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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 27.10.2020

Literaturagentin Karin GrafEine Geburtshelferin für gute Bücher

Moderation: Katrin Heise

Porträt von Karin Graf. (Tagesspiegel / Doris Spiekermann-Klaas)
An der Seite ihrer Autorinnen: Durchschnittlich ein Manuskript liest die Literaturagentin Karin Graf jeden Tag. (Tagesspiegel / Doris Spiekermann-Klaas)

Karin Graf begann vor 25 Jahren mit einem kleinen Start-up. Heute betreut ihre Agentur „Graf & Graf“ 250 Autorinnen und Autoren. Mit der Gründung der ersten Literaturagentur in Deutschland hat Karin Graf den Buchmarkt nachhaltig verändert.

Sie als leidenschaftliche Leserin zu bezeichnen, ist fast untertrieben. Karin Graf liest im Durchschnitt ein Manuskript am Tag, manchmal sind es auch drei oder vier. Als Literaturagentin berät sie Autorinnen und Autoren beim Schreiben, bei der Suche nach einem Verlag, sie verhandelt Verträge, organisiert Lesungen oder kümmert sich um Filmrechte. Manchmal sieht sie sich als eine Art Geburtshelferin für Literatur.

In Zeiten von Corona informiert sie ihre Schützlinge auch über staatliche Hilfen fürs wirtschaftliche Überleben. Corona "hat eine verlangsamende, lähmende Wirkung" auf das Geschäft mit Büchern, klagt Graf, "der Diskurs erlahmt". Besonders schlimm für die Autoren sei der Wegfall von Lesungen und Literaturfestivals.

Autoren bei der Hand nehmen

Als Graf vor 25 Jahren ihre Literaturagentur "Graf & Graf" gründete, betrat sie Neuland, zumindest in Deutschland. Denn hierzulande gab es bis dahin keine Agenten, die Autoren vertraten.

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Die Idee hatte Graf aus den USA importiert. Die gelernte Anglistin übersetzte damals amerikanische Autoren, für die es selbstverständlich war, eine Agentur zu haben.

In der Umbruchsituation im deutschen Literaturbetrieb kurz nach dem Ende der DDR suchten manche Schriftsteller nach Orientierung. Die gab Graf, "indem ich die Autoren bei der Hand genommen habe".

Besonders stolz ist Graf darauf, zuvor unbekannte Autorinnen und Autoren zum Erfolg zu begleiten. Wie Mariana Leky, die schon als Studentin von "Graf & Graf" betreut wurde und mit "Was man von hier aus sehen kann" einen Bestseller landete. Über eine Danksagung von Karen Duve dafür, dass Graf sie bei der Arbeit an einem Manuskript über den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Sex aufgeklärt habe, freut sich die Agentin auch.

Monika Maron und der S. Fischer Verlag

Eine "sehr, sehr schwierige Frage" ist es für Graf, den Bruch zwischen dem S. Fischer Verlag und der Schriftstellerin Monika Maron zu kommentieren. Parteinahme in dieser Sache vermeidet die Literaturagentin.

Grundsätzlich findet sie jedoch: "Wenn ein Punkt erreicht ist, wo ich sagen muss, ‚das deckt sich nicht mehr mit dem, wofür ich stehe und was ich gerne gesellschaftlich und politisch verfolge‘, dann muss man sich trennen."

Schon ihr ganzes Berufsleben lang befasst sich Graf mit Literatur, erst als Übersetzerin, dann als Agentin. Doch selbst schriftstellerisch tätig zu werden, ist ihr nie in den Sinn gekommen: "Ich wüsste auch gar nicht, was ich schreiben sollte."

(pag)

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