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Buchkritik | Beitrag vom 25.06.2021

Lauren Wolk: "Echo Mountain"Mutige Mädchen kommen überall hin

Von Sylvia Schwab

Cover des Buchs "Echo Mountain. Ellie geht ihren eigenen Weg" von Lauren Wolk. (Deutschlandradio / Hanser)
Mit poetischem Ton: "Echo Mountain. Ellie geht ihren eigenen Weg" von Lauren Wolk. (Deutschlandradio / Hanser)

In ihrem neuen Roman erzählt Lauren Wolk davon, wie ein junges Mädchen ihren Platz im Leben findet. Dabei verhandelt die gefeierte US-amerikanische Jugendbuchautorin große Themen: Schmerz, Verzicht, Verantwortung, Zuversicht und Liebe.

"Echo Mountain" ist in vieler Hinsicht ein ungewöhnliches Buch. Die Geschichte spielt 1934 in Maine. In Folge des großen Börsencrashs hat Ellies Familie alles verloren, die Eltern ziehen mit den drei Kindern in die Berge und finden dort eine karge, neue Heimat.

Zwischen Idyll und hartem Leben

Das primitive Leben im Blockhaus, die harte Arbeit in Wald und Garten, Hunger und Kälte: Alles kostet unendlich viel Kraft. Als der Vater durch einen Unfall schwer verletzt ins Koma fällt, scheint auch der Lebenswille der Mutter gebrochen.

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Doch die zwölfjährige Ellie gibt nicht auf, findet in einer weisen, alten Frau und ihrem Enkel innige Freunde und in sich selbst die Kraft, die Familie zu retten.

In diesem Abenteuerroman begegnet Ellie einem Bären, kämpft mit einer Schlange, holt Honig aus einem Bienenstock, fischt und fängt Tiere, verarztet tapfer das grausam entzündete Bein der alten Cate und sorgt für eine ganze Hundefamilie.

Was anfangs viel von einer ländlichen Idylle hat, schlägt mit dem Unfall des Vaters in existenzielle Bedrohung um. Es geht um Leben und Tod und darum, wie entschlossen Ellie sich ihren vielen Herausforderungen stellt.

Ein außergewöhnliches Mädchen

Lauren Wolks Icherzählerin ist ein außergewöhnliches Mädchen, begabt mit einer klaren inneren Stimme, die ihr durch alle Konflikte und Gefahren den Weg weist. Ihre Weisheit, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Empathie wirken dabei zwar manchmal altklug oder selbstgerecht, aber sie stehen auch für die innere Stärke dieses Mädchens.

Die "Flammen" in ihrer Brust zündeln allerdings häufig nahe am Kitsch. Trotzdem ziehen Ellies mentale Kraft und ihre Liebe zur Natur in die Geschichte hinein. So intensive Naturbeschreibungen, so reife Einsichten und eine so tiefe Empathie mit Tieren und Menschen erlebt man nur selten in einem Jugendbuch!

Alle jungen Leserinnen und Leser, die sich über die Abenteuergeschichte hinaus von den grundlegenden Themen dieses Romans einfangen lassen, werden ihn mögen!

Eindringlich und zart erzählt

Denn Lauren Wolk erzählt so eindringlich von Glück und Unglück, Schmerz und Traurigkeit, Verzicht und Verantwortung, aber auch von großer Liebe und Zuversicht, dass man immer wieder berührt ist.

Das hat viel mit dem poetischen Ton der Autorin zu tun wie auch mit der sehr einfühlsamen Übersetzung von Birgitt Kollmann. Ellie erzählt mit fester, starker Stimme und lässt sich Zeit für die vielen praktischen Kleinigkeiten des arbeitsreichen Familienalltags, sie findet zarte Bilder für ihre hochsensiblen Empfindungen und gerät manchmal pathetisch ins Schwärmen.  

Immer wieder geht es auch um Wahrheit und Moral. Ist es richtig, dass Ellie die Schuld am Unfall des Vaters auf sich nimmt, um ihre Geschwister zu entlasten? Und wie weit kann sie sich auf ihre Überzeugung und innere Wahrheit verlassen? Diese existenziellen Fragen gehen einem noch lange nach.  

Lauren Wolk: "Echo Mountain. Ellie geht ihren eigenen Weg"
Übersetzt von Birgitt Kollmann
Hanser, München 2021
382 Seiten, 17 Euro
ab 11 Jahren

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