Intendantenwechsel in Senftenberg

Manuel Soubeyrand blickt neugierig nach vorn

16:37 Minuten
Manuel Soubeyrand, Intendant der Neuen Bühne Senftenberg, sitzt im Zuschauerraum seines Theaters.
Die Erfahrungen der Pandemie machen seinen Abschied von der Neuen Bühne Senftenberg leichter, sagt Manuel Soubeyrand. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild / Patrick Pleul
Manuel Soubeyrand im Gespräch mit André Mumot · 25.06.2022
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Manuel Soubeyrands Intendanz an der Neuen Bühne Senftenberg endet mit der auslaufenden Spielzeit. Ein guter Grund, zurückzuschauen und Bilanz zu ziehen: "Die letzten Jahre waren weniger von der Kunst geprägt als von der Kunstabschaffung."
Manuel Soubeyrand führt ein bewegtes Theaterleben zwischen Ost und West. 1957, als er ein Jahr alt war, ist er von Köln nach Ost-Berlin übergesiedelt – mit seiner Mutter Brigitte, die dort mit Wolf Biermann zusammenlebte und erfolgreiche Theaterregisseurin war.
In der DDR hat er Melker gelernt – Fachbezeichnung Mechanisator. Dann studiert er Schauspiel, gehörte zum Team des Berliner Ensembles, wurde nach der Wende Schauspieldirektor und Chefregisseur in Chemnitz, dann Intendant an der Württembergischen Landesbühne Esslingen und 2014 Intendant der Neuen Bühne Senftenberg. Diese Intendanz endet nun mit der auslaufenden Spielzeit. Ein guter Grund, zurückzuschauen und Bilanz zu ziehen.

Die Pandemiefolgen machen den Abschied leichter

Soubeyrand spricht über die ambivalente Erfahrung der Wendezeit und darüber, wie sich das Theater insgesamt in schweren Zeiten behaupten kann. Jetzt – kurz vorm Abschied – schaut er mit ambivalenten Gefühlen auf die vergangenen Jahre. Es gebe bei ihm "ein bisschen Wehmut, ein bisschen Neugier auf das, was kommt“, sagt er.
„Ich gebe zu, dass Corona dabei geholfen hat, dass die Wehmut nicht ganz so groß wurde. Man muss ehrlich sagen, die letzten zwei Spielzeiten waren weniger von der Kunst geprägt als von der Kunstabschaffung und -verhinderung sowie Umstrukturierung. Das macht den Abschied etwas leichter."

Das Publikum bleibt weiter fern

Die Pandemie hat dabei auch alte Gewissheiten auf den Kopf gestellt, wie Soubeyrand erklärt. „Dieser Kinderglaube, der so zu Anfang des zweiten Lockdowns entstand – also: Theater ist unverzichtbar, und die zum Teil putzigen Begriffe, die da kursierten – das stimmte alles nicht, das haben wir sehr schmerzhaft erfahren."
Die Herausforderungen seien seit damals nicht kleiner geworden." Jetzt, wo Corona vorbei ist und die Türen wieder aufgehen, strömt das Publikum eben nicht mit einer Selbstverständlichkeit herein. Warum nicht? Weil uns viele Sorgen plagen, die Inflation, die steigenden Preise für Energie und Lebenshaltungskosten. Das ist so ein kompliziertes Feld, dass man sich sehr wohl überlegen muss, dass das alles keine Selbstverständlichkeit ist."

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