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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.07.2018

Linguist zur Sprache im Asylstreit"Der Kampf um Begriffe ist härter geworden"

Heiko Girnth im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Das BIld zeigt eine Illustration zweier Köpfe, aus deren Mündern Sprechblasen kommen.  (imago/Stuart Kinlough)
Debatte im Asylstreit: Was steckt hinter der Auseinandersetzung um konkrete Bezeichnungen? (imago/Stuart Kinlough)

"Transit" oder "Transfer": Im aktuellen Asylstreit wird um einzelne Begriffe heftig gerungen. Dabei blende eine zum Teil stark technokratische Sprache die betroffenen Menschen vollständig aus, kritisiert der Sprachwissenschaftler Heiko Girnth.

Der Kampf um Begriffe in der Politik sei härter geworden, sagte der Sprachwissenschaftler der Uni Marburg, Heiko Girnth, im Deutschlandfunk Kultur. Das zeige sich an der aktuellen Debatte im Asylstreit. Die neueste Entwicklung: Die SPD wollte im Asylstreit den "Transitzentren" der Union nicht zustimmen, sogenannten "Transferzentren" allerdings schon.

Der Wissenschaftler sieht in dem neuen Begriff eine Verbesserung: "Transfer heißt Überführung, Weitertransport. Transfer heißt Bewegung, von einem Ort zum anderen, impliziert aber auch, dass die Menschen dort ganz kurz sind. Dieser Ausdruck Transferzentrum trifft die Sache eigentlich ganz gut aus Sicht der Regierenden."

Sprache blendet Menschen aus 

Die stark technokratische Sprache blende dabei allerdings die Menschen, die teilweise vor Krieg und Gewalt geflohen sind, vollständig aus. Aber sie suggeriere eine Handlungsfähigkeit der Regierung, erläuterte der Linguist.

Die Auseinandersetzung Kampf um Begriffe werde härter geführt, so Girnth. Möglicherweise habe das mit der AfD zu tun. Diese benutze in ihrem Vokabular auch Ausdrücke, die nationalsozialistisch belastet seien. Diese Verwendung werde dann öffentlich diskutiert, wodurch mehr über Sprache in der Politik insgesamt berichtet werde: "Das zeigt, dass man sich dieses Problems bewusst wird."

(rit)

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