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Fazit | Beitrag vom 19.09.2019

LOVE-Storm: App gegen Hass im NetzMobilisieren zum Kommentieren

Björn Kunter im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Gestellte Aufnahme zum Thema Mobbing in sozialen Netzwerken. Neben dem "Gefällt mir Button" von facebook sind die Worte "Du Opfer" zu sehen. (imago/photothek)
Mit der "LOVE-Storm" App will Björn Kunter verhindern, dass sich Menschen bei Hasskommentaren im Internet hilflos und alleine fühlen. (imago/photothek)

Hassbotschaften gefährden die Meinungsvielfalt im Internet und vergiften das gesellschaftliche Klima. Mit der LOVE-Storm App will der Entwickler Björn Kunter das Melden von Hassangriffen vereinfachen und das Schweigen brechen.

"Für uns ist wichtig, dass Leute nicht allein sind - die Betroffenen, aber auch die, die auf den Hass reagieren wollen", erklärt Björn Kunter die Idee hinter dem Projekt "LOVE-Storm: Gemeinsam gegen Hass im Netz". Mit der App kann man schnell per Meldeformular geschulte Helfer alarmieren, die den Angegriffenen oder auch denen, die den Hass nicht unkommentiert lassen wollen, zur Seite stehen. 

Das entscheidende Gefühl: Ich bin nicht allein

Kunter ist der kreative Kopf von LOVE-Storm und entwickelte das Projekt vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen als Betroffener. "Wenn ich jetzt auf Hass reagieren will, dann bin ich nicht alleine, sondern ich habe drei, vier, fünf Leute, mit denen kann ich agieren, mit denen kann ich mich austauschen. Und wenn ich dann selber ein bisschen überrascht bin, geschockt bin, dann kann ich die Leute fragen. Ich bin einfach nicht allein. Das ist ein ganz entscheidendes Gefühl." 

Björn Kunter sitzt im Radiostudio vor einem Mikrophone. (Vladimir Balzer)Wer im Netz mit Hass konfrontiert wird, erhält einen "LOVE-Storm" durch die Meldung in der App in Form von Unterstützung in der Widerrede gegen die negativen Kommentare, erklärt App-Entwickler Björn Kunter. (Vladimir Balzer)

Björn Kunter engagiert sich seit den 90er-Jahren als Trainer für Zivilcourage und gewaltfreie Bewegungen weltweit. Unter anderem entwickelte er das Konzept der "Aktiv gegen Rechts"-Großtrainings und förderte als Geschäftsführer des Bundes für Soziale Verteidigung die Verbreitung des No-Blame-Approach gegen Mobbing. Der Unterschied zwischen einer Konfliktberatung offline und online ist für ihn ganz klar: "Ein Unterschied ist einmal im Niveau der Gewalt. Auf der anderen Seite sieht man die Angegriffenen, die Opfer und das Leiden auch nicht so sehr. Man sieht die Gefahr nicht so sehr."

Nicht-Kommentieren fördert den Vandalismus im Netz

Das große Problem dabei sei das Schweigen der Freunde oder des Umfelds. Gerade Jugendliche, die sehr stark abhängig seien vom Fremdbild, von der Clique, von der Peergroup, seien zutiefst erschüttert, wenn niemand reagiere. "Wieso schweigen die Freunde? Habe ich überhaupt noch Freunde? Glauben die das auch? Da ist es vollkommen unerheblich, ob das ein Bot oder ein Fakeprofil ist." Deswegen stünde an erster Stelle das Stärken der Angegriffenen und das Mobilisieren der Zuschauenden. Erst an dritter Stelle stünden die Angreifer. 

In den USA gebe es die Broken-Window-Theorie: "Wenn in den USA in manchen Stadtteilen ein Auto steht und da wird eine Scheibe eingeschlagen, dann wird schnell das Auto ganz demoliert. Und genauso ist es im Netz auch. Wenn wir solche Kommentare unkommentiert lassen, fördern wir sozusagen den Vandalismus im Netz. Diese Räume, die nicht moderiert werden, in denen so etwas einfach stehen gelassen wird, die verwahrlosen. Und bevor es soweit kommt, möchte ich eingreifen."

(kpa)

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