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Nachspiel | Beitrag vom 24.03.2019

Mädchen im EishockeyGegen die Vorurteile auf dem Eis

Von Heinz Schindler

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Torszene aus einem Spiel der Eishockey-Bundesliga der Frauen: Alyssa Mae Wohlfeiler (Bergkamen) im Duell mit Torhüterin Emma Schweiger (Memmingen) (dpa / picture alliance / nordphoto / Hafner)
Eines Tages könnten einige der Königsborner Mädchen hier spielen: beim EC Bergkamen in der Frauen-Eishockey-Bundesliga. (dpa / picture alliance / nordphoto / Hafner)

Gegen die Bande knallen und den Gegner rammen: Eishockey gilt vielen noch als durch Wucht und Gewalt bestimmt - und damit als Männersport. Dass es so nicht sein muss, zeigt ein Jugend-Eishockeyclub in Westfalen.

Helm, Schläger, Handschuhe, Laufstil – wer den Nachwuchs beim Königsborner Jugend-Eishockeyclub spielen sieht, der bemerkt keinen Unterschied, ob da nun Mädchen oder Jungen unter der Montur stecken. Dabei sind etwa ein Drittel der 150 Mitglieder weiblich – Lina, Lilly, Ariane und Sina sind vier von ihnen und erzählen, wie sie zum Eishockey kamen. 

"Ich war auf einem Markt, da konnte man halt eislaufen und dann haben die mich auf Eishockey hingewiesen. Dann haben die uns 'n Flyer gegeben." – "Dadurch, dass mein Papa auch Eishockey spielt, bin ich halt auch immer mit da hingekommen und hab' mir das angeguckt und sobald es passende Schlittschuhe gab, bin ich auch mit aufs Eis gegangen." – "Ich war in Unna in der Laufschule, da hab' ich halt zu meinen Eltern gesagt, ich will das auch mal ausprobieren." – "Und dann hat meine Mutter mir Schlittschuhe gekauft und dann wollte ich das halt mal mit der Eishockey- Ausrüstung probieren. Dann habe ich das auch geschafft, jetzt macht's mir immer noch Spaß."

Der Vater sagt: "Ich habe geschluckt"

Dieser Spaß gab dann auch für Dirk Kimpel den Ausschlag, dem Drängen seiner Tochter nachzugeben und sie beim Eishockey anzumelden.

"Also ich habe erstmal geschluckt. Wir haben auch ein, zwei Tage uns Bedenkzeit ausgenommen. Also auch meine Frau hat dann gesagt, ihr seid komplett verrückt. Und wir haben dann diese Probezeiten gemacht und da war selbst also ihre Großmutter dann dabei und die hat dann gesagt: Du gehst jetzt und kaufst jetzt sofort eine Ausrüstung!"

Mittlerweile ist seine ganze Familie eishockey-begeistert und Dirk Kimpel hat den Vorsitz des Vereins übernommen, nachdem die Eishalle in Unna geschlossen wurde. Ihm und dem Vorstand ging es darum, den Kindern ihre Eiszeiten zu erhalten. Das gelang im acht Kilometer entfernten Bergkamen.

Manchmal spotten die Freunde

Da man so früh wie möglich mit der Laufschule beginnt, haben selbst zwölfjährige Spielerinnen schon sechs oder sieben Jahre Eis-Erfahrung. Doch so selbstverständlich es für die Mädchen ist auf dem Eis zu stehen, so überrascht fallen immer noch die Reaktionen im Freundeskreis aus.

"Also erst kommt so`n komischer Blick rüber. Ja, weil die halt denken, Mädchen können nichts." - "Bei mir haben alle sehr komisch reagiert. 'Häää? Ein Mädchen und Eishockey? Passt nicht' " - "Die fanden das cool und wollten auch mal zugucken kommen." - "Die gucken dann erstmal total blöd, weil ich halt 'n Mädchen bin. Und die denken halt, Mädchen können nichts, Mädchen sind schwach. Und dann denke ich mir so: Nein! Ich spiele Eishockey, also heißt das, ich bin nicht schwach."

"Die Mädchen sind voll integriert"

Sicherlich braucht es Überwindung, wenn trainiert wird, wie man gegen die Bande fährt ohne sich dabei weh zu tun. Bis zur Altersstufe U13 ist auch noch kein Körperkontakt im Spiel erlaubt. Dennoch macht der etwas raue Eishockeysport die Mädchen auch im "richtigen" Leben stark, meint Königsborns Jugend-Obfrau Britta van Lossen.

"Die Mädchen sind hier voll integriert, die laufen genauso schnell, die haben die Technik genauso drauf. Manchmal sind sie auch körperlich den Jungs angeglichen. Ich denke, das gibt schon sehr viel Selbstbewusstsein auch in einem normalen Leben. Wenn dann auch ein Mädchen mal sagen kann: Du, pass' auf, ich spiele Eishockey, also ich weiß, wovon ich rede."

Unter sich sind die Mädchen beim Sichtungstraining des Landesverbandes, das alle vier Wochen stattfindet. In den Vereinen aber sind gemischte Mannschaften die Regel. Wobei die Relation zwischen Jungen und Mädchen in den jüngeren Jahrgängen immer ausgeglichener ist.

Die Mädchen sollen nicht gehemmt sein

"Wir sind am Anfang unserer neuen Laufbahn in dieser neuen Halle und versuchen natürlich auch demnächst gezielt auf Mädchen zuzugehen und die diesem Sport zuzuführen. Vielleicht einfach nur so ein Girls Day auf dem Eis. Dass wirklich nur Mädchen hier sind. Wenn die dann den Sport noch nicht kennen, damit sie keine Hemmungen haben brauchen, weil irgendwie Jungs dabei sind, die vermeintlich stärker sind. Und die sollen sich hier mal mit dem Eishockey beschäftigen."

Das mag im Königsborner Jugend-Eishockeyclub auch deshalb ein wenig leichter fallen, weil die einzige Mannschaft im Seniorenbereich die der Frauen ist, vermutet der erste Vorsitzende Dirk Kimpel.

"Ich glaube schon, dass die Mädels auch sehen, was nach ihrer U-11-, U-13- Sache im Endeffekt dann kommt. Man arbeitet dann ja auf etwas hinzu."

Denn die Damenmannschaft, die viertklassig in der Bezirksliga spielt, braucht früher oder später junge Kräfte. Und der EC Bergkamen, mit dem sich die Königsborner die Halle teilen, spielt in der Frauen-Bundesliga.

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