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Tonart | Beitrag vom 09.01.2019

Legendäre Jazz-Alben von "Blue Note"Musik mit glühendem Kern

Von Ulrich Habersetzer

Der Pianist Thelonious Monk während eines Konzerts im Mai 1961 in Zürich. (picture alliance/dpa/Foto: Niklaus Stauss)
Der Pianist Thelonious Monk während eines Konzerts im Mai 1961 in Zürich. (picture alliance/dpa/Foto: Niklaus Stauss)

Das Jazzlabel "Blue Note" feiert seinen 80. Geburtstag, vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden großartige Aufnahmen. Darunter sind auch die Alben von Pianist Thelonious Monk, Saxophonist Sonny Rollins und Trompeter Lee Morgan.

Sie dürfen tanzen! Mitwippen, schnipsen oder die Hüfte kreisen lassen, alles ist erlaubt. "The Sidewinder", so heißt diese Komposition von Trompeter Lee Morgan. "Sidewinder" ist der englische Begriff, für eine Klapperschlange, die sich durch seitliche Winde-Bewegungen fortbewegt. Sie groovt über den Boden, so stellt man es sich zumindest vor, wenn man diese Musik hört.

Tenorsaxophonist Joe Henderson  (picture alliance/dpa/Foto: Hardy Schiffler)Tenorsaxophonist Joe Henderson während eines Konzerts in den 1990er-Jahren. (picture alliance/dpa/Foto: Hardy Schiffler)
1963 entstand diese Aufnahme und Lee Morgan war 25 Jahre alt, als "The Sidewinder" bei Blue Note aufgenommen wurde. Auch sein Mitmusiker, Tenorsaxophonist Joe Henderson, war mit 26 Jahren ein Jungspund und doch schufen sie zusammen Zeitloses. "The Sidewinder" ist eine wegweisende Aufnahme für den Soul Jazz, eines der ersten Beispiele für den Einfluss der knackigen Funk-Beats auf den Jazz, und eine der Geburtsstunden des Jazz-Boogaloo.

Die Stammmusiker des Blue Note-Labels

Ganz klar, Monk. Pianist Thelonious Monk mit seiner Komposition "Misterioso", dazu Schlagzeuger Art Blakey und Bassist Paul Chambers. Stammmusiker des Blue Note-Labels. Dazu Posaunist Jay Jay Johnson und – im Zentrum: der Bandleader und Tenorsaxophonist Sonny Rollins.

Der Schlagzeuger Art Blakey 1973 in London. (picture allliance/dpa/Foto: Jazz Services)Der Schlagzeuger Art Blakey 1973 in London. (picture allliance/dpa/Foto: Jazz Services)

Eine Musik mit einem glühenden Kern und enormer Spannung. "Volume two" heißt das Album schlicht, insgesamt vier Aufnahmen hat das Label Blue Note von Rollins veröffentlicht. Alle wurden zwischen Dezember 1956 und November 1957 aufgezeichnet – das zweite war das Beste. Ein Musiker war übrigens noch zusätzlich dabei: der Pianist Horace Silver. Beim Blues "Misterioso" teilten sich Monk und Silver den Pianohocker.

Tenorsaxophonist Sonny Rollins 1974 in Paris (imago/Philippe Gras/Le Pictorium)Tenorsaxophonist Sonny Rollins 1974 in Paris. (imago/Philippe Gras/Le Pictorium)

Haben Sie es gehört? Kein Klavier, sechs Sekunden lang. Monk spielt einen letzten heftigen Akkord am Ende seines Solo, steht vom Klavierstuhl auf und Silver nimmt Platz. Seine geschmeidigen Harmonien schleichen sich unter das Posaunensolo von Jay Jay Johnson. Es ist die einzige Studiobegegnung der beiden Pianisten, die je auf ihre Art den Jazz für immer geprägt haben. Dunkel, kraftvoll, mysteriös.

Undatierte Aufnahme des Saxophonisten Wayne Shorter (imago/United Archives)Undatierte Aufnahme des Saxophonisten Wayne Shorter. (imago/United Archives)
Der verlorene Sohn kehrt heim. Saxophonist Wayne Shorter und seine überirdische Band mit Pianist Danilo Perez, Bassist John Patitucci und Schlagzeuger Brian Blade. Mit dem Album "Without a Net" kommt Wayne Shorter nach mehr als 40 Jahren zu Blue Note zurück. 2013 erschienen Live-Aufnahmen, die zwei Jahre vorher auf einer Europatournee an unterschiedlichen Orten entstanden. Diese Band funkelt, sie ist ein eigener Kosmos und scheint die Erdanziehungskraft überwunden zu haben.

Die Suche nach Neuem

Das Wayne Shorter Quartet spielt Musik ohne Sicherheitsnetz, ohne doppelten Boden und ohne Rücksicht auf Konvention. Das kann sogar Shorter-Fans verstören, ist aber für den Saxophonisten nur folgerichtig. Er macht sich, zurückgekehrt zum Blue Note-Label, wieder auf die Suche nach Neuem und spielt eines der aufregendsten Alben der letzten Jahre ein: Without a net.

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