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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.04.2019

Lehren aus dem 1. AprilAprilscherze sind auch Fake News

Samira El Ouassil im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Ein Straßenschild zeigt "Stop Aprilscherz" (imago/ Sepp Spiegl)
Zukünftig keine Aprilscherze mehr, fordert Samira El Ouassil. (imago/ Sepp Spiegl)

Die Kommunikationswissenschaftlerin und Kolumnistin Samira El Ouassil stellt den Brauch von Medien in Frage, am 1. April vermeintlich lustige Falschnachrichten zu verbreiten. Ihr Plädoyer: Nächstes Jahr keine Aprilscherze, bitte!

Warum sollen wir über Aprilscherze lachen, wenn wir uns gleichzeitig vor Fake News fürchten? Diese Frage stellt sich die Publizistin Samira El Ouassil. Natürlich gehe es den Medien um Aufmerksamkeit, sagt El Ouassil:

"Je absurder, kindischer, alberner, idiotischer oder aber auch profaner der Gag ist, desto mehr Klicks bekommt man. Dementsprechend sind sich manche Medienhäuser für keinen Gag zu doof. Aber ich finde das in Zeiten von Fake-News problematisch."

Schlechte Scherze mit Eisbärbabys

Der schlimmste Aprilscherz in diesem Jahr sei vom "Tagesspiegel" gekommen, erzählt die 34-Jährige. Der habe geschrieben, dass der Name des neuen Eisbärbabys aus dem Tierpark durchgesickert sei. Es heiße Greta Thunberg. "Das hat mir ein bisschen Recht gegeben", meint El Ouassil.

"Wenn ich den Brauch des 1. Aprils in den Medien nicht schon vorher unglaublich anstrengend fand, dann spätestens in dem Moment."

Aprilscherze benutzen die gleichen rhetorischen Mechanismen wie Fake-News, berichtet die Zeitungswissenschaftlerin. Zwei Sprachsoziologen aus dem angelsächsischen Raum hätten durch die Analyse von Aprilscherzen einen Algorithmus entwickelt, der mit 65-prozentiger Wahrscheinlichkeit Falschnachrichten erkennt.

Die Scherze verstärken das Misstrauen

So hätten auch Aprilscherze ihr Gutes. Das sei aber auch das Einzige, sagt El Ouassil. "Ich glaube, sie verstärken eher das Misstrauen gegenüber den etablierten Medien in Bezug auf Fake-News."

Auch das Argument, dass Aprilscherze leicht zu dechiffrieren seien, lässt sie nicht gelten.

"Wenn die so überzeichnet sind, dann verstehe ich wirklich nicht mehr den Sinn dahinter. Dann weiß ich nicht, was der Quatsch soll. Wenn die Aufgabe von Journalisten heute ist, Wahrheit zu verbreiten und die Währung, mit der sie handeln, die Richtigkeit ihrer Information ist, dann verstehe ich nicht, warum man sich einen Tag auserkoren hat, wo man genau das Gegenteil von dem tut, was man sich auf die Fahnen geschrieben hat."

Für das nächste Jahr gibt es laut Samira El Ouassil dann auch nur eine Möglichkeit: Aprilscherze verweigern.

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