Christian Dittloff: "Das Leichteste der Welt"

Von Teenagerliebe und Überforderung

07:01 Minuten
Über dem Titel ist eine Art gelbe Sonne gemalt von der viele bunte Strahlen abgehen
© Piper Verlag

Christian Dittloff

Das Leichteste der WeltBerlin Verlag, 2026

300 Seiten

24,00 Euro

Von Simon Sahner |
Audio herunterladen
Passende Lektüre für den Sommer: Mit „Das Leichteste der Welt“ hat Christian Dittloff einen nostalgischen Coming-of-Age-Roman geschrieben, der Ende der 1990er-Jahre ansetzt – und von Mixtapes, Teenagerliebe und früher Vaterschaft erzählt.
Spätestens seit Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ sind die Zutaten für einen deutschen Coming-of-Age-Roman klar: Sommer, Hitze, weite Felder, Fahrrad- oder Autofahrten, warme Nächte und diese absurde Mischung aus Verzweiflung und Euphorie.
Man könnte die Liste noch weiterführen, sie träfe vollständig auf Dittloffs Roman zu. Das bedingt wahrscheinlich auch die lockere Jugendsprache, die große Teile des Textes beherrscht und teilweise etwas zu gewollt daherkommt: „Völlig balla, isso.“
In der Handlung verliebt sich der 15jährige Ich-Erzähler Ivo im Sommer 1998 im Ferienlager in die ältere Klara. Was eine klassische Teenagerliebe sein könnte, nimmt eine Wendung, als sich herausstellt, dass Klara schwanger ist und das Kind behalten wird. Nun hat Ivo nicht nur eine Freundin, sondern nimmt nach der Geburt auch die Rolle als junger Stiefvater ein.

Totale Sonnenfinsternis

Dazwischen geht es um Freundschaft, Identität und Jugend zu einer Zeit ohne Smartphones, in der Mixtapes aufgenommen wurden und man nachts in Jugendclubs und Schwimmbädern allerhand Unsinn trieb. Diese Zeit ist nicht willkürlich gewählt: Der Roman spielt vor dem Hintergrund der totalen Sonnenfinsternis 1999 und dem gleichen Ereignis im August 2026.
Der Erzähler, nun selbst Vater, erinnert sich an die Zeit, als er schon einmal mit einem kleinen Kind auf dem Arm in den Himmel geschaut hat. Mit diesem Setting driftet der Roman teilweise in eine prä-digitale Nostalgie ab, die beizeiten etwas anstrengend ist, gleichzeitig gewinnt die Handlung dadurch eine gewisse Relevanz. Der Erzähler schwelgt nicht einfach in ziellosen Erinnerungen, sondern denkt in einem besonderen Moment daran zurück, als er das erste Mal Verantwortung übernommen hat. Doch gerade aufgrund dieser interessanten Rahmung stellt sich die Frage, warum der Roman bis auf wenige Seiten nur in der Vergangenheit spielt.
Denn die Erzählsituation wirft auch Fragen danach auf, was sich seit dem Ende des letzten Jahrtausends verändert hat. Dabei schwingen Begriffe wie Millennium, Neuanfang und Phrasen wie "Das Ende der Geschichte" mit, die angesichts von Klimakatastrophe, bedrohlicher Kriege und politischer Krisen wie eine weit entfernte Hoffnung wirken.

Nostalgie, Unterhaltung und Tiefe

Das alles reißt Dittloff höchstens an, beispielsweise wenn der Jugendclub von Neonazis überfallen und Ivos Freundin Selma rassistisch beleidigt wird. Insgesamt wirkt der Roman vor diesem Hintergrund am Ende etwas zu versöhnlich und abgerundet.
Das ist schade, aber insgesamt zu verschmerzen. Was den Roman am Ende rettet und ihm trotz dieser Lücken eine emotionale Dringlichkeit gibt, ist die ungewöhnliche Beziehungskonstellation. Somit hat Dittloff eine passende Lektüre für den Sommer geschaffen. Mit seiner Mischung aus Nostalgie, Unterhaltung und Tiefe ist „Das Leichteste der Welt“  ein gelungener Coming-of-Age-Roman. Gute Urlaubslektüre eben.
Mehr zum Thema Jugend