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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 19.09.2017

Landschaftswissenschaftler Hansjörg KüsterDie Rätsel der modernen Ökologie

Moderation: Ulrike Timm

Der Landschaftswissenschaftler Hansjörg Küster (Privat/Christoph Mukherjee)
Der Landschaftswissenschaftler Hansjörg Küster (Privat/Christoph Mukherjee)

Hansjörg Küster ist Botaniker und Pflanzenökologe, vor allem aber betrachtet und erforscht er die Landschaft und ihren Wandel kulturwissenschaftlich. Ihn beschäftigt die Zukunft der Alm-Wirtschaft oder der Naturbegriff des künftigen Stadtmenschen.

Landschaft scheint beständig, ist aber immer in Veränderung begriffen. Diese Veränderungen hat der Biologe Hansjörg Küster gründlich erforscht. Ob es "Deutsche Landschaften" sind, wie in seinem gleichnamigen neuen Buch oder die "Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa", Landschaften sind das Lebensthema des Professors für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Universität Hannover.

"Die Menschen wollten Ideen wiederfinden"

Natur und Landschaft seien nicht identisch, sagte Küster im Deutschlandfunk Kultur:

"Natur ist das, was der Naturwissenschaftler so nennt. Ich bin Naturwissenschaftler und weiß, dass Pflanzen wachsen, dass sie auch mal absterben, dass Tiere wachsen und sterben, dass es Entwicklungen gibt und dass nichts in der Natur bleibt, wie es war. In der Landschaft aber, spielt nicht nur die Natur eine Rolle, sondern auch immer Kultur und das heißt, vor allem auch die Idee, die Menschen mit diesem Stück Land verknüpfen und das ist wirklich konstant. Die Idee ist eigentlich das Konstanteste an einer Landschaft."

Am Beispiel des Schwarzwalds erläuterte er, dass mit einer Landschaft auch Musik, Lieder und Malerei verknüpft seien. "Das alles gehört zur Landschaft dazu." Das vom spätantiken Dichter Vergil in seinen Hirtengedichten besungene Arkadien sei ein frühes Beispiel für eine solche Landschafts-Idee.

"Die Menschen wollten nichts Konkretes sehen, sondern eine Idee wiederfinden. Und die Idee ist das freie, paradiesische Leben der Hirten, das ist ja all das, was mit Arkadien verbunden wird."

Ein Baum als Heimat

Küster wies darauf hin, dass die Vermittlung eines Zugangs zu einer Landschaft und der mit ihr verbundenen Idee ein bedeutender Bestandteil der Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft sei:

"Es ist ja heute so, dass viele Menschen im Laufe ihres Lebens mehrere Heimaten brauchen. Die erste Heimat, in der man aufwächst, die hat man. Alle anderen muss man dazu gewinnen. Aber dabei braucht man Hilfe von Leuten, die einem in geschickter Weise sagen 'Schau‘ mal hierhin, kuck‘ mal das an, das fügt sich hier zusammen, das ist etwas Schönes‘. Das kann ein einzelner Baum sein, das kann der Vogel, der darin sitzt, eine Bank, die davor steht, ein Bächlein, das dahinter rauscht und schon ist eine heimelige Atmosphäre da und die Menschen spüren eine Bindung an einen Ort. Aber das muss ihnen auch gegeben werden."

Schon als kleiner Junge baute Hansjörg Küster begeistert Landschaften aus Flüssen, Seen, Bäumen, Eisenbahnen und Häusern. Natur und Kultur verschmolzen in seinem Kinderzimmer zu einem harmonischen Ganzen. Heute vereint er beide in seinem Konzept von einer "modernen Ökologie".

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