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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 09.02.2019

Medizin und KommunikationWie können Ärzte und Patienten besser miteinander reden?

Moderation: Klaus Pokatzky

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Eine Illustration zeigt eine Ärztin, die sich in iherer Praxis mit einer Patientin unterhält. (imago / Ikon Images)
Auch Worte können heilend sein: Nicht immer fühlen sich Patientinnen und Patienten in der Arztpraxis gut versorgt. (imago / Ikon Images)

Kaum Zeit, zu viele Fremdwörter, mangelndes Einfühlungsvermögen: Patienten fühlen sich von Ärzten oft alleingelassen. Diese unterbrechen im Schnitt schon nach 18 Sekunden das Gespräch, das frustriert. Wie kann die Kommunikation besser werden?

Viele Patienten fühlen sich eher abgefertigt als gut versorgt. Umgekehrt klagen Ärzte, dass sie sich zu wenig Zeit nehmen können angesichts übervoller Wartezimmer und einer unzulänglichen Honorierung für Gespräche. Und mancher Arzt ist zwar fachlich hoch qualifiziert, aber menschlich nicht zugewandt.

"Oftmals reden Mediziner oder Berater über den Kopf der Ratsuchenden hinweg", sagt Doris Schaeffer, Gesundheitswissenschaftlerin an der Universität Bielefeld. Sie erforscht die Gesundheitskompetenz der Deutschen – und damit auch das Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten. Eines der Ergebnisse: Mehr als jeder Zweite hat Probleme, medizinische Informationen einzuordnen. "Sie haben beispielsweise große Schwierigkeiten, unterschiedliche Behandlungsoptionen zu beurteilen, Packungsbeilagen für Arzneimittel zu verstehen und zu bewerten oder zu entscheiden, wann eine ärztliche Zweitmeinung sinnvoll ist." Zu wenige Patienten trauten sich, nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstehen oder Therapiemaßnahmen zu hinterfragen.

Plädoyer für zugewandtes Zuhören

"Eigentlich müsste es nicht Sprechstunde heißen, sondern noch besser Hörstunde", sagt Stefan Wilm, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Düsseldorf, "weil eine ganz wesentliche Fähigkeit bei der Kommunikation das zugewandte Zuhören ist." Als Hausarzt weiß er, wie wichtig es ist, dass Arzt und Patient einander verstehen – und vertrauen.

Sein Rat für unzufriedene Patienten: "Mehr Mut: Stimmt mit den Füßen ab, sucht euch die passenden Ärzte. Der zweite Punkt: Geduld. Bei mir dauert ein Patienten-Arzt-Gespräch 20 bis 30 Minuten. Dritter Punkt: Offenheit. Bitte, liebe Patienten, legt eure Sorgen und Erwartungen auf den Tisch."

Seine Erfahrung: "Eine gute Kommunikation hat einen messbaren Effekt auf die Lebensqualität. Sie ist genauso wichtig wie Operationstechniken oder ein Sonografie-Kurs. Es sind in der Tat 'heilende Worte'."

Wie können Ärzte und Patienten besser miteinander reden? Darüber diskutiert Klaus Pokatzky heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Doris Schaeffer und Stefan Wilm. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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