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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 05.04.2016

Maker Faire Ruhr in Dortmund "Bastler" war früher - "Maker" ist jetzt

Von Thomas Wiethoff

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Schloss Neuschwanstein aus Marzipan: Das Team des Freisinger Start-ups Print2Taste hat die Süßspeise mit dem 3D-Drucker "Bocusini" in Form gebracht. (picture alliance / dpa)
Mit 3D-Druckern lässt sich vieles herstellen - z.B. Schlösser aus Marzipan. (picture alliance / dpa)

Bastler - so heißen Menschen, die gerne rumschrauben, Sachen herstellen, reparieren und oft Technik mögen. Modern ist nun von "makern" die Rede. Die gerade in Dortmund abgehaltene "1. maker faire Ruhr" zeigt: Die Technik ändert sich - die Neugier ist dieselbe.

Ein sprechender Roboter auf der "1. maker faire ruhr" in  Dortmund. Aber was sagt er denn?

"Er gibt Funktionen wider, die er ausführt, wenn er jetzt ein Hindernis erkannt hat, und diesem ausweichen muss dann sagt er: Wand erkannt ich fahre rechts lang."

An der Aussprache könnte man noch arbeiten. Das gibt Kay Küstermann vom Makerspace der Hochschule Niederrhein in Krefeld zu. Makerspace! Das sind Werkstätten für Jedermann, Universitäten, Schulen aber auch Vereine bieten an, Werkbänke, Löt-Stationen, Drucker und Fräsen gemeinsam zu nutzen Das unterscheidet den "Maker" vom Bastler: Nicht im Keller vor sich hin prötteln - sondern sich gegenseitig helfen. Sich vernetzen. Am besten schon in jungen Jahren. Als Kind.

"Im Leben werden wir in Zukunft immer mehr Technik begegnen, und da ist es sinnvoll, dass man die Kinder recht früh mit der Technik vertraut macht. Und je früher die Kinder sich mit der Thematik auseinander setzen, desto einfacher werden sie es später haben, sich überhaupt damit zu identifizieren, oder in der Wirtschaft  Jobs zu finden, Beruf zu wählen, der dann mit dieser Thematik zu tun hat."

Ein paar Meter weiter sitzen sie schon: Die Ingenieure und Techniker von morgen.

"Wir bauen hier Bibberiche. Das sind Geräte die durch Vibration von dem Rotor sich bewegen."

Keine Baupläne für die Kinder – die sollen kreativ sein

Joshua, 12 Jahre, und Justus, zehn, aus Wülfrath bauen "Bibberiche". Die sehen aus wie Handteller-große Insekten. Sechs Beine aus Draht, eine Batterie, ein Elektromotor bringt das künstliche Insekt zum Zittern Zucken und  Springen

"Löten kann man da hinten, aber das ist nicht gelötet, sondern ich hab das einfach verdreht. - wenn man lötet hält es besser und ist stabiler.

Und wie das geht, das zeigen sie den anderen Kindern gern.

"Uns ist wichtig dass die Kinder das selbst machen und es keinen Bauplan gibt, das wir nicht sagen mach das so und so, sondern dass die kreativ sind und das selber machen."


Selbst etwas ausdenken und das mit anderen teilen, also zeigen, wie es geht, auch das gehört dazu, wenn man ein maker sein will. So machen es auch Thomas Laubach (KRE) und Michael Roßkopf (BO). Zwei Maker mit der eigenen Internetseite Mithotronic.de und einem Stand, der piept und bunt leuchtet.

In schuhkartongroßen Holzkisten stecken selbstgebaute Bildschirme. Die bestehen aus Leuchtdioden mit 32 mal 32 Bildpunkten. Und darauf laufen Computerspiele von anno dazumal.

"Das sind unsere selbst gebauten Spielkonsolen, und da kann man verschiedene Spiele spielen. Wir ham 'ne Anleitung auf unserer Webseite, da ist ne Stückliste da kann man sich anschauen wie das aufgebaut wird und da stellen wir unsere Spiele zur Verfügung. also wir haben eigene Ideen eingebracht, die ham aber auch Elemente, die einem vertraut vorkommen. beispielsweise pacman, da vorne space invaders, bekanntes Spiel aus den 80er Jahren. Das machen wir so neben unserer Arbeit, neben unserem Broterwerb."

Etwas technischer, oder theoretischer, wird es beim 3D-Druck. Gegenstände einfach ausdrucken, ist in den letzten Jahren so eine Art Symbol für die Szene geworden. Auf der maker faire gibt es einen Workshop.

Stundenlanges Warten für den 3D-Druck-Kurs

Kai und sein Sohn Tim sitzen vor einem kleinen Laptop und auch sie lassen sich etwas zeigen. Wie man den 3D-Drucker programmiert. Das fanden die beiden so interessant, dass sie stundenlang gewartet haben. Weil:

Kai: "Ich erschaffe, wo vorher nichts war. Ich habe eine Idee, die gebe ich in einen Computer ein, drücke auf den Knopf und am Ende kommt das raus, was ich mir überlegt habe."

Till: "Als allerersten probiere ich aus, welche Möglichketen man hat, das meiste kann man nach der Phantasie machen, wie man möchte"

Oliver Stickel vom "Fab Lab Siegen" leitet den Workshop. Und freut sich, dass der sehr gut ankommt.

"Ich glaub, die Leute fasziniert es einfach zu sehen, wie Stück für Stück in einem 3D-Drucker Lage für Lage ein Modell entsteht, das packt die Leute daran, dass sie eigene Produkte,  individuellere Produkte für sich gestalten wollen und es ist saumäßig spannend zu sehen. Das schöne ist: es könnte jeder hergehen und sich aus 'nem Stück Metall etwas feilen, das braucht aber relativ viel Ausbildung. Das hat ja einen Grund, das eine Schlosser-Ausbildung ihre Zeit braucht, ein 3D Drucker ist aber relativ einfach zu bedienen."

Häuschen, Bäumchen und merkwürdige abstrakte Gebilde sind entstanden. Kay und Till haben einen 3D- Zauberstab à la Harry Potter entworfen, haben aber zum Ausdruck selbst jetzt keine Zeit mehr.

"Wir wünschen uns so einen 3D-Drucker zu Weihnachten, da müssen wir noch ein paar Weihnachten warten, so um 3.000 Euro liegt das wohl, hab ich mir sagen lassen, und ich denke dann lebe ich noch ein bisschen mit meiner Play Station."

 Wenn jeder einen 3D Drucker hat, wird das die Welt verändern, heißt es in der Maker-Szene. Ob das jemals so weit kommt, weiß keiner. Aber: Die Szene wächst. Ganz vorn dabei sind die USA und China. Aber auch in Deutschland findet man in vielen mittleren und großen Städten schon "maker-spaces".

Das Wissen der maker ist für alle öffentlich

Und es gibt die Zeitschrift "make", die über die Szene berichtet und neue Ideen und Anleitungen veröffentlicht. Auflage: 24.000 - und steigend. Rund 50.000 Menschen haben im vergangenen Jahr in Deutschland eine "maker faire" besucht. Chefredakteur Daniel Bachfeld glaubt: Immer mehr Leute wollen ihr Leben wieder - wenigstens ein bisschen mehr - selbst in die Hand nehmen.

Bachfeld: "Das Selber-Herstellen und nach meine Bedürfnissen herzustellen, dass es passt und dass ich es unter Kontrolle habe. Man bekommt ja heutzutage viele Sachen einfach vorgesetzt vom Hersteller  mit irgend nem Gerät wo man sagt: So passt mir das nicht und einfach der Bedarf, Sachen so zu basteln, wie man es selber gerne hätte. Und sich das Wissen dafür anzueignen. Und dann am Schluss da zu stehen: Guck mal das hab ich gebaut  das macht was ich will. Das ist das was die maker größtenteils antreibt. Das Auto-Didaktische, das Erschaffen von etwas, und das dann anderen Leuten zu zeigen und sie zu inspirieren."

Und eben nicht, wie ein kommerzielles Unternehmen, alles für sich zu behalten. Das heißt: Es gibt Maker, die ihre Produkte verkaufen. Aber das Wissen darüber, das ist für alle öffentlich.

"Es ist meistens so dass die Leute trotzdem die ganzen Informationen über ihr Projekt zur Verfügung stellen Und die Leute können sich dann entscheiden: Baue ich das jetzt selber nach oder kaufe ich den Bausatz oder das fertige Gerät von dem maker. So dass man die Wahlfreiheit hat: ich setz' mich zwei Wochen hin und löte das oder ich kaufe das fertige Gerät. Der ganze Kommerzialisierungs-Aspekt ist zwar da, aber er ärgert die Leute nicht, weil sie immer noch die Wahlfreiheit haben."

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