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Fazit | Beitrag vom 15.02.2020

"Maria" am Maxim-Gorki-TheaterDer Chatroom ist ein Ort der Gnade

André Mumot im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Cigdem Teke und Vidina Popov während der Fotoprobe zu "Maria" auf der Bühne des Maxim Gorki Theaters. (Imago / Martin Müller)
Im Chatroom sieht die Welt besser aus als draußen im kalten Kapitalismus: Vidina Popov in der Titelrolle von Simon Stephens' Stück "Maria". (Imago / Martin Müller)

Eine 18-jährige Frau ist schwanger und muss sich allein durchschlagen − unter anderem als "Cam Girl", das gegen Geld Gespräche mit Fremden bietet. Die Premiere von Simon Stephens' "Maria" in Berlin ist berührendes und tiefgründiges Theater.

"Maria" ist ein neues Stück des britischen Dramatikers Simon Stephens über eine junge Frau am Rande der Gesellschaft − 18-jährig, schwanger, eine Umherirrende, die sich nicht unterkriegen lässt. "Auf den ersten Blick würde man wahrscheinlich sagen, Maria ist die klassische Verliererin", sagt unser Kritiker André Mumot. "Sie ist ein bisschen das Opfer dieser kalten kapitalistischen Gesellschaft, in der es immer nur um Geld und Erfolg geht. Sie kann sich da nicht so wirklich durchsetzen − und wird auch vor allen Dingen emotional nicht gestützt. Es gibt niemanden, der bereit ist, ihr zu helfen." Sie sei eigentlich allein.

Doch Maria ist auch eine Optimistin, die sich durchbeißt, obwohl es ihr wirklich nicht gut geht. Das Faszinierende an diesem Stück und auch in der Inszenierung von Nurkan Erpulat am Berliner Maxim-Gorki-Theater sei: "Dass diese junge Frau immer wieder zeigt, dass sie Stärke hat und dass sie auch stärker ist als viele Menschen in ihrer Umgebung."

Es geht in "Maria" um die Geburt eines unehelichen Kindes, aber auch um den neuen Job der jungen Mutter als Cam Girl, das sich von Fremden dafür bezahlen lässt, dass sie deren Geschichten im Video-Chat anhört und sich mit ihnen unterhält.

Wärmende Illusionen

Der Abend sei insofern eine Überraschung, lobt André Mumot, als die virtuelle Welt des Chattens, der sexuellen Bedürfnisse und der "Ersatzleben" nicht nur negativ dargestellt sei. Diese Welt sei nämlich auch "ein Rettungsort, ein Ort der Gnade", an dem Maria mit diesen fremden Menschen durch ihre Vorstellungskraft eine Art von Intimität herstelle − eine Scheinwelt, die der grausamen, beziehungsgestörten Realität eine Illusion entgegensetze, die doch auch eine gewisse Wärme und eine Notwendigkeit habe.

Das Ensemble des Maxim-Gorki-Theaters sei sehr gut, meint unser Kritiker, und Vidina Popov in der Hauptrolle "macht das wirklich fabelhaft, weil sie so eine Freude ausstrahlt". Insgesamt sei "Maria" ein poetisches, berührendes und tiefgründiges Theater-Erlebnis, so André Mumot, dem auch Bühnenbild und Musik – es wird viel gesungen – gut gefielen.

(cre)

"Maria" von Simon Stephens, Maxim Gorki Theater in Berlin, weitere Vorstellungen: 20. und 21. Februar, 20. März

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