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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.03.2020

Langzeitstudie zur ZufriedenheitGlücklich mit stereotypen Geschlechterrollen

Martin Schröder im Gespräch mit Axel Rahmlow

Eine Frau saugt in ihrem Wohnzimmer Staub, am Boden sitzt ein Kleinkind.  (imago-images / photothek / Ute Grabowsky)
Ehefrau beim Staubsaugen: Viele Deutsche sind offenbar zufriedener, wenn der Partner eine stereotypische Geschlechterrolle einnimmt, hat eine Studie ergeben. (imago-images / photothek / Ute Grabowsky)

Was macht uns zufrieden? Mehr als 30 Jahre lang wurden 80.000 Menschen befragt - und daraus ist nun ein Buch entstanden. Manche Ergebnisse waren erwartbar, andere sind eher skurril - und Martin Schröder, dem Autor der Studie, fast unangenehm.

Mehr Sport, besser essen, weniger Stress – das sind nur drei von unzähligen Tipps, die uns sagen, wie wir zufriedener durchs Leben gehen können. Zum Thema gibt es unzählige Ratgeber, die auch nicht immer wirklich seriös sind.

Nun ist allerdings ein Buch erschienen, das auf einer Langzeitstudie beruht: Mehr als 30 Jahre lang wurden 80.000 Menschen befragt. Der Soziologie-Professor Martin Schröder von der Universität Marburg hat die Daten ausgewertet und unter dem Titel "Wann sind wir wirklich zufrieden?" veröffentlicht.

Ein klares Ergebnis der Untersuchung sei, dass die Gesundheit einen so starken Einfluss auf die Zufriedenheit habe wie sonst kaum etwas im Leben, sagt Schröder.

Einen ebenfalls sehr starken Effekt habe das regelmäßige Treffen von Freunden. Und ein weiterer starker Effekt gehe mit dem Gefühl einher, Kontrolle über das eigene Leben zu haben.

"Umso patriotischer, umso zufriedener"

Während Gesundheit, Freunde und Kontrolle als Faktoren nicht unbedingt überraschend seien, gebe es unter den Effekten auch "wirklich ganz komische Sachen", so Schröder.

Beispiele: "Umso patriotischer Menschen sind, umso zufriedener sind sie." Oder: "Umso länger Väter arbeiten, umso zufriedener sind sie." Aber: "Mütter, die länger arbeiten, werden nicht zufriedener – sind aber selbst zufriedener, wenn die Väter ihrer eigenen Kinder länger aus dem Haus sind."

Geld mache zufrieden, aber nur bis zu 2.000 Euro netto im Monat. Zu zweit seien es 3.400 Euro, mit einem Kind 4.400, mit zwei Kindern 5.400 Euro: "Danach gibt kaum noch einen Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und Einkommen."

Unter den 70 bis 80 Effekten, die im Buch beschrieben würden, gebe es viele, über die er sich gewundert habe, sagt Schröder.

"Das, was ich herausgefunden habe, ist mir selbst fast unangenehm", bekennt er. "Als Soziologe ist man meist Teil eines linksliberalen, grünen Milieus." Und vieles, was die Untersuchung zu Tage gefördert habe, passe nicht unbedingt zu dieser Sichtweise.

Zufriedenheit der Deutschen steigt

Doch die Konsequenzen aus den Studienergebnissen müssten die Menschen natürlich selbst ziehen. So gebe es beispielsweise zu dem Befund, dass Väter zufriedener sind, wenn sie länger arbeiten, auch das Ergebnis: "Wenn sie sich bewusst für Elternzeit entscheiden, sind sie damit auch zufrieden."

Bei alleinerziehenden Müttern und Vätern gebe es hingegen kaum einen Unterschied: Hier profitierten beide von zunehmenden Arbeitsstunden. "Das spricht dafür, dass es uns vor allem wichtig ist, als Männer und Frauen unsere Geschlechterrollen gegenüber dem anderen Geschlecht einzunehmen." Es weise darauf hin, "dass wir es attraktiv am anderen Geschlecht finden, wenn es sich geschlechterstereotyp verhält."

Die Deutschen seien mit dem Durchschnittswert von 74 auf einer Skala von 0 bis 100 ziemlich zufrieden. Und tendenziell gehe das weiter bergauf – schon seit 2005. Bis dahin sei die Lebenszufriedenheit der Deutschen zurückgegangen. Seitdem würden auch die Ostdeutschen zufriedener, hat Schröder herausgefunden.

(abr)

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