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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 10.03.2017

Max Annas: "Illegal"Krimiautor jagt uns durch Berlin

Von Thomas Wörtche

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Abbruchhaus in Berlin-Kreuzberg - Handlungsort von "Illegal" (dpa / picture alliance / Wolfram Steinberg)
In Hochgeschwindigkeit jagt der Held des Romas "Illegal" durch das bedrohliche Berlin. (dpa / picture alliance / Wolfram Steinberg)

Max Anna ist Deutscher, hat aber lange in Südafrika gelebt. Dort spielten seine ersten beiden Thriller "Die Farm" und "Die Mauer". Jetzt ist er nach Berlin umgezogen, und hier ist auch sein neuer Roman "Illegal" angesiedelt.

Ohne Aufenthaltsgenehmigung – für die Behörden illegal – schlägt sich der junge Ghanaer Kodjo in Berlin mit Gelegenheitsjobs durchs Leben. Er bewegt sich innerhalb eines sympathisierenden Netzwerks als prekäre Existenz; denn illegal leben heißt, sich so unsichtbar machen wie möglich. Das heißt vor allem: ja keinen Kontakt mit der Polizei und anderen Ordnungsmächten haben. Das geht solange einigermaßen gut, bis ein Kumpel von Kodjo die Nerven verliert und ohne Not vor einer Polizeistreife davonrennt.

Auch Kodjo flieht, und damit beginnt eine Katastrophe. Er muss untertauchen, versteckt sich in einem Abbruchhaus und wird – ganz wie im berühmten Hitchcock-Film "Das Fenster zum Hof" – Zeuge eines Mordes an einer Prostituierten. Kodjo will helfen und kommt dem Mörder in die Quere. Der nun gehört zu einem Security-Unternehmen, dessen Methoden alle andere als legal sind. Zur Polizei kann Kodjo nicht und seine Verfolger kommen immer näher. Er muss um seine Leben rennen.

Berlin als bedrohliches Labyrinth

In Hochgeschwindigkeit – eines seiner Markenzeichen – jagt Max Annas uns mit Kodjo durch ein präzise beschriebenes und jederzeit erkennbares Berlin, das aber durch die Perspektiven dessen, der nicht wirklich Teil dieser Gesellschaft ist, zu einem fremden, bedrohlichen Labyrinth wird. Die Hautfarbe von Kodjo stellt ihn unter Generalverdacht. "Racial profiling", auch da, wo es nicht behördlich ausgeübt wird, bestimmt jeden Augenblick seiner Realität, es markiert unerbittlich und unüberschreitbar die Grenzlinie zwischen "drinnen" und "draußen", das große Thema von Max Annas.

Auch das riesige Berlin mit seinen subkulturellen Strukturen ändert daran letztlich nichts: Ausgrenzung ist unhintergehbar. Annas setzt diesen Umstand in Action um – und genau das ist immer schon die Stärke von gelungener Kriminalliteratur: Für gesellschaftliche Phänomene keine Thesen zu formulieren, sondern sie in Handlung und Dynamik umzusetzen. Das gelingt "Illegal" ganz großartig.

Max Annas: Illegal. Roman
Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2017
236 Seiten, 19,95 Euro 
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