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Breitband | Beitrag vom 25.07.2015

Medien und MeinungenShitstorms, Emojis und der People's Operator

Die Medien und Meinungen am 25. Juli 2015

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Tim Wiese ist mit aktuellen Meldungen im Studio: Ein neues Internetprojekt will der universale Netz-Anbieter für die Menschen werden - ganz ohne Werbung. Die Debatte um Shitstorm und Hass im Netz geht in die nächste Runde. Und den großen Buchstabenproduzenten wird per Emoji-Bildchen gehuldigt.

The People's Operator

Ein neues soziales Netzwerk macht in dieser Woche von sich reden. Dahinter steckt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. TPO heißt sein neues Projekt, The People's Operator. Ein Anbieter für die Bürger soll das werden, zugleich Mobilfunkdienst, soziales Netzwerk und digitale Spendensammelstelle - ganz ohne Werbung.

Jimmy Wales beschreibt die Idee in einem Manifest ganz bescheiden als ähnlich wie Twitter, aber besser. Die Beta-Version ist schon online und erinnert zunächst an Facebook.

Für Wales macht der Umgang mit Usern und ihren Daten den entscheidenden Unterschied zu anderen Netzwerken. Die würden ihre Mitglieder nämlich nur als Ware sehen, die an Werbekunden verkauft würde. TPO hingegen unterstütze wohltätige Zwecke, die den Usern am Herzen lägen. Zehn Prozent der Monatsbeiträge sollen nämlich gespendet werden.

Was tun mit dem Hass im Netz?

Das haben wir letzte Woche hier bei Breitband gefragt und eine Stunde ausführlich über Mobbing, aggressive Kommentare und Shitstorms diskutiert.

Diese Woche gab es das nächste prominente Opfer, aber auch einen Medienwissenschaftler der einem Shitstorm positive Seiten abgewinnen kann. Das Opfer war Til Schweiger. Er hatte auf seiner Facebook-Seite für eine Spendenaktion für Flüchtlinge geworben. Die Folge: In den Kommentaren ließen dumpfe Wutbürger mal so richtig braune Luft ab.

Til Schweiger und die Wutbürger auf Facebook

Erst Recht, als der Schauspieler darauf reagierte und postete: Verpisst euch von meiner Seite, empathieloes Pack! In den Tagesthemen hat Schweiger dann versucht, die heftigen Reaktionen auf sein Posting zu erklären:
"Weil sie den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und in irgendwelchen Realityshows sehen, wie sich stumpfe Leute beleidigen, runtermachen, dissen und das prallt nicht an einem ab."
Er selber wolle sich von dem Hass im Netz aber nicht beeinflussen lassen.
"Die wollen ja eigentlich, dass man mundtot gemacht wird und die Schnauze hält. Aber ich denke nicht dran."
Ein Plädoyer für die Shitstorms

Mit Shitstorms beschäftigt sich auch Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Er hat in dieser Woche dafür plädiert, dass man Shitstorms nicht nur negativ sehen darf.

In einem Interview mit der dpa hat er von einer »pauschalen Diffamierung der Netzszene« gesprochen. Er meint, in dem kollektiven Empörungssturm könnten sich große gesellschaftliche Fragen zeigen. Wir müssten nur lernen, einen Shitstorm zu lesen und zu dechiffrieren.

Werk und Wesen verdichtet in Emojis

Gefeiert wurden in dieser Woche auch die Emojis. Es ging damit los, dass Lieblings-Schriftsteller und Philosophen mit Hilfe von Emojis dargestellt werden sollten - Werk und Wesen verdichtet auf ein Symbol. Das war ein Vorschlag von Nils Markwardt vom Philosophiemagazin auf Twitter.

Franz Kafka ist zum Beispiel ein Käfer. Klar, das spielt auf »Die Verwandlung« an. Das Weinglas steht für Jean-Paul Sartre. Weil er gerne mal einen getrunken hat. Die Sache zog dann aber noch größere Kreise. Mittlerweile werden Filmtitel in Emojis übersetzt.
Was ist zum Beispiel das Äffchen, das sich den Mund zuhält, und zwei Schafe? Oder das Gespenst mit einem Briefumschlag?

Bild oben: Will den People's Operator aufbauen: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales - fotografiert von Joi Ito auf Flickr unter CC-BY

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