Martin Kušejs "Maria Stuart" in Salzburg

    Politdrama mit feministischem Kern

    07:31 Minuten
    Bibiana Beglau als Elisabeth, Königin von England. Im Hintergrund 30 nackte Männer.
    Dreißig Männer bilden die Kulisse zum königlichen Kampf um die Macht. Maria Stuart und Elisabeth beanspruchen denselben Thron. © SF / Matthias Horn
    Michael Laages im Gespräch mit Eckard Roelcke · 14.08.2021
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    Es ist die erste "Maria Stuart"-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen überhaupt. Burgtheater-Intendant Martin Kušej konzentriert sich auf das Politische im Stück und bleibt dabei nah an Schillers Text. Unser Kritiker ist voll des Lobes.
    Das Besondere an dieser "Maria Stuart"-Inszenierung ist das lebende Bühnenbild, wie unser Kritiker Michael Laages nach der Premiere bei den Salzburger Festspielen berichtet. Es besteht aus dreißig nackten Männern, die meist in sechs Reihen jeweils zu fünft auf der Bühne stehen und ein "männliches Labyrinth" bilden.
    In diesem Irrgarten aus Männerleibern sind die beiden Widersacherinnen – Königin Elisabeth von England und Maria Stuart, Königin von Schottland – gefangen, es gibt kein Entrinnen. Ein starkes Bild, wie Laages meint, das aber auch einige im Saal überfordert und abgeschreckt habe, einige Besucher hätten die Premiere gleich zu Beginn verlassen.

    Politdrama aus lang vergangener Zeit

    In Martin Kušejs Inszenierung stehen die Intrigen am Hof im Vordergrund: Ränke schmiedende Männer, die Unlösbarkeit des Konflikts. Dabei bleibt er dicht am Text: "Es ist eine der konzentriertesten Schillerarbeiten, die ich seit Längerem gesehen habe", sagt Laages.
    Bibiana Beglau und Birgit Minichmayr seien die idealen Besetzungen für die Rollen der beiden um die Macht kämpfenden Königinnen, so Laages: "Zwei junge, nicht unbedingt auf ihre Verführbarkeit ausgerichtete Frauen, die ziemlich feministische Haltungen haben, obwohl die bei Schiller eigentlich natürlich noch gar nicht vorkommen."
    Das sei ein Kern des Stückes, aber nicht der einzige: "Die politische Ränkeschmiederei drum herum ist mindestens genauso wichtig. So wird das Stück eben nicht nur ein Frauendrama, sondern ein Politdrama aus lang vergangener Zeit. Aber manche der Ränkeschmiede von damals kennt man heute wieder."
    (ckr)
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