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Interview / Archiv | Beitrag vom 24.01.2019

LehrermangelWie Berlin engagierte Quereinsteiger frustriert

Andreas Mayer im Gespräch mit Ute Welty

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Schüler einer 3. Klasse im hessischen Bad Homburg melden sich im Unterricht, eine Schülerin steht vor der Tafel, aufgenommen 2018 (picture alliance/Andreas Arnold/dpa)
Keine Chance auf Verbeamtung, befristete Verträge: Quereinsteiger sind deutlich schlechter gestellt als normale Lehrer. (picture alliance/Andreas Arnold/dpa)

Berlin ist am stärksten vom Lehrermangel betroffen. Engagierte Quereinsteiger gibt es - doch das Land ist nicht bereit, bürokratische Hürden zu beseitigen, um diese wie vollwertige Lehrer zu bezahlen. Das bekommt auch der Lehrer Andreas Mayer zu spüren.

Der Berliner Andreas Mayer arbeitet seit 2009 als Lehrer. Er gehört zu den zahlreichen Quereinsteigern im Lehramt: Akademiker, aber ohne einen Lehramtsabschluss und ohne das anschließende Referendariat. Aus purer Not – und auch weil Mayer nach eigenem Bekunden sehr gerne als Lehrer arbeitet – hat das Land Berlin ihn trotzdem an diversen Schultypen in zehn verschiedene Fächer beschäftigt. Über Jahre bekam Mayer, der nun fest an einer Grundschule angestellt ist, nur befristete Verträge.

Vergeblich versuchte er zwischenzeitlich, noch ein Referendariat zu absolvieren. Doch zum einen galt sein damaliges Hauptunterrichtsfach Englisch nicht als Mangelfach, zum anderen – "haben sie einmal einfach meine Unterlagen verbummelt". Als sich seine Akte wieder eingefunden habe, sei aber die Frist für die Referendariatsbewerbung abgelaufen gewesen. 

Jährlich wandern bis zu 500 Lehrer ab

Dabei wird Mayer dringend gebraucht. Denn weil Berlin, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, Lehrer seit einigen Jahren nicht mehr verbeamtet und sie als Angestellte schlechter bezahlt als die altgedienten Beamten-Kollegen, wandern laut der Zeitung "Der Tagesspielgel" jährlich 400 bis 500 Pädagogen ab. Die Stadt leidet also unter dramatischem Lehrermangel.

Derzeit verdient Mayer, der früher als Entwicklungshelfer gearbeitet hat, bis zu 800 Euro weniger als seine Kollegen, die die klassische Lehrerausbildung durchlaufen haben. Er sagt: "Heute ist es so, dass ich Mathe und Deutsch nachstudieren müsste. Heißt: Das kostet mich nochmal vier Jahre meines Lebens" – ungeachtet der akuten Not an den Schulen. "Das wird einem nicht erklärt – das ist einfach Fakt, dass du das so erfüllen musst und fertig." Es sei ihm völlig unverständlich, warum man jemanden wie ihm, der inzwischen schon so lange im Schuldienst tätig sei, die zurückliegenden Berufsjahre nicht als Referendariat anerkenne.

Die Folge: Jede Schule verliere vermutlich pro Schuljahr ein bis zwei Lehrer, die sich entschließen, lieber im benachbarten Brandenburg zu unterrichten, wo Lehrer noch verbeamtet würden. Er selbst habe diese Möglichkeit nicht – eben weil ihm der geforderte übliche Ausbildungsweg fehle.

(mkn)

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