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Lesart | Beitrag vom 27.11.2020

Lars Eidingers Fotoband "Autistic Disco""Ich glaube nicht, dass man das Leben festhalten kann"

Moderation: Andrea Gerk

Lars Eidingers Spiegelung in einem Fenster auf einer Dachterrasse. (laif / Peter Rigaud)
Fotografie habe für ihn einen "morbiden Charme", sagt Lars Eidinger. (laif / Peter Rigaud)

Der Schauspieler Lars Eidinger zückt gerne sein Smartphone, um skurrile, atmosphärische und manchmal auch witzige Momente einzufangen. Diese Aufnahmen hat er nun unter dem eigenwilligen Titel "Autistic Disco" als Bildband herausgebracht.

Ach, jetzt fotografiert der auch noch? Mag manch einer denken, der Lars Eidinger als Schaubühnen-Schauspieler und als Darsteller in zahlreichen Kino- und TV-Filmen kennt (aktuell unter anderem in "Schwesterlein" und "Babylon Berlin"), aber nicht als Foto- und Videokünstler.

Links ist ein Herzkissen auf dem Armatuerenbrett eines Autos zu sehen. Es spiegelt sich in der Scheibe, draußen ist es dunkel. Rechts ein Bild einer Rasenfläche mit hoher Hecke drum herum. in Der Ecke befindet sich eine rundliche erhöhte Fläche mit dichterem Grasbewuchs. (Lars Eidinger)Lars Eidinger liebt das Skurrile - und findet es selbst in vordergründig unspektakulären Situationen. (Lars Eidinger)

Tatsächlich aber fotografiert Leidinger mit Begeisterung schon seit Kindertagen, wovon man sich auch in seinem Instagram-Profil überzeugen kann: den Familien-Goldhamster, Menschen am Strand, leere Hotelbetten, vor allem aber Skurriles im Stadtbild, das der Berliner gerne mit seinem Telefon einfängt.

Spontan Momente einfangen

Das ist manchmal witzig und melancholisch zugleich. Auf jeden Fall aber atmosphärisch. Mit dem Bildband "Autistic Disco", der jetzt erschienen ist, habe er sich einen Lebenstraum erfüllt, sagt der Schauspieler, der seit rund 20 Jahren zum Ensemble der Berliner Schaubühne gehört.

Auf dem linken Bild ist ein Anarchie-Zeichen zu sehen, welches halb übergestrichen wurde, auf dem rechten Bild eine weggeworfene Sexpuppe in mitten von umgekipptem Müll. (Lars Eidinger)Fotos, die einen zweiten Blick lohnen: Lars Eidingers Bilder in "Autistic Disco". (Lars Eidinger)

Was reizt ihn am Fotografieren mit dem Smartphone? Es sei immer verfügbar und befreie ihn vor allem von dem Druck, etwas Gutes zustande zu bringen, den er immer ein wenig spüre, wenn er mit seiner Spiegelreflexkamera losziehe. Ohne diesen Druck, etwas inszenieren zu müssen, entstünden die besten Momentaufnahmen.

"Man blickt sozusagen dem Tod ins Gesicht"

Für ihn habe die Fotografie "einen morbiden Charme", beschreibt Eidinger seine Faszination: "Schon als Kind hatte ich dieses Bedürfnis, den Moment festzuhalten. Und dann kam irgendwann die Erkenntnis, dass das gar nicht geht, dass das eine Utopie ist: Dass das Leben in Bewegung ist, und dass der Moment eigentlich immer schon vergangen ist. Man blickt sozusagen immer dem Tod ins Gesicht. Ich glaube nicht, dass man das Leben festhalten kann. In dem Augenblick, wo man es festhalten will, ist es tot."

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Und das sei nicht negativ gemeint, betont Eidinger. "Es ist nur das Spiel damit, dass man sagt: Tod ist Stillstand, und Leben ist Bewegung. Und in dem Augenblick, in dem ich es fixiere, schaue ich eigentlich dahin, wo ich herkomme und sehe, was mich erwartet." Definitiv sei die Fotografie für ihn etwas Lebensbegleitendes. Es gebe auch viele Selbstporträts von ihm. Aber die, sagt der Schauspieler, seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

(mkn)

Lars Eidinger: "Autistic Disco"
Fotografien, mit einer Einführung von Simon Strauß
Hatje Cantz Verlag, 2020
128 Seiten, 30 Euro

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