen können. Vor allem begeistern ihn aber: die Pinguine.

Wie halten Pinguin-Familien zusammen? Wie kann man Wale vor Gefahren durch die Fischerei warnen? Wie können Meerestiere und Menschen zusammenleben? Dies sind nur einige Fragen, denen sich Boris Culik seit Jahrzehnten widmet. Der habilitierte Meeresbiologe, ehemals als Wissenschaftler am GEOMAR Institut für Meereskunde in Kiel tätig, leitet seit 2001 seine eigene Forschungsfirma F³: Forschung. Fakten. Fantasie.

Meeresbiologe Boris Culik (Privat)Meeresbiologe Boris Culik (Privat)

Gemeinsam mit anderen Experten hat der gebürtige Münchner bedeutende Schutzsysteme entwickelt. Zum Beispiel ein Warngerät, das Schweinswale von Fischernetzen fern halten soll, damit sie sich nicht darin verfangen und sterben.  Das Besondere daran: Das Gerät imitiert die Sprache der Wale: "Die Tiere erzeugen Klicklaute und ordnen diese Klicklaute zu Sätzen an, die aus bis zu 900 Klicks bestehe. Diese Art der Kommunikation hat man in einem Delfinarium in Dänemark beobachtet und aufgezeichnet; und die Aufzeichnungen waren so gut, dass wir das imitieren können mit einem elektronischen Gerät, das dann eben so ein Geräusch synthetisiert, also künstlich erzeugt, so einen Kommunikationslaut. Und dass wir das ziemlich gut getroffen haben, wird belegt dadurch, dass wir die Tiere tatsächlich mit dem Gerät vor den Netzen warnen."

Pinguine in der Antarktis (picture alliance / dpa Foto: Yonhapnews Agency)Pinguine in der Antarktis: Meister im Schwimmen und Tauchen. (picture alliance / dpa Foto: Yonhapnews Agency)

Culik entwickelte auch ein Satelliten gestütztes Überwachungssystem für die Meere, damit Schiffe nicht unerlaubt Müll entsorgen können. Sein erstes Forschungsinteresse galt aber den Pinguinen, über die der heute 57-Jährige mehrere Bildbände veröffentlicht hat – und die ihn nach wie vor begeistern. "Pinguine sind toll, weil sie so stromlinienförmig sind im Wasser; dort schießen sie pfeilschnell durch die Gegend. An Land watscheln sie unsicher, sind schwerfällig. Man findet sie einfach sympathisch, irgendwie ein bisschen menschlich."

Meeresbiologe Boris Culik schaut durch ein Fernrohr (Privat)Die Pinguine haben ihn bis heute nicht losgelassen. (Privat)

Pinguine seien uns Menschen im Wasser weit voraus: "Das Tier schlägt zweimal mit den Brustflossen, mit den Flippern; und wenn es die Flügel anlegt, gleitet es einfach weiter durchs Wasser. Bei einem menschlichen Schwimmer, den Sie unter Wasser filmen, – sobald der aufhört zu strampeln, bleibt der gleich stehen, weil eben unser ganzer Körper nicht fürs Schwimmen ausgelegt ist." Und sie sind Meister im Tauchen: "Kaiserpinguine schaffen 500 Meter Tiefe; das ist ja beachtlich, wenn man sich solch ein Tier vorstellt, so knapp ein Meter groß." Beeindruckend auch die Aufzucht der Küken; die Pinguinpaare teilten sich wie selbstverständlich die Arbeit des Brütens auf dem ewigen Eis. "Das muss ein eingespieltes Team sei; und deshalb halten Pinguinpaare ja auch lange zusammen, wenn das funktioniert."

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