Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
Samstag, 08.05.2021
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.11.2020

Mäzen Peter Raue zum Kultur-Lockdown"Nicht durchdacht" bis "hirnlos"

Peter Raue im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Der Kunstsammler und Rechtsanwalt Peter Raue. (picture alliance/dpa/Soeren Stache)
Kunstliebhaber und Anwalt Peter Raue hält nichts von den erneuten Schließungen der Kultureinrichtungen. (picture alliance/dpa/Soeren Stache)

Der Berliner Rechtsanwalt und Kulturmäzen Peter Raue glaubt, dass es Klagen gegen den Kultur-Lockdown geben wird. Man habe "die Falschen eingesperrt". Außerdem gebe es keine Sicherheit, dass durch die Maßnahmen eine Besserung der Lage eintritt.

In seiner Kanzlei bekomme er zurzeit viele Anfragen, was man eigentlich in der aktuellen Lage tun könne, sagt der Berliner Anwalt Peter Raue. "Die Verunsicherung, die Empörung, die Wut, die Hoffnung, dass man bei Gericht das Recht, das sie verloren haben, wiederbekommt, die sind schon sehr groß bei den Künstlern und Künstlerinnen."

Staatstheater und -opern können nicht klagen

Gegen die Maßnahmen klagen könnten allerdings nur Privattheater oder Privatveranstalter, so Raue. Große Theater, Opern und Konzerthäuser seien im Wesentlichen staatliche Einrichtungen. "Sie können praktisch nicht gegen ihren eigenen Staat klagen." Ein Problem sei zudem, dass sich die juristischen Verfahrensweisen in den einzelnen Bundesländern zum Teil unterscheiden.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Wenn alle Voraussetzungen gegeben seien, könne jedoch in einem Eilverfahren "oft in wenigen Tagen" entschieden werden. Dabei sei es völlig egal, ob eine Einzelperson Klage einreiche oder eine Gruppe. "Wenn jemand sagt, ich bin in meinen Grundrechten – Kunstfreiheit, Kunstfreiheitsausübungsrecht – verfassungswidrig beschränkt, und er hat damit recht, dann kann auch der Einzelne gewinnen."

Maßnahmen treffen die Falschen

Die Maßnahmen verfehlten ihr Ziel, sagt der Kunstliebhaber, und würden daher auch keinen Erfolg zeigen: "Dass das in einem Monat zu Ende ist, das glaubt nur Herr Söder in seinen öffentlichen Erklärungen." Es gebe "gar keine Sicherheit, noch nicht einmal eine hohe Wahrscheinlichkeit", dass durch die aktuellen Regelungen, "wo Shoppingmalls, Märkte und alles offen und nur die sicheren Theater geschlossen sind", eine wirkliche Besserung der Lage eintreten werde.

Man habe genau die Falschen eingesperrt, so Raue. "Das ist alles – mit Verlaub gesagt und ganz vorsichtig formuliert – nicht durchdacht. Man kann es auch als hirnlos bezeichnen."

(kpa)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsFliegen ist okay - Theater nicht!?
Eine Frau sitzt mit einer FFP2-Maske in einem Flugzeug am Fenster. (imago-images / Christian Offenberg)

Die "Süddeutsche" kann nicht verstehen, warum ein Theaterbesuch unter Pandemieaspekten eine gefährlichere Unternehmung sein soll als eine Flugreise. Schließlich gebe es im Theater viel mehr Kubikmeter Luft als in der Enge eines Flugzeugs.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur