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Fazit | Beitrag vom 02.04.2021

Maler Christopher LehmpfuhlDer Berliner Schlossplatz in 126 Bildern

Christopher Lehmpfuhl im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Das Gemälde "Schlossplatz August 2020" von Christopher Lehmpfuhl. (Uwe Walter / mit freundlicher Genehmigung von Christopher Lehmpfuhl)
Eine Art Zeitraffer strebt Christopher Lehmpfuhl mit seinen Gemälden aus zwölf Jahren an. Hier ist mit "Schlossplatz August 2020" eins der zuletzt entstandenen Bilder zu sehen. (Uwe Walter / mit freundlicher Genehmigung von Christopher Lehmpfuhl)

Christopher Lehmpfuhl hat den Wandel des Schlossplatzes in Berlin zwischen 2008 und 2020 in Ölbildern festgehalten. Dabei wollte er anfangs nur ein einzelnes Bild malen, erzählt der Künstler. Passanten sprechen ihn bei der Arbeit häufig an.

Zwischen 2008 und 2020 saß der Maler Christopher Lehmpfuhl unter freiem Himmel auf dem Berliner Schlossplatz, am Spreeufer und vor dem Dom. Er malte in dieser Zeit 126 Bilder, die den Wandel des Platzes festgehalten haben. Diese sind nun in einem Bildband versammelt. Das einzigartige Zeitdokument war so aber gar nicht geplant, sagt Lehmpfuhl.

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Eigentlich habe er nur ein einziges großes Bild malen wollen. Er habe die neuen Blickachsen, die 2008 am Schlossplatz durch die Bauarbeiten und die übrig gebliebenen Treppentürme des Palastes der Republik entstanden seien, in einem großen Gemälde festhalten wollen.

"Ich war mir gar nicht darüber im Klaren, auf was ich mich da einlasse, weil der Rückbau der Treppentürme begann ja erst. Und dann habe ich gesehen, da kommen die ganzen Bagger an. Da habe ich gesagt: Das muss ich jetzt auch festhalten. Dann bin ich da fast einmal die Woche hingefahren und habe das gemalt." Das Thema sei für ihn wegen seiner Aktualität besonders reizvoll gewesen.

Gespräche mit Passanten während des Malens

Das Malen im freien Raum sei für die meisten Menschen ein Hingucker, sagt Lehmpfuhl. "Wenn man dann noch am Schlossplatz malt, wo viele Leute passieren und fotografieren, dann gibt es automatisch ein Gespräch. Man konfrontiert Menschen mit Kunst, die vielleicht gar nicht in ein Museum gehen würden. Das finde ich an der Sache sehr spannend, weil die Begeisterung kommt von den kleinsten Kindern, die im Kinderwagen sitzen bis zu Senioren, Museumsleuten und über alle Generationen. Es ist wirklich faszinierend."

Das Gemälde "Schlossplatz August 2014" von Christopher Lehmpfuhl. (Florian Selig / mit freundlicher Genehmigung von Christopher Lehmpfuhl)Ausschnitt aus dem Bildband "Schlossplatz im Wandel" von Christopher Lehmpfuhl: "Schlossplatz August 2014" (2014, Öl auf Leinwand, 180x240cm) (Florian Selig / mit freundlicher Genehmigung von Christopher Lehmpfuhl)

Spannend bei der Arbeit fand Lehmpfuhl zudem, dass die Situation, die er malte, sich stetig veränderte und abends eine andere war als am Morgen, da die Bauarbeiten voranschritten. "Das ist es, was diesen Zyklus so auszeichnet. Ich habe immer wieder Momente gehabt, wo ich gedacht habe: So, jetzt ist es fertig, aber dann ging das immer weiter, und ich habe gedacht: Dann agiere ich jetzt hier wirklich als Chronist und bin im Gegensatz zu vielen anderen Momenten in meiner Malerei punktgenau."

Veränderungen des Platzes sichtbar machen

Heutzutage wisse bespielsweise kaum jemand noch etwas über die Temporäre Kunsthalle dort. "Ich habe den Aufbau dieser Kunsthalle gemalt und auch ihren Abriss. Das war schon skurril, aber das macht mir Spaß. Und ich wollte eben, dass diese Veränderung sichtbar wird. Wenn ich immer wieder an dieselben Stellen zurückgehe, dann ist das ein bisschen wie eine Art Zeitraffer."

Christopher Lehmpfuhl malt im Lustgarten an einem Bild mit dem Berliner Dom. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)Christopher Lehmpfuhl malt im Lustgarten an einem Bild mit dem Berliner Dom. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

So wie manche Fotografen mit fest montierten Kameras Veränderungen teilweise im Minutentakt dokumentierten, versuche er dies mit den Mitteln der Malerei zu tun, sagt Lehmpfuhl.

(rja)

Christopher Lehmpfuhl: "Schlossplatz im Wandel – in Transition"
Prestel Verlag, 39 Euro

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(Deutschlandfunk Kultur, Profil, 16.12.2008)

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