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Fazit | Beitrag vom 14.03.2021

Machtmissbrauch in der TanzszeneEnsembles ähneln dysfunktionalen Familien

Dorion Weickmann im Gespräch mit Gabi Wuttke

Tänzerinnen eines russischen Balletts bei einem Gastspiel in Bogotá 2020 (picture alliance / NurPhoto / Vanessa Gonzalez)
Anstrengende Arbeit im Corps de Ballet: Bei Tänzerinnen und Tänzern soll in der Ausbildung verstärkt auf psychische Gesundheit geachtet werden, berichtet Dorion Weickmann. (picture alliance / NurPhoto / Vanessa Gonzalez)

Die Tanzwelt ist im Umbruch. Bislang für sakrosankt gehaltene Werte kommen auf den Prüfstand. Dabei gehe es auch um fragwürdige Ausbildungsmethoden, sagt die Tanzkritikerin Dorion Weickmann.

Gefährdung des Kindeswohls durch physische und emotionale Gewalt, sexuelle Grenzüberschreitung sowie Vernachlässigung der Fürsorge und Aufsichtspflicht. Mit diesen Worten wurden vor gut einem Jahr die Zustände an der Staatlichen Ballettschule in Berlin beschrieben.Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)Der Dachverband Tanz, die Interessensvertretung der deutschen Tanzszene, will zum Sommer eine Ethikkommission ins Leben rufen, und schon am Sonntag wurde im Rahmen eines online ausgerichteten Tanzmedizinkongresses über "Ethik und Gesundheit" diskutiert.

Verdrängung, Übergriffigkeit und Aggression

"Man hat verstanden, dass Tänzer und Tänzerinnen nur dann wirklich Höchstleistung bringen können, wenn sie gesund sind. Und gesund bedeutet eben nicht nur, dass sie physisch gesund sind, sondern dass sie vor allem auch psychisch gesund sind", sagt die Tanzkritikerin Dorion Weickmann, die an dieser Online-Konferenz teilgenommen hat.

Balletttänzerinnen in einer weiteren Szene von „La Bayadère“ – diesmal im Michailowski-Theater in Sankt Petersburg. (picture alliance/dpa/TASS | Alexander Demianchuk)Balletttänzerinnen in einer weiteren Szene von „La Bayadère“ – diesmal im Michailowski-Theater in Sankt Petersburg. (picture alliance/dpa/TASS | Alexander Demianchuk)
Eine Erkenntnis lautet: Theater- und vor allem Tanzensembles funktionieren häufig wie dysfunktionale Familien, das heißt: Verdrängung, Übergriffigkeit und Aggression sind keine Seltenheit. "Und das ist eben etwas, was sich in den Körper einschreibt und sehr lange auch erhalten bleibt. Und daran sollte sich unbedingt etwas ändern", so Weickmann.

Verantwortung für sich selbst übernehmen

Die Tanzabteilung der Münchner Hochschule für Musik mache es vor. Sie habe sich ein neues Ausbildungskonzept gegeben:

"Dieses Ausbildungskonzept ist wirklich sehr, sehr fortschrittlich, insofern es eine Lehre auf Augenhöhe, ohne Drill, auf den neuesten psychologischen und physiologischen Erkenntnissen aufsetzend, fordert - und diese auch versucht umzusetzen. Das ist schon ziemlich großartig."

Doch auch die Tänzerinnen und Tänzer "haben natürlich eine Verantwortung für sich selbst", sagt Weickmann. "Das heißt, sie müssen den Mund aufmachen, sie müssen Kritik üben und sie können sich nicht einfach als Opfer gerieren."

(ckr)

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