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Breitband | Beitrag vom 21.05.2016

Medien und MeinungenFB-Neutralität, Hacker und Gesichtserkennung

Die Medien & Meinungen von Vera Linß

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In den vergangenen Wochen gab es Wirbel um Facebook und die angebliche Neutralität von Algorithmen.

Eine Plattform für alle?
Insbesondere wurde der Verdacht laut, Facebook habe im US-Wahlkampf konservative Nachrichten benachteiligt. Die Firma hat das zwar umgehend dementiert, aber erst jetzt hat sich Chef Mark Zuckerberg persönlich geäußert.

Bei einem Treffen mit Politikern, Journalisten und Vertretern aus dem konservativen Lager versprach er, dass Facebook alle Inhalte gleichberechtigt behandelt werden sollen. Unter dem Motto "A platform for all ideas" (Eine Plattform für alle Ideen) bekräftigte er das Versprechen noch einmal in einem Photo-Post auf Facebook.

Facebooks Neutralitätsversprechen
Nachprüfen kann die Neutralitätsversprechen allerdings niemand, deswegen wird mittlerweile von Kritikern gefordert, Facebook nicht mehr als neutrale technische Plattform, sondern wie ein klassisches Medienunternehmen zu behandeln.


Kriminalisierte Hacker
In einer in mehreren Teilen angelegten Studie hat das BKA in den letzten Jahren herauszufinden versucht, wie gefährlich Hacker und sogenannte Hacktivisten sind. Der letzte Teil, eine "Dunkelfeldstudie", wurde jetzt veröffentlicht.

Teresa Züger hält die Vorgehensweise der Studie für problematisch, da es eine starke Tendenz gäbe, "Kulturtechniken wie Hacking und Hacktivism kompett zu kriminalisieren". Außerdem werde nicht zwischen Aktivitäten, die einen Rechtsbruch darstellen und legitimer politischer Aktion unterschieden.

Die BKA-Studie
Immerhin gibt es laut Züger in einem Gastbeitrag für netzpolitik.org ein positives Ergebnis: "[Das BKA kommt] nach drei Studien mit insgesamt deutlich über 200 Seiten zu einer entlarvenden Erkenntnis: 'Schon jetzt lässt sich feststellen, dass die Ergebnisse darauf hinweisen, dass es sich bei Hacktivismus weder im Hellfeld noch im Dunkelfeld um eine signifikante Bedrohung mit ausgeprägtem Schadenspotenzial handelt.' (S. 35) 

[Audio anhören]



Letztlich sollte man dem BKA sogar dankbar für dieses Eingeständnis sein, da offensichtlich an einer verstärkten strafrechtlichen Verfolgung aktivistischter Handlungen kein Bedarf besteht."

Deanoynmisierung per Handyfoto
"Keine Bilder in sozialen Netzwerken posten, denn man könnte darauf identifiziert werden!" war eine der Warnungen aus den Frühzeiten der sozialen Netzwerke, die heute oft nur noch milde belächelt wird - aber wieder aktuell werden könnte.

Grund ist die App "FindFace" aus des russischen Entwicklers Alexander Kabakov. Wird ein Foto in die App hochgeladen, wird durch Gesichtserkennungssoftware das passende Profil im sozialen Netzwerk VKontakte (das russische Pendant zu Facebook) herausgesucht.

FindFace und das Ende der Anonymität
Damit kann ein Nutzer Menschen an einem beliebigen öffentlichen Ort fotografieren und dann identifizieren, Anonymität ist - wenn man ein VKontakte-Profil mit Fotos hat - fast unmöglich.

Der Erkennungsalgorithmus soll sogar so gut sein, dass er sich von Brillen und Perücken nicht durcheinander bringen lässt. Die Moskauer Stadtverwaltung will ihn in Zukunft nutzen, um Videos von Überwachungskameras auszuwerten und die Macher des Algorithmus haben nicht ausgeschlossen, auch mit dem Geheimdienst FSB zusammenzuarbeiten.

Bildnachweis: "Facebook, I like, Logo" von denvit unter CC0-Lizenz

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