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Länderreport | Beitrag vom 25.10.2019

Landtagswahl 2019Was bewegt Thüringen vor der Wahl?

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 Die Wartburg über Eisenach bei strahlend blauem Himmel.Vom Mittelalter bis heute ist die Burg ein Symbolort deutscher Geschichte und inzwischen auch Unesco-Weltkulturerbe. (picture alliance / Winfried Rothermel)
Schicksalsort und Touristenmagnet Wartburg in Thüringen: Was bewegt die Bürger bei der Landtagswahl? (picture alliance / Winfried Rothermel)

Thüringen ist das erste Bundesland, das von einer rot-rot-grünen Koalition unter Führung der Linken regiert wird. Am 27. Oktober wird neu gewählt. Manche Beobachter fürchten, das Land könnte nach der Wahl unregierbar sein. Wir haben in Erfurt nachgefragt.

Die Thüringen-Wahl ist nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen die letzte große politische Weichenstellung in diesem Jahr. Zwei Tage vor der Wahl sind unsere Teams von "Studio 9 - der Tag mit..." und "Länderreport" nach Erfurt gefahren und haben aus dem Café Hilgenfeld am Domplatz gesendet.

Rot-Rot-Grün brachte mehr Geld für die Kultur

"Bodo Ramelow hat stabile Politik geliefert", sagte Hasko Weber, der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters in Weimar, über die fünf Jahre Thüringer Landesregierung unter Führung der Linken. Eine Revolution sei ausgeblieben. Weber kritisierte, dass Rot-Rot-Grün die Gebietsreform "liegen gelassen" habe.

Dagegen lobte er die Orchester- und Theaterreform mit finanziell positiven Auswirkungen für die einzelnen Spielstätten. "Auch wenn es immer was zu verbessern gibt, so hat uns diese Reform doch gute Arbeit ermöglicht."

Gleichzeitig kündigte Weber mit Blick auf den Jahrestag des Mauerfalls eine Aktion für den Tag nach der Landtagswahl an: Auf dem Weimarer Theaterplatz soll ab Montag wieder ein Mauersegment aufgebaut werden, das die Künstlerin Christina Wildgrube gestalten will. Bis zum 9. November seien dann Schauspieler seines Theaters und Musiker der Staatskapelle an dem Projekt beteiligt. "Mit dieser Aktion wollen wir auch provozieren", so Weber.

Quent: AfD-Aufschwung ist nicht nur Protest

Der Soziologe Matthias Quent sagte, der Aufschwung der AfD in den Thüringer Vorwahlumfragen sei nicht überraschend. "Viel zu lange wurde übersehen, dass ein Viertel der Bevölkerung in Thüringen ein geschlossenes rechtes Weltbild hat", so der Soziologe vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena. In aktuellen Untersuchungen habe er nachweisen können, dass die AfD-Wähler diese Partei nicht vorranging aus Unzufriedenheit mit den anderen Parteien wählten. 71 Prozent der AfD-Unterstützer fänden laut der Untersuchung diese Partei eben "nicht zu rechts", betonte Quent.

Gleichzeitig sorgt sich der Rechtsextremismusforscher, dass er von Hochschullehrern, Studierenden aber auch von den Menschen aus der Zivilgesellschaft immer wieder Resignation höre. Die Angst vor der AfD führe dazu, dass Menschen sich zurückzögen. "Sie resignieren, setzen sich nicht mehr ein für eine offene Gesellschaft", sagte Quent.

Er habe aber auch die Hoffnung, dass das genau auch ein Ansporn für viele Menschen ist, sich nicht lähmen zu lassen. Es sei eben auch viel Positives in dieser Zivilgesellschaft passiert. Quent weiter: "Ich glaube, es ist die Hauptaufgabe, sich jetzt nicht in Kulturpessimismus und Untergangsnarrative zu verrennen."

Außerdem waren dabei in Erfurt: 

  • die Künstlerin und Schriftstellerin Gabriele Stötzer
  • Roland Krischke, Direktor Lindenau-Museums in Altenburg
  • Martin Debes, Chefreporter der "Thüringer Allgemeinen"
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