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Lesart / Archiv | Beitrag vom 22.02.2019

"Lesart" unterwegs in Potsdam Wenn die Stadt verschwindet, die zur Biografie gehört

Moderation: Frank Meyer

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Potsdam: Altes Rathaus und Palais Barberini auf dem Alten Markt. (picture alliance / dpa / Bildagentur-online / Exss)
In Potsdam werden Baustile und Epochen idealisiert, die nichts mit der Gegenwart zu tun haben, finden Julia Schoch und Antje Rávic Strubel. (picture alliance / dpa / Bildagentur-online / Exss)

Die „Lesart" ist zu Gast in der Potsdamer Buchhandlung "Wist". Die Schriftstellerinnen Julia Schoch, Anke Stelling und Antje Rávic Strubel erzählen, wie es sich in einer Stadt lebt und schreibt, die sich langsam in ihre eigene Kulisse verwandelt.

Die Schriftstellerinnen Julia Schoch und Antje Rávic Strubel, die in Potsdam leben und aufgewachsen sind, beschreiben im Gespräch mit Frank Meyer, wie in der Stadt sukzessive etwas verschwindet, was zur eigenen Biografie gehört. DDR-Architektur wird abgerissen und die Stadt verwandelt sich mehr und mehr in ihre eigene Kulisse.

Die "Lesart" live aus Potsdamer Buchhandlung "Wist": Verleger Jörg Sundermeier, die Autorinnen Antje Ravic Strubel, Anke Stelling und Julia Schoch, zwischen den Buchhändlern Felix Palent und Carsten Wist der Moderator Frank Meyer (Deutschlandradio / Susanne Utsch)Verleger Jörg Sundermeier, die Autorinnen Antje Ravic Strubel, Anke Stelling und Julia Schoch, zwischen den Buchhändlern Felix Palent und Carsten Wist der Moderator Frank Meyer (Deutschlandradio / Susanne Utsch)

Wer das Geld hat, trifft die Entscheidungen

Hier würden Baustile und Epochen idealisiert, die nichts mit der Gegenwart zu tun haben. Schoch und Strubel sprechen darüber, ob und wie man sich in einer solchen Umgebung an die eigene Geschichte erinnern kann, wie man ein Bewusstsein für historische Epochen bewahrt und warum der Umbau einer Stadt vor allem eine Frage von Besitz und Kapitel ist: Wer das Geld habe, treffe die Entscheidungen.

Ebenfalls nach Potsdam gekommen sind die Schriftstellerin Anke Stelling und Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag.  Es seien derzeit vor allem Frauen, die sozialrealistische Bücher schreiben, damit würden sie Widerstand provozieren – aber sich auch durchsetzen, sagt Jörg Sundermeier. Der Erfolg von Anke Stellings jüngstem Roman "Schäfchen im Trockenen", der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist, gibt ihm Recht. 

Schonungslos aufklären

Stellings Roman erzählt von denjenigen, die zwar im wohlsituierten, linksliberalen Berliner Prenzlauer Berg-Milieu (das es ähnlich in anderen Städten gibt) leben, die aber finanziell längst aus diesen Kreisen herausgefallen sind und bald auch ganz praktisch aus ihrem Kiez vertrieben werden. Der Furor, den man auf jeder Seite des Romans spüren kann, rühre daher, sagt Anke Stelling, dass die Protagonistin, eine Schriftstellerin wie sie, sich an die eigene, vierzehnjährige Tochter richtet. Man muss schonungslos aufklären und den Blick auf die soziale Frage lenken.

Natürlich gehören in eine Sendung aus einer Buchhandlung auch persönliche Buchempfehlungen:

Anke Stelling empfiehlt die gesellschaftskritische Lyrik von Nathalie Schmidt: "Gletscherstück".  (Wolfbach)

Antje Rávic Strubel wünscht der schwedischen Autorin Lina Wolf und deren Roman "Die polyglotten Liebhaber" möglichst viele Leser und Leserinnen. (Hoffman und Campe)

Julia Schoch empfiehlt die französische Autorin Emmanuelle Bayamack-Tam mit "Wenn mit meiner Unschuld nicht alles vor die Hunde ginge". (Secession Verlag)

Buchhändler Carsten Wist rät zu dem neuen Roman von Reinhard Kaiser-Mühlecker: "Enteignung".

Buchhändler Felix Palent ist begeistert von "Deine kalten Hände" dem neuen Roman der südkoreanischen Bestseller-Autorin Han Kang (Aufbau Verlag)

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