Lesen heißt antworten

Der amerikanische Literaturwissenschaftler George Steiner im Jahr 2003. © AP Archiv
Von Sieglinde Geisel · 21.04.2009
George Steiners Aufmerksamkeit gilt den Meisterwerken in Literatur, Philosophie, Musik oder Religion. Von Kindheit an ist er in drei Sprachen zu Hause; als schreibender Leser bewegt er sich zwanglos in der Weltliteratur. Mit seiner Verteidigung der Klassiker und dem Beharren auf dem Elitären in der Kunst bietet er dem Zeitgeist Widerstand.
In seinen Essays setzt George Steiner dazu an, die Literatur und die Welt zu erklären, und er tut es mit Brillanz und anregenden Einfällen jenseits aller akademischen Diskurse. Sein Nachdenken zielt aufs Grundsätzliche – und dass er dabei als Generalist bisweilen der Unseriosität verdächtigt wird, nimmt er in Kauf. Was ist eigentlich Sprache? Was bedeutet Verstehen? Übersetzen? Lesen? Für Steiner geht es auch darum, sich dem Text gegenüber verantwortlich zu fühlen.

Authentisches Lesen jedoch braucht Stille – eine gefährdete Ressource in unserer Zeit. Gegen die Leere in unserem Inneren empfiehlt George Steiner eine aussterbende Technik: das Auswendiglernen.

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