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Interview / Archiv | Beitrag vom 31.08.2019

Lichtplaner kritisiert Glühbirnen-Verbot der EU"Man hat die Leute wirklich betrogen!"

Peter Andres im Gespräch mit Ute Welty

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Eine Frau steht vor einer gelben Wand, vor der viele Energiesparlampen hängen. (Unsplash / Reinaldo Kevin)
Seit dem Glühbirnen-Verbot sorgen immer mehr Energiesparlampen für Licht. (Unsplash / Reinaldo Kevin)

Umweltfreundliche Energiesparlampen statt stromfressende Glühbirnen – klingt erstmal gut. Doch Lichtplaner Peter Andres übt harte Kritik an dem Glühbirnen-Verbot, das die EU 2009 beschloss. In Zeiten der Energiesparlampe und LEDs lobt er die Glühbirne.

Es werde Licht –  aber bitte umweltfreundlich! Das war die Idee hinter dem Glühbirnen-Verbot der EU 2009. Schließlich setzen Glühbirnen nur fünf Prozent der Energie in Licht um – der Rest verpufft als Wärme. Energiesparende Leuchtkörper sollten die Glühbirne langfristig ersetzen.

Zehn Jahre später sind klassische Glühbirnen aus dem Handel fast verschwunden. "Das Glühlampen-Aus ist eine Erfolgsgeschichte", sagte  Ines Oehme vom Umweltbundesamt bereits 2016 im Spiegel.

"Heute noch wütend"

Ganz anders sieht das Lichtplaner Peter Andres, er schwärmt von dem besonderen Licht der klassischen Glühbirne: "Sie hat einfach ein unvergleichliches Licht gespendet. Ein künstliches Licht, was dem natürlichen Licht am nächsten kam. Das liegt in diesem besonderen Spektrum begründet, das sogenannte kontinuierliche Spektrum. Das ist eine Lichtart, an der sich unsere ganze Evolution entwickelt hat."

Nicht nur das sogenannte synthetische Licht der Energiesparlampen missfällt dem Lichtplaner. Er kritisiert auch die Art und Weise, wie das EU-Verbot 2009 umgesetzt wurde: "Mich macht heute noch wütend, unter welchen Bedingungen das damals passiert ist. Man hat die Leute wirklich betrogen."

Die Art und Weise, wie  Energiesparlampen vermarktet worden seien, bezeichnet Andres sogar als "Lügen": "Man hat damals ein Produkt herausgebracht, da steht auf der Verpackung drauf: 11 Watt ist gleich 60 Watt."

Doch der Vergleich hinke, sagt Andres. Die tatsächliche Effizienz der Beleuchtungsanlage sei dabei nicht berücksichtigt worden: "Es kommt eben darauf an: Welche Lichtmenge, welche Helligkeit komm auf dem Tisch, auf der Wand an?"

Mit Glühbirnen, besonders mit kleinen Halogenglühlampen, könne das Licht besser gelenkt werden. Der Aufwand, um beispielsweise das gleiche Dimmverhalten zu erreichen, sei mit alternativen Leuchtkörpern unendlich viel größer, erklärt Andres.

Quecksilber im Haushaltsmüll

Der Lichtplaner kritisiert außerdem, dass den Verbrauchern suggeriert worden sei, dass Energiesparlampen umweltfreundlich seien, dabei sei das Gegenteil der Fall. Man habe die Verbraucher nicht genug auf das Quecksilber in den Energiesparlampen hingewiesen:

"Man hat zerbrechliche Gefäße mit dem giftigsten aller nichtradioaktiven Stoffe. Man hat das nicht dazu gesagt und riskiert, dass viele Leute diese Lampen wegwerfen."

Auch das zentrale Argument, dass die Glühbirne ineffizient sei, weil sie 95 Prozent der Energie in Wärme abgebe, teilt Andres nicht. Im Gegenteil: Er erklärt, da 70-80 Prozent der Beleuchtungsenergie in der der Heizperiode gebraucht würde, ginge diese Wärme nicht verloren. Durch die Abgabe von Wärme würden Glühbirnen den Raum mitheizen, so Andres. Die Energiebilanz sei, so sagt er, insofern annähernd dieselbe. Ines Oehme vom Umweltbundesamt hingegen sagt, das Versprechen durch das Verbot von Glühbirnen den Lichtenergieverbrauch um 30 Prozent zu senken sei eingetreten.

(mwl)

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