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Lesart / Archiv | Beitrag vom 25.07.2019

Manu Chao: "Clandestino"Klare Botschaft: Kein Mensch ist illegal!

Von Gesa Ufer

Manu Chao bei einem Konzert in Hamburg am 10.06.2015 in Hamburg. (picture alliance / Jazz Archiv / Isabel Schiffler)
Manu Chao bei einem Konzert in Hamburg am 10.6.2015 (picture alliance / Jazz Archiv / Isabel Schiffler)

Manu Chao liefert den Soundtrack zu linken Demonstrationen auf der ganzen Welt. 20 Jahre nach seiner ersten Solo-Platte "Clandestino" hat der spanisch-französische Musiker den Titeltrack neu aufgenommen. Der Text des Songs ist aktueller denn je.

Aus dem Stimmen-und Geräuschegewirr einer Großstadt schält sich immer deutlicher die Stimme des Clandestino, des Flüchtlings ohne Papiere, des Illegalen, den hier keiner will.

"Ich bin allein mit meinem Leid, verurteilt zur Einsamkeit. Weglaufen ist mein Schicksal, um das Gesetz zu hintergehen. Verwirrt im Herzen, vom großen Babylon."

Auch wenn seine Eltern vor dem spanischen Franco-Regime nach Paris flüchteten: Manu Chao selbst war immer ein Privilegierter. Er, der in einer mehrsprachigen Künstler- und Intellektuellenfamilie aufwuchs, war schon mit seiner Band "Mano Negra" Anfang der 90er-Jahre zu einer der Stimmen der Entwurzelten und Entrechteten dieser Welt geworden. Der Song "Clandestino", den die großen französischen Privatradiostationen anfangs nicht spielen wollten, zementierte diesen Ruf.

Afrikanische Arbeiter als moderne Sklaven

"Ich ging in eine Stadt im Norden um zu arbeiten. Mein Leben habe ich zwischen Ceuta und Gibraltar gelassen. Ich bin ein Flecken im Meer, Ein Gespenst in der Stadt. Mein Leben ist verboten, sagen die Behörden."

"Kein Mensch ist illegal". Dieser Satz, den zum ersten Mal Elie Wiesel 1988 gesagt haben soll, wurde zum geflügelten Wort und zu einem politischen Slogan, der in Deutschland 1997 auf der Documenta X ein riesigen Netzwerk begründete. Innerhalb weniger Wochen schlossen sich tausende Einzelpersonen und über 200 Gruppen zusammen, um Flüchtlinge und Migranten bei ihrer "Ein- und Weiterreise zu unterstützen".

Manu Chao zählt einige dieser Wanderer zwischen den Welten auf:

"Mano Negra", so hieß auch die Band mit der Manu Chao Anfang der 90er-Jahre berühmt wurde. Der Name – Schwarze Hand – steht für die tausenden afrikanischen Arbeiter, die illegal auf den spanischen Feldern und Farmen arbeiten, die weder soziale Absicherung noch Arbeitnehmerrechte haben, von ständiger Abschiebung bedroht sind und oft leben wie moderne Sklaven. Diese Clandestinos – das soll den Hörern seiner Songs klar werden – machen das spanische Obst und Gemüse für uns Konsumenten so günstig.

Song schaffte Aufmerksamkeit für Geflüchtete

Manu Chao war einer der ersten, der auf das Leid der Clandestinos aufmerksam machte. Inzwischen haben eine ganze Reihe Geflüchteter, Clandestinos oder Sans Papiers selbst zu ihrer Stimme gefunden

In Deutschland erzählt Abbas Khider zum Beispiel in seinem Roman "Der falsche Inder" über seine jahrelange Flucht und Odyssee, Carlos Spottorno und Guillermo Abril schildern in ihrer erschütternden Graphic Novel "Der Riss" mithilfe von Protokollen und nachkolorierten Fotos, die Dramen, die sich derzeit an den Grenzen der Festung Europa abspielen.

In der neuen Fassung des Songs "Clandestino" erweitert die fast 80 Jahre alte Kult-Sängerin Calypso Rose aus Trinidad den Text auf ihre Weise.

"Das Land vor mir will mich nicht, das Land hinter mir brennt" singt die Musikerin, die sich musikalisch ihren Platz in der Männerdomäne des Calypso erst erkämpften musste und sich ihrerseits seit Jahrzehnten für die Ausgegrenzten einsetzt.

Manu Chaos "Clandestino" ist innerhalb dieser Zeit nur noch aktueller geworden.

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