Markenschutz für "Männer LOL"

Wem gehört ein Hashtag?

05:49 Minuten
Ein Hashtag-Zeichen aus Pappkarton steht in einem Raum.
Hashtags: Wer sich prägnante Slogans ausdenkt, kann damit eine große Reichweite erzielen. © Unsplash/ Jan Baborak
Berit Glanz im Gespräch mit Ramona Westhof · 27.07.2022
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Der Hashtag "Männer LOL" ist nun eine geschützte Marke. Eine Initiative protestiert dagegen und hilft Menschen, denen Abmahnungen drohen, weil sie den Slogan weiter nutzen.
"Männer LOL", ursprünglich ein Hashtag, unter dem feministische Beobachtungen im Internet geteilt wurden, ist jetzt ein geschützter Markenname. Ein Unternehmen vertreibt unter diesem Label T-Shirts, Hüte und Ringe. Dass Slogans und Motive aus aktivistischen Bewegungen kommerziell verwertet werden, sei an sich kein neues Phänomen, sagt die Schriftstellerin und Social-Media-Expertin Berit Glanz.

Plötzlich hat eine Firma das Sagen

So habe es etwa auch beim Hashtag #WirSindMehr, der sich gegen Rassismus und Rechtsradikalismus richtete, den Versuch gegeben, den Slogan markenrechtlich schützen zu lassen. Als Beweggrund werde in solchen Fällen gern angegeben, dass man den Slogan gegen missbräuchliche Verwendung schützen wolle, zum Beispiel von Seiten rechtsgerichteter Gruppen, erklärt Glanz.
"Aber das lenkt natürlich davon ab, dass man dann plötzlich ein Unternehmen hat, was entscheidet, wie diese politisch oder aktivistisch aufgeladenen Slogans verwendet werden."

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Im Fall von "Männer LOL" regt sich nun Protest gegen die Vereinnahmung. Eine Initiative sammelt Geld, um Menschen zu unterstützen, denen Abmahnungen drohen könnten, wenn sie den Slogan weiterhin verwenden. Einer Künstlerin sei das bereits widerfahren, so die Initiatoren der Kampagne: Sie habe ein Projekt abbrechen müssen, mit dem sie unter Verwendung des Hashtags Geld für Frauen in Not sammeln wollte, und fürchte nun weitere juristische Konsequenzen.

An Memes beteiligen sich alle

Bei Hashtags und Memes stelle sich die grundsätzliche Frage nach dem geistigem Eigentum an kollektiv verwendeten Zeichen, Texten oder Praktiken, sagt Glanz. In aktivistischen Zusammenhängen sei es wichtig und richtig, dass die Personen, aus deren intensiver politischer Arbeit ein Hashtag oder ein Slogan hervorgegangen sei, klar benannt und nicht unsichtbar gemacht würden.

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Im Fall von Memes, die von vielen Menschen gemeinsam kreiert, variiert und geteilt werden, sei die Lage anders: "Da ist natürlich die Internetkultur ganz klar so, dass alle sich daran beteiligen und es sich falsch anfühlen würde zu sagen: Das ist dein Meme."
(fka)
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